Zeb-Report 2016 Deutsches Private Banking in der Sackgasse

Die aktuelle Ausgabe des Zeb-Reports

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Das Private Banking in Deutschland wandelt sich einer Studie der auf den Finanzdienstleistungssektor spezialisierten Strategie- und Managementberatung Zeb zufolge vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind.

Obwohl in diesem Geschäftsfeld mittelfristig von jährlichen Wachstumsraten zwischen 2 Prozent bis 6 Prozent ausgegangen werden kann, erzielt die Mehrzahl der von Zeb in der aktuellen Private-Banking-Studie beobachteten deutschen Institute gegenwärtig eine Marge im kritischen Ergebnisbereich.

Verschärfung bis 2020

Simulationen zeigen, dass sich diese Situation bis zum Jahr 2020 selbst unter günstigen Bedingungen deutlich verschärfen dürfte. Ohne gegensteuernde Maßnahmen werden dann lediglich noch 3 von 16 aktuell untersuchten Instituten Ergebnisse im gesunden Bereich von mehr als 20 Basispunkten erwirtschaften.

Für die Studie hat Zeb deutsche Institute mit möglichst reinen Private-Banking-Geschäftsmodellen analysiert, die gemeinsam insgesamt 320 Milliarden Euro Assets under Management (AuM) verwalten. Das umfasst circa 70 Prozent des insgesamt 460 Milliarden Euro umfassenden deutschen Privatbanken Marktes.

In der Sackgasse

 „Das Private Banking in Deutschland befindet sich in einer Sackgasse. Aus unserer Sicht ist eine grundsätzliche, strategische Anpassung der Geschäftsmodelle dringend erforderlich“ sagt Axel Sarnitz, Partner bei Zeb. „Dies kann nur gelingen, wenn das gesamte Business- und Operating-Model schnell, konsequent und durchgehend an die Anforderungen der digital verwöhnten Kunden angepasst wird.“ Klassische Kostensenkungsmaßnahmen oder reine Maßnahmen zur Stabilisierung der Ertragsbasis reichten bei weitem nicht mehr aus, so Sarnitz.

2015 belief sich das Vermögen von Private-Banking-Kunden auf circa 3,4 Billionen Euro (Prognose bis 2020: 4,1 Billionen Euro). Das bankenseitige Ertragspotenzial ist von 2009 bis 2014 von 9,9 Milliarden Euro um 16 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro gestiegen. Im vergangenen Jahr 2015 konnte ein Anstieg von 11,0 Milliarden Euro auf 11,5 Milliarden Euro erzielt werden, wobei das Wachstum in erster Linie aus der günstigen Marktentwicklung der relevanten Asset-Klassen (+0,4 Milliarden Euro) resultierte.

Kritischer Ergebnisbereich

Die von Zeb untersuchten Banken erwirtschafteten im Jahr 2014 kumulierte Erlöse von circa 2,0 Milliarden Euro bei Kosten von 1,6 Milliarden Euro und wiesen eine durchschnittliche Cost-Income-Ratio von circa 80 Prozent auf. Zusammen erzielten die Banken ein Ergebnis von circa 0,4 Milliarden Euro, was einer durchschnittlichen (AuM-gewichteten) Ergebnismarge von 12 Basispunkten entspricht.

Nur 6 von 16 Banken bewegen sich dabei aktuell hinsichtlich ihrer Ergebnismarge in einem soliden Bereich (größer oder gleich 0 und kleiner 20 Basispunkte), 10 Banken im kritischen Ergebnisbereich (größer oder gleich 0 und kleiner 20 Basispunkte) und keine Bank im negativen Bereich.