Yukka Lab-Chef Andreas Pusch „Sentiment-Analyse ist dritte Säule im Asset Management“

Andreas Pusch ist Chef von Yukka Lab | © Yukka Lab

Andreas Pusch ist Chef von Yukka Lab Foto: Yukka Lab

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private banking magazin: Was macht Yukka Lab?

Andreas Pusch: Bei all den Daten die es heute gibt – Stichwort Big Data – konzentrieren wir uns auf die Analyse von Stimmungen also die Sentiment-Analyse. Generell ist das anwendbar auf Bereiche wie Politik, Wirtschaft bis hin zu Kommunikationsagenturen. Wir bei Yukka legen unseren Schwerpunkt auf die Finanzwelt.

Was können Sie mit der Stimmungsanalyse machen?

Pusch:
Vieles, wir können im Finanzbereich unsere Analyse unter anderem für Verlustbegrenzung, Feedback-Auswertung und Konkurrenz-Auswertung nutzen. Asset Manager nutzen ja bereits die technische und fundamentale Analyse. Und alle wissen, dass Stimmungen Märkte beeinflussen und das die Stimmungen häufig vor den Märkten dreht. Doch bislang hat Sentiment nur ein Schattendasein geführt. Das lag vor allem daran, dass es kein passendes Instrument gab.

Die meisten Stimmungsanalysen sind umfragebasiert. Dadurch ergeben sich auch immer gleich eine Zeitverzögerung und Ungenauigkeiten. Schlechte Voraussetzungen um eine Säule im Asset Management zu werden.

Und wie werten Sie die Stimmung aus?

Pusch:
2014 hat die AMO, ein internationales Beratungsnetzwerk für Finanzkommunikation, eine Befragung unter Asset Managern durchgeführt und dabei herausgefunden, dass 70 Prozent der Fondsmanager zwar die sozialen Medien wie Twitter nutzen, ihre Entscheidungen aber eher auf der Basis von redaktionellen Inhalten fällen.

Yukka hat eine Anbindung an die Finanz- und Wirtschaftsnachrichten der deutschen Presseagentur dpa-AFX wie zum Schweizer Pendant awp Finanznachrichten. Beide liefern den redaktionellen Input, den die Entscheider lesen.
Diese ganzen Informationen verarbeitet unser System. Anders als bei Social Media, wo es viel Rauschen, Smileys und Wow‘s gibt.

Dazu gibt es noch die Probleme der Manipulierbarkeit. In den sozialen Medien kann jeder seine Meinung äußern. Doch wir haben gerade im Ukraine-Konflikt gesehen, dass diese Meinung nicht immer etwas mit der Realität zu schaffen haben müssen. Sondern gesteuert sind.

Diese Manipulierbarkeit ist bei redaktionellen Inhalten nicht so gegeben. Somit stützen sich unsere Analysen auf qualitativen Content, während viele Agenturen, auch wenn sie eine 360-Grad-Rundumbetreuung versprechen, sich überwiegend auf die sozialen Medien stützen.

Und was passiert mit dem redaktionellen Inhalt?

Pusch: Wir haben die deutsche Sprache auseinandergenommen. Digitale Bibliotheken mit Worten gefüllt und dabei die Begriffe so sortiert, dass wir ihnen eine positive oder negative Bedeutung zuweisen können. Krise beispielsweise ist negativ, während Aufschwung positiv ist.
Bislang kamen statische Verfahren bei der Auswertung zum Einsatz.

Bei uns hingegen werden Worte und Wortgruppen im Kontext bewertet. Das bedeutet zwar viele Regeln, doch mit den Bibliotheken zusammen, ergibt das schon eine präzise Analyse. Unsere Trefferquote liegt bei 80 Prozent.

Was bedeuten denn die 80 Prozent?

Pusch: Das entspricht etwa der Leistung eines Finanzexperten, der den ganzen Tag nichts anderes macht, als die Nachrichten zu lesen und diese bewertet.