Nacubo-TIAA-Stiftungsstudie Deshalb bleibt der Investmentansatz großer US-Stiftungsfonds überlegen

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Genau entgegengesetzt verlief der Trend bei alternativen Strategien: Deren Anteil an den gesamten Vermögenswerten lag noch in den 1990er Jahren zeitweise deutlich unter zehn Prozent. Ab der Jahrtausendwende stieg der Anteil kräftig. In den vergangenen zehn Jahren und heute lag und liegt der Alternatives-Anteil im dollargewichteten Schnitt bei mehr als 50 Prozent.  

Das bedeutet, dass bei den von den Nabuco-Analysten untersuchten 688 Endowments die alternative Anlagestrategien im Jahr 2023 die gewichtigste Allokation ausmachten. Ein Detailbeispiele: Die Allokation in Private Equity betrug im Schnitt 29,1 Prozent (inklusive 11,9 Prozent Venture Capital) oder aber in Hedge Fonds 16,0 Prozent. Bei den börsennotierten Aktien war die größte Allokation mit 12,5 Prozent in US-Aktien zu finden. Von den anderen zweistelligen Allokationen entfielen 11,2 Prozent auf Realwerte wie Rohstoffe und Immobilien.

Angaben in Prozent (USD-gewichtet); Quelle: Nacubo 2024, visualisiert von Plexus Investments

Die Investment-Organisation hat sich mit den Märkten weiterentwickelt

Nicht nur die Vermögensaufteilung hat sich verändert, sondern auch der organisatorische Rahmen: Zu den wichtigsten Entwicklungen der vergangenen 50 Jahre gehört die zunehmende Beauftragung von Dienstleistungen externer Investmentberater – bis hin zum externen Chief Investment Officer (Outsourced Chief Investment Officer, OCIO). Das heute etablierte OCIO-Konzept entstand in den späten 1980er Jahren – als Chance für Organisationen, die Wissen und Kapazitäten für die Vermögensverwaltung in einem sich schnell verändernden Kapitalmarktumfeld benötigten, aber keinen internen Anlagestab beziehungsweise Chief Investment Officer unterhalten wollten. Hinzu kommt: Alternative Anlagestrategien effektiv zu verwalten, erfordert deutlich mehr Zeit, Fachwissen und Erfahrung als die Verwaltung klassischer Aktien-Anleihen-Portfolios.  

Zusätzlich attraktiv wurde das OCIO-Modell nach der globalen Finanzkrise von 2007 bis 2009, insbesondere bei kleineren und mittelgroßen Stiftungen. Nutzten im Geschäftsjahr 2010 erst 34 Prozent aller Stiftungen das OCIO-Modell, lag der Anteil im Geschäftsjahr 2023 bei 46 Prozent. Allerdings: Nur 14 Prozent der größten Stiftungen nutzen das OCIO-Modell. Sie setzen mehr auf interne Ressourcen. Immerhin 45 Prozent greifen auf einen Berater zurück.

Performance-Sorgen verursachen Vorbehalte gegenüber Nachhaltigkeit

Eine weitere relevante Entwicklung ist nachhaltiges Investieren. Zwar nehmen entsprechende Praktiken seit einiger Zeit auch in den USA zu. Allerdings verzichten 65,4 Prozent der für die aktuelle Nabuco-Endowment-Studie analysierten Stiftungen bislang auf harte Kriterien für im ESG-Sinne nachhaltiges Investieren. Bei der Selektion externer Manager berücksichtigen 51 Prozent der Stiftungen Nachhaltigkeitsaspekte – das sind jedoch 1,3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Danach befragt, warum sie keine ESG-Ansätze, ESG-bedingte Ausschlüsse oder Impact Investing umsetzen, nannten 28,2 Prozent der Endowments Bedenken hinsichtlich potenziell negativer Auswirkungen auf die Investment Performance. Langfristig ist die Bilanz des Endowment-Ansatzes lohnend erfolgreich

Fazit: Anleger können aus der Studie folgende Schlussfolgerungen ableiten.

  • Kleine Endowments sind aufgrund ihrer Portfoliozusammenstellung einem 70/30-Portfolio sehr ähnlich und haben über die vergangenen zehn Jahre vergleichbare Renditen erzieht (durchschnittlich 6,5 Prozent bei den kleinen Endowments gegenüber 6,7 Prozent bei einem 70/30-Portfolio).
  • Alle 688 untersuchten Endowments zusammengenommen schnitten im 10-Jahres-Zeitraum um durchschnittlich 0,5 Prozent pro Jahr besser ab als das 70/30-Portfolio. Vor allem waren sie in Krisensituationen – diversifikationsbedingt – besser positioniert. So lagen sie im Geschäftsjahr 2022 mit minus 8,0 Prozent deutlich besser als ein 70/30-Portfolio mit minus 14,9 Prozent. Auch über die zwei vergangenen Geschäftsjahre hinweg – also 2022 und 2023 – schlug ein durchschnittliches nordamerikanisches Endowment das 70/30-Portfolio: in diesem Zeitraum um 2,0 Prozent (minus 0,4 Prozent vs. minus 2,4 Prozent).
 
  • Die größten Endowments konnten das 70/30-Portfolio im 10-Jahres-Vergleich deutlicher schlagen: mit 9,1 Prozent durchschnittlicher Jahresrendite gegenüber 6,7 Prozent. Auch der Stiftungsfonds der Yale University zeigt mit seiner Performance, wie erfolgreich der Endowment-Ansatz sein kann: Der Yale-Fonds schlug das 70/30-Portfolio über drei Jahre (12,9 Prozent gegenüber 6,4 Prozent), fünf Jahre (10,2 Prozent gegenüber 6,0 Prozent) und zehn Jahre (10,9 Prozent gegenüber 6,7 Prozent). Dies entspricht einer langfristigen Outperformance von etwa vier Prozent pro Jahr – zudem war das Endowment robuster und krisensicherer als ein traditionelles Portfolio.

Zusammenfassend bedeutet dies: Investoren können mit breiten Multi-Asset-Ansätzen nicht nur die Portfoliovolatilität relevant reduzieren, sondern auch langfristig höhere Renditen als mit reinen Aktien-Anleihen-Portfolios erwirtschaften. Dabei profitieren sie von Diversifikationsvorteilen durch Investments auf privaten Märkten und der Vereinnahmung alternativer Ertragsquellen wie Komplexitäts- und Illiquiditätsprämien.

Ein „Free Lunch“ sind aber auch diese Renditebringer nicht – sie erfordern eine sorgfältige Selektion geeigneter Strategien und Manager. Denn gerade an den Privatmärkten sind die Qualitätsunterschiede zwischen durchschnittlichen, guten und sehr guten Asset Managern oftmals groß und entscheidend.

Über den Gastautor:

Günter Jäger hat Plexus Investments im Jahr 2006 gegründet. Davor leitete er bei der LGT Capital Management das Portfolio-Management des Fürstlichen Portfolios und der Multimanager-Produkte. Ursprünglich kommt er aus dem Risikocontrolling. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler ist unter anderem Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA), Certified Financial Risk Manager (FRM) und Certified International Wealth Manager (CIWM). Seit mehr als 20 Jahren investiert er für vermögende Mandanten nach dem Endowment-Ansatz.

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