Im Vergleich zu den USA Deutschen stehen 100.000 Euro weniger Pensionsvermögen zu

Nikolaus Schmidt-Narischkin ist Vorsitzender der Geschäftsführung von WTW Investments.

Nikolaus Schmidt-Narischkin von WTW: „Deutschland liegt in Volumen und in Struktur der kapitalgedeckten Altersvorsorge um europäischen und im globalen Vergleich deutlich zurück.“ Bildquelle: WTW Investments

In den vergangenen zehn Jahren wuchsen die deutschen Pensionsvermögen im Durchschnitt um rund 3 Prozent pro Jahr. Damit bleibt Deutschland sowohl hinter dem globalen Durchschnitt als auch hinter zahlreichen europäischen Ländern zurück. Das geht aus einer aktuellen Studie des Thinking Ahead Institut hervor. Die zur Willis Towers Watson (WTW) gehörende Forschungsorganisation hat Marktgröße, Wachstum und Kapitalanlage von 22 Pensionsmärkten analysiert.

In der Schweiz und in den Niederlanden lagen die jährlichen Wachstumsraten bei rund 4 Prozent. Deutlich dynamischer entwickelten sich kapitalmarktorientierte Systeme wie in Kanada mit rund 5 Prozent und in den USA mit rund 8 Prozent pro Jahr.

 

„Deutschland liegt in Volumen und in Struktur der kapitalgedeckten Altersvorsorge im europäischen und im globalen Vergleich deutlich zurück“, sagt Nikolaus Schmidt-Narischkin, Vorsitzender der Geschäftsführung der WTW.

Deutschland zählt mit einem Pensionsvermögen von rund 473 Milliarden Euro zu den zehn größten Pensionsmärkten der Welt. Doch allein die USA vereinen mit knapp 38 Billionen Euro rund zwei Drittel der weltweiten Pensionsvermögen auf sich. Kanada und Japan folgen mit jeweils mehr als 2,5 Billionen Euro. Der deutsche Anteil an den globalen Pensionsvermögen liegt dagegen bei unter einem Prozent.

Ein Vergleich des deutschen Pensionsvermögens pro Kopf mit identischer Quote des Vorreiters USA macht die Spanne noch deutlicher: Rund 100.000 Euro mehr Pensionsvermögen stehen einem Bürger in den USA zu im Vergleich zu einem Einwohner Deutschlands. 

Struktureller Rückstand in Europa

Besonders deutlich wird der Rückstand im europäischen Vergleich. Während die deutschen Pensionsvermögen lediglich rund 11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, sind kapitalgedeckte Systeme in anderen Ländern tief im Wirtschaftssystem verankert. In der Schweiz entsprechen die Pensionsvermögen rund 173 Prozent des BIP, in den Niederlanden etwa 147 Prozent. Auch das Vereinigte Königreich erreicht mit rund 82 Prozent ein deutlich höheres Niveau. 

 

Diese Zahlen spiegeln mehr als nur unterschiedliche Sparquoten wider. Sie zeigen fundamentale Unterschiede in der Architektur der Altersvorsorge. Während viele Nachbarländer früh auf kapitalgedeckte und institutionell organisierte Systeme gesetzt haben, ist die deutsche Altersvorsorge weiterhin stark umlagefinanziert geprägt.

Globaler Trend zu beitragsorientierten Systemen

Global betrachtet verdeutlicht die Studie zudem einen grundlegenden Wandel der Altersvorsorge. In den sieben größten Pensionsmärkten entfallen inzwischen 63 Prozent der Vermögen auf beitragsorientierte Systeme (Defined Contribution). Gerade diese Märkte verzeichneten in den vergangenen zehn Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten. Parallel dazu nimmt die Diversifizierung der Kapitalanlagen zu, während integrierte Ansätze in der Steuerung von Vermögen und Risiken weiter an Bedeutung gewinnen.

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