Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.
Wie läuft die Auswahl eines Asset Managers ab?
Gerdes: Der Prozess ist hochprofessionell. Am Anfang steht ein sehr großes Universum potenzieller Anbieter. Über Datenbanken und quantitative Kriterien reduzieren wir dieses zunächst auf eine Longlist und anschließend auf eine Shortlist. Die verbliebenen Kandidaten stellen ihre Strategie in sogenannten Beauty Contests vor.
Neben Performance und Investmentprozess spielen dann auch Faktoren wie Stabilität des Teams, Transparenz und die persönliche Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Insgesamt dauert ein solcher Auswahlprozess häufig mehrere Monate.
Pachtner: Genauso erleben wir das auf der Asset-Manager-Seite. Institutionelle Investoren verfügen heute über eine enorme Expertise und stellen sehr präzise Anforderungen – sowohl regulatorisch als auch hinsichtlich Nachhaltigkeit und Risikomanagement. Umso wichtiger ist es, von Anfang an offen zu kommunizieren, welche Ergebnisse realistisch erreichbar sind und wie sich ein Portfolio auch in schwierigen Marktphasen verhalten kann.
Wir haben im DACH-Raum langfristige Partnerschaften bei Fixed-Income- wie auch bei Aktienmandaten mit institutionellen Investoren geschaffen. Diese entstehen nicht durch Marketing, sondern durch nachvollziehbare Prozesse und verlässliche Kommunikation.
Nachhaltigkeit gehört inzwischen zu den Standardanforderungen institutioneller Investoren. Welche Rolle spielt ESG in Ihrem Investmentprozess?
Pachtner: ESG ist längst kein Zusatzkriterium mehr, sondern integraler Bestandteil des Investmentprozesses. Praktisch jede Ausschreibung institutioneller Investoren enthält inzwischen umfangreiche Fragen zu Nachhaltigkeit. Dabei unterscheiden wir zwei Ebenen. Zum einen definieren unsere Kunden ihre individuellen Ausschlusskriterien und Anlagerichtlinien. Zum anderen bewerten wir selbst, welchen Einfluss ESG-Faktoren auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens haben.
Für einen Anleiheinvestor ist entscheidend, ob ein Unternehmen langfristig in der Lage sein wird, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Deshalb betrachten wir Nachhaltigkeit immer auch unter dem Gesichtspunkt der Bonität und der Rückzahlungsfähigkeit. Dafür greifen wir nicht ausschließlich auf externe Ratings zurück, sondern arbeiten mit einem eigenen ESG-Research-Team und einem proprietären Bewertungssystem. So können wir die individuellen Vorgaben unserer Kunden direkt in den Investmentprozess integrieren.
Wie hat sich die Asset-Klasse der US-Unternehmensanleihen in den vergangenen Jahren verändert?
Gerdes: Die Entwicklung lässt sich nur vor dem Hintergrund der vergangenen Jahrzehnte verstehen. Zwischen Anfang der 1980er-Jahre und der Niedrigzinsphase haben Anleger einen außergewöhnlichen Bullenmarkt bei Anleihen erlebt. Sinkende Zinsen sorgten auch nach der Finanzkrise über viele Jahre nicht nur für laufende Erträge, sondern auch für erhebliche Kursgewinne. Mit dem Erreichen der Nullzinsphase war dieses Umfeld jedoch beendet.
Deshalb waren die vergangenen zehn Jahre für Rentenanleger insgesamt wenig attraktiv. Das ist kein Versagen einzelner Asset Manager, sondern Ausdruck des Marktumfelds. Für institutionelle Investoren bleiben Anleihen dennoch unverzichtbar. Sie sorgen für stabile Cashflows und erfüllen im Portfolio eine andere Aufgabe als Aktien oder Private Equity. Wir vergleichen das gern mit einer Fußballmannschaft: Aktien und Private Equity übernehmen die Rolle der Stürmer, Rentenanlagen die der Verteidiger. Beides gehört zu einer ausgewogenen Aufstellung.
Wie beurteilen Sie das aktuelle Marktumfeld?
Pachtner: Nach Jahren extrem niedriger Zinsen bietet die Asset-Klasse nun wieder attraktive Einstiegsmöglichkeiten. US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating erzielen derzeit laufende Renditen von mehr als fünf Prozent und damit wieder positive Realrenditen, da diese oberhalb der Inflationsrate liegen. Gleichzeitig beobachten wir allerdings sehr enge Kreditaufschläge.
Das spricht für einen selektiven Ansatz. Genau hier sehen wir den Mehrwert aktiven Managements. Rund 80 Prozent unseres Mehrertrags stammen aus der Auswahl einzelner Unternehmen und Anleihen. Wir gehen keine makroökonomischen Zinswetten ein, sondern analysieren jedes Unternehmen fundamental und suchen gezielt nach attraktiven Emissionen.