Wirtschaftswachstum in Europa Warum sich ein Blick auf europäische Konsumaktien lohnt

Lars Thørs, Leiter für europäische und globale Aktien bei Danske Invest

Lars Thørs, Leiter für europäische und globale Aktien bei Danske Invest

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Das Wachstum in der Eurozone betrug Ende 2015 circa zwei Prozent. Und auch für die Zukunft erwarten wir weitere Zuwächse im Euroraum, bei gleichzeitig solidem Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits in den letzten Jahren als Folge der Finanzkrise eine lockere Geldpolitik mit rekordniedrigen Zinsen und einem Anleihekaufprogramm verfolgt. Im März dieses Jahres entschieden sich die Notenbanker für noch weiterreichende Lockerungsmaßnahmen: Sie senkten unter anderem den Einlagenzins auf -0,4 Prozent und verstärkten das Anleihekaufprogramm.

EZB unterstützt europäische Konjunktur

Damit erhöhte die Zentralbank die monatlichen Anleihekäufe nochmals um 20 Milliarden Euro auf 80 Milliarden Euro. Und mehr noch: Sie erweiterte außerdem ihr Kaufuniversum um Unternehmensanleihen mit hoher Bonität, die nicht von Banken emittiert werden. Zudem präsentierte die EZB ein sogenanntes negatives LTRO (ein längerfristiges Refinanzierungsgeschäft – TLTRO II). Hierbei werden europäische Banken dafür entlohnt, dass sie bei der EZB Geld leihen – unter der Bedingung, dass sie ihre Kreditvergabe erhöhen.

Insgesamt hat die Geldpolitik der EZB den Euro gegen¬über dem Dollar geschwächt und dadurch zur Stärkung der europäischen Wirtschaft beigetragen. Wir beobachten jetzt, dass die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe gestiegen ist. Dies unterstützt wiederum die europäischen Unternehmen, das europäische Wachstum und damit die europäischen Aktienmärkte. Die neue Maßnahme der EZB – der Aufkauf von Unternehmensanleihen – sowie die LTRO-Initiative sollten die Konjunktur weiter ankurbeln.

Unter den europäischen Unternehmen steigt die Investitionsneigung – wohlgemerkt auf eine vernünftige und rentable Weise. Gleichzeitig erleben die Unternehmen Unterstützung in Form verbesserter Kreditstandards, wie zum Beispiel günstigerer Darlehensbedingungen der Banken. In Kombination mit einer gesteigerten Kreditvergabe sollte dies dazu führen, dass weiterhin kräftig investiert wird. Letztendlich wird dies eine treibende Kraft für die europäische Wirtschaft sein.

Europäische Konsumaktien sind attraktiv

Wenn wir von europäischen Aktien sprechen, meinen wir hauptsächlich diejenigen europäischen Unternehmen, die vom Aufschwung in der Eurozone und dem steigenden Binnenkonsum profitieren. Die europäischen Börsen, darunter auch der deutsche Aktienmarkt, werden stark von zyklischen Titeln geprägt. So sind Industrieunternehmen oder Konsumartikelhersteller vor allem davon abhängig, ob die Verbraucher über mehr oder weniger Geld verfügen.

Insbesondere hinsichtlich Aktien aus Branchen wie Versicherungen, Telekommunikation, Medien und Technologie sowie Emittenten aus der Reisebranche und sonstigen Konsumsegmenten sind wir positiv gestimmt. Denn wir gehen davon aus, dass ein steigendes Wachstum in der Eurozone vor allem die Nachfrage bei die¬sen Unternehmen anfachen wird.

Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen

Von Mai 2014 bis Ende Dezember letzten Jahres wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar um 22 Prozent ab. Ein schwächerer Euro kommt nun denjenigen europäischen Unternehmen zugute, die entweder exportorientiert oder auf den Binnenkonsum ausgerichtet sind. Denn durch die Abwertung sind die Produkte europäischer Unternehmen an den Exportmärkten außerhalb der Eurozone billiger geworden. Auf der anderen Seite sind Waren aus Ländern, deren Währung stärker als der Euro ist, innerhalb der Eurozone teurer geworden. Dies verschafft hiesigen Unternehmen, die Waren an die europäischen Verbraucher absetzen, einen Wettbewerbsvorteil.

Jedoch sehen wir nicht alle europäischen Exportunternehmen in einem positiven Licht. Im Gegenteil: Gesellschaften, die den Großteil ihres Umsatzes mit Ausfuhren nach Asien erwirtschaften, betrachten wir mit Skepsis. Denn ein Wachstumsrückgang in China hätte negative Auswirkungen auf die Exportmöglichkeiten dieser Unternehmen. Auch weiterhin wird es allerdings Bereiche geben, die langfristig interessante Anlagechancen bieten. Um diese aufzuspüren, ist ein fundamentaler und selektiver Investmentprozess erforderlich.

Niedrige Rohstoffpreise sind positiv

Der niedrige Ölpreis – und die niedrigen Rohstoffpreise generell – haben außerdem eine positive Auswirkung auf europäische Unternehmen: Sie haben den Verbrauchern einen größeren finanziellen Spielraum verschafft – was positiv auf europäische Emittenten abfärbt. Darüber hinaus kommen den einheimischen Unternehmen die niedrigen ölbezogenen Produktionskosten zugute.

Wir gehen davon aus, dass die günstigen Rohstoffpreise 2016 auf einem niedrigen Niveau verharren werden und so das generelle Wachstum in Europa gestützt wird. Auf der anderen Seite sind wir deshalb gegenüber europäischen Aktien aus dem Energie- und Bergbausektor, die unseres Erachtens aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise weiterhin unter Druck stehen werden, nicht positiv gestimmt.