Die Herausforderung der IOOI-Wirkungslogik bei Engagement besteht darin, aussagekräftige Kennzahlen und Bewertungsgrößen zu identifizieren und in die IOOI-Wirkungslogik zu übersetzen. Wir haben auf Basis unserer bestehenden Engagement-Richtlinie analysiert, welche Bewertungsgrößen und Kennzahlen ein aussagekräftiges Bild unseres Vorgehens ermöglichen und somit die Engagement-Aktivitäten messbar machen (untere Abbildung). Diese Impact-Messmethodik kann für jede Engagement-Aktivität der BKC angewendet werden, was künftig auch unser Anspruch ist.
Ist es bei Engagement-Aktivitäten noch relativ einfach, Input- und Output zu messen und zu bewerten, ist dies für den Outcome, vor allem aber den Impact um ein Vielfaches schwieriger. Die Wirkung auf gesamtgesellschaftlicher (ökologisch-sozialer) Ebene zu messen, ist mit verschiedenen Schwierigkeiten verbunden und meistens erst nach einem längeren Zeitraum möglich. Um diesen Problemen zu begegnen, nutzen wir ein Bewertungsmodell, das aus drei aufeinander aufbauenden Schritten besteht:
Schritt 1 - Vorbereitungsphase
Auf Basis von im Vorfeld zu prüfenden Faktoren werden entsprechende Engagement-Objekte und -Aktivitäten ausgewählt. Dabei stehen zwei Fragen im Fokus:
- Welche Nachhaltigkeitswirkung wird dem Nachhaltigkeitsthema und dem Engagement-Objekt zugerechnet?
- Welches Rendite-Risiko-Optimierungspotenzial bietet das Nachhaltigkeitsthema und das Engagement-Objekt im Portfoliokontext?
Bei der Festlegung des Engagement-Ziels und des -Objektes werden jeweils die angenommene Nachhaltigkeitswirkung sowie das angenommene Rendite-Risiko-Optimierungspotenzial mit einer von uns definierten Scoringverteilung bewertet.
Schritt 2 - Durchführungsphase
Der Zielerreichungsgrad der Engagement-Aktivität wird wie bereits beschrieben anhand eines Scores gemessen, der zeigt, in welchem Maße das Engagement-Objekt die Engagement-Forderungen umgesetzt hat.
Schritt 3 - Nachbereitungsphase
Die Wirkung der Engagement-Aktivität wird in dem entworfenen Modell auf Basis der Schritte 1 und 2 berechnet. Im Ergebnis werden dann die „Vermutete erzielte Nachhaltigkeitswirkung“ und das „Vermutete erzielte Rendite-Risiko-Optimierungspotenzial“ jeweils mit einem Gesamtscore zwischen Score 0 „nicht vorhanden“ bis Score 10 „sehr hoch“ ausgedrückt.
Schutz des Regenwaldes: Engagement mit Brasilien
Das Engagement mit einem Staat ist deutlich herausfordernder als mit einem Unternehmen, weshalb wahrscheinlich viele Investoren selten oder gar nicht ein Engagement mit Staaten anstrengen. Allerdings bleibt in diesen Fällen ein oftmals nicht unerheblicher Anteil ihres Portfolios von Engagement-Aktivitäten unberücksichtigt.
In der Planung des Brasilien-Engagements haben wir uns intensiv mit den verschiedenen Hürden bei einem Staaten-Engagement auseinandergesetzt. Erschwerend kam in diesem Fall hinzu, dass die Regierung Bolsonaro die Ressourcenausbeutung des Amazonas-Regenwaldes bewusst und aktiv vorangetrieben hat. Daher entschieden wir uns, weitere katholische Institutionen zu einer kollaborativen Engagement-Allianz zusammenzubringen.
Neben dem gebündelten finanziellen Druckpotenzial wurde so eine „hörbare katholische Investorenstimme“ geformt, die damit sowohl in kapitalmarktnahen Wirtschafts- und Finanzkreisen gehört wird als auch in vielen Gesellschafts- und Regierungskreisen im katholisch geprägten Brasilien. Diese Investoren-Allianz, bestehend aus 93 katholischen Institutionen aus 18 Ländern, ist bis dato das weltweit erste katholische Investoren-Engagement dieser Größenordnung.
Im März 2021 startete der Engagement-Dialog durch den Versand von Briefen an hochrangige brasilianische Regierungsvertreter und staatliche Entscheidungsträger. In den aus über einem Dutzend Forderungen bestehenden Engagement-Forderungskatalog drängte die katholische Investoren-Allianz darauf, dass die brasilianische Regierung einen konkreten Aktionsplan für einen stärkeren Schutz des Amazonas-Regenwaldes und der dort lebenden Bevölkerung aufstellt und umsetzt. Im Verlaufe des Engagements wurde hierüber ein intensiver Dialog mit einer großen Anzahl von hochrangigen brasilianischen Entscheidungsträgern geführt.
Mit Abschluss des Brasilien-Engagements im September 2023 bewerten wir den kompletten Forderungskatalog mit Ausnahme eines Teilaspekts als erfüllt beziehungsweise umgesetzt. Durch die nahezu vollständige Erfüllung unserer Forderungen bewerten wir den Zielerreichungsgrad der Engagement-Aktivität mit dem Score 9 „Mehrheitlich umgesetzt“.
Die eine noch nicht komplett umgesetzte Forderung bezieht sich auf den Themenkomplex des illegalen Goldabbaus im Amazonas und die Einführung eines Rückverfolgungssystems für Gold. Zwar wurde unsere Forderung dahingehend erfüllt, dass die brasilianische Steuerbehörde nun elektronische anstatt papierhafte Rechnungsquittungen für den Goldhandel vorschreibt und damit die Prüfung von Goldtransaktionen erstmals grundlegend ermöglicht. Jedoch stellt dies unserer Meinung nach noch kein umfassendes Rückverfolgungssystem dar. Wenngleich wir die Engagement-Aktivität als katholische Investoren-Allianz beendet haben, planen wir als Bank für Kirche und Caritas eine Engagement-Aktivität, die thematisch an diesem Punkt anknüpft.
Der Ergebnisbericht „Katholisches Investoren-Engagement mit Brasilien zum Schutz des Amazonas Regenwaldes und der indigenen Bevölkerung“ finden Sie hier zum Download.
Über den Autor:
Tommy Piemonte ist seit 1. Juli 2016 als Leiter Nachhaltigkeitsresearch bei der Bank für Kirche und Caritas tätig. Dort verantworteter die Weiterentwicklung, operative Umsetzung und Überwachung der ethisch-nachhaltigen Anlagestrategie der Bank. Vor seiner Zeit bei der Bank für Kirche und Caritas war Tommy Piemonte Leiter der Nachhaltigkeitsratingagentur Imug aus Hannover.
