private banking magazin: Herr Buckard, die MPF hat sich entschieden, in Zukunft auch in Private Markets zu investieren. Was war der Auslöser für diese strategische Entscheidung?
Thomas Buckard: Der Impuls kam tatsächlich von uns selbst, weil wir erkannt haben, dass wir Private Equity und generell die Private Markets in unser Angebot integrieren müssen. Die Rahmenbedingungen haben sich deutlich verbessert, insbesondere durch die Einführung von ELTIFS und die verbesserte Liquidität. Wir sehen darin die Möglichkeit, uns weiterzuentwickeln und uns von Wettbewerbern abzugrenzen, die seit Jahrzehnten das gleiche Geschäftsmodell verfolgen.
Man hört oft den Begriff „Demokratisierung“ in Bezug auf diese Anlageklasse. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Buckard: Ich denke, da ist durchaus etwas dran. In Deutschland ist der Anteil der Bevölkerung, der am industriellen Wohlstand durch Produktivkapital beteiligt ist, im internationalen Vergleich sehr gering. Wir sind da quasi Schlusslicht. Ich frage mich: Warum sollten solche Anlagen nur Institutionellen und sehr vermögenden Personen vorbehalten sein? Die Demokratisierung steht zwar noch am Anfang, aber ich finde den Ansatz richtig und wichtig für eine breitere Vermögensbildung in der Gesellschaft.
Diese Anlageklasse bringt auch Herausforderungen mit sich, insbesondere was die Liquidität betrifft. Wie gehen Sie damit um?
Buckard: Unsere Kunden kennen solche Strukturen bereits von anderen Anlagen. Viele haben zum Beispiel vor einigen Jahren Beteiligungen an einem Dachfonds für geschlossene Immobilienfonds im Zweitmarkt erworben und damit gute Erfahrungen gemacht. Die Kunden wissen also, dass sie in den ersten Jahren nicht aussteigen sollten oder können und dass es sich um langfristige Investments handelt. Wir kommunizieren das sehr transparent.
Konkret?
Buckard: Wir schreiben alle Kunden an, erklären unser Vorhaben und die Gründe dafür. Die Anlagerichtlinien und Verträge müssen angepasst werden. Die Kunden müssen aktiv zustimmen und können dabei auch Limits festlegen, etwa einen maximalen Prozentsatz ihres Gesamtportfolios. Erst dann nehmen wir die entsprechende Allokation vor.
Welche Art von Private-Equity-Produkten planen Sie konkret einzusetzen?
Thomas Buckard: Wir haben uns entschieden, nur in offene Eltifs zu investieren. Es gibt ja regulatorischregulatorisch nur geschlossene oder offene Produkte, wir fokussieren uns ausschließlich auf die offenen. Wir wollen keine geschlossenen Fonds, bei denen man die ersten zehn Jahre nicht aussteigen kann. Das wäre für die breite Masse unserer Kunden nicht geeignet. Für spezielle Kunden, die explizit etwas Strategisches wollen und bereit sind, wirklich zehn Jahre nicht daran zu rühren, werden wir im Einzelfall sicherlich auch solche Lösungen anbieten können. Aber das ist nicht unser Fokus für die breite Kundschaft.
Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Berater für diese neuen Produkte ausreichend qualifiziert sind?
Buckard: Das ist ein wichtiger Punkt. Zunächst einmal setzen wir die Produkte diskretionär ein. Wir ordnen sie komplett der Aktienquote zu und damit der höchsten Risikostufe. Die Entscheidungen treffen wir im Anlageausschuss. Natürlich werden die Kunden Fragen haben, wenn sie unser Schreiben erhalten. Dafür führen wir interne und externe Schulungen durch.
Die Bewertung und der Vergleich von Private-Equity-Anlagen sind komplexer als bei traditionellen Fonds. Wie gehen Sie damit um?
Buckard: Das ist eine Herausforderung. Wir finden den Plattform-Gedanken gut, weil man dort einen großen Strauß von möglichen Investitionsvehikeln vergleichen kann. Wir werden sicherlich mit eher risikoarmen Investments beginnen, etwa im Bereich Infrastruktur oder breit gestreutes Private Equity als Co-Investment. Wir werden uns auf Namen konzentrieren, die schon einen sehr langen Track Record haben. Natürlich kauft man immer ein Stück Zukunft mit, aber wenn man die großen, erfahrenen Player auswählt und dann noch streut, minimiert man die Risiken.
Welchen Anteil sollen Private-Equity-Anlagen in Ihren Portfolios einnehmen?
Buckard: Wir werden vorsichtig beginnen. Auch wenn man heute schon von bis zu 20 Prozent der Aktienquote spricht, werden wir das wahrscheinlich nicht tun. Ich denke, wir werden mit etwa 5 bis 10 Prozent des Aktienteils anfangen. Kunden können in ihren Anlagerichtlinien auch höhere Anteile festlegen, wenn sie das wünschen.
Wichtig ist: Unser Ziel ist nicht die Performancemaximierung. Es geht uns darum, weiter zu diversifizieren und mehr Ruhe in die Depots zu bringen. Private Equity kann ein weiterer Stabilisator sein, gerade in Zeiten, in denen auch vermeintlich sicherere Anlagen wie Hybridanleihen starke Schwankungen zeigen.
