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Illiquide Investments „Wir sehen interessante Renditemöglichkeiten in den Schwellenländern“

Indische Metropole Mumbai

Indische Metropole Mumbai: Viele Unternehmen in den Schwellenländern haben keinen Zugang zum Kapitalmarkt und sind auf Direktkredite angewiesen. Das kann Investoren Renditechancen eröffnen. Foto: imago images / agefotostock

Herr Blua, Anleger, die sich für illiquide Vermögenswerte interessieren, wissen oft um die großen Chancen, scheuen jedoch nicht selten vor Investments zurück. Könnte eine Änderung der Fondsstruktur Abhilfe schaffen?

Jean-Philippe Blua, BlueBay AM

Jean-Philippe Blua: Wenn wir über Investitionsbarrieren bei illiquiden Vermögenswerten sprechen, wird häufig auf die Fondsstrukturen verwiesen – also geschlossene gegenüber offenen Fonds. Geschlossene Fonds binden die Anleger in der Regel für die im Voraus vereinbarte Laufzeit, während diese bei offenen Fonds dynamisch ein- und aussteigen können.

Wie immer bei diesem Thema kommt es darauf an, die Liquidität des Fonds mit der zugrunde liegenden Liquidität der Vermögenswerte in Einklang zu bringen. Wie wir im Zuge der Finanzkrise am Beispiel täglich handelbarer Immobilienfonds gesehen haben, können illiquide Vermögenswerte in offenen Fondsformaten äußerst problematisch sein.

Meines Erachtens muss bei offenen Fondsstrukturen klar definiert werden, wann eine Anlage als illiquide eingestuft wird und ob beziehungsweise in welchem Umfang ein Investment in Frage kommt. Zum Vergleich: Was in einem täglich verfügbaren Fonds als illiquide gelten kann, könnte in einem Fonds mit vierteljährlicher Liquidität als Standardanlage gelten.

Ganz klar: Es gibt Investments, die einfach nicht zu offenen Fonds passen. So können beispielsweise Direktkredite – bei denen spezialisierte Investmentfonds kleinen und mittleren Unternehmen Geld leihen – als echte illiquide Vermögenswerte definiert werden. Sie passen wahrscheinlich besser zu geschlossenen Fonds. Die Darlehen haben in der Regel eine lange Laufzeit von fünf bis sieben Jahren und können nicht gestückelt und gehandelt werden, um damit Anlegern während der gesamten Laufzeit des Fonds den Ein- oder Ausstieg zu ermöglichen.

Herr Blua, Herr Florian, welche weiteren Herausforderungen sind mit Investitionen in illiquide Vermögenswerte verbunden?

Blua: Den Anlegern sollten die mit den zugrunde liegenden Vermögenswerten verbundenen Risiken umfassend erläutert werden – denn die höheren Renditechancen gibt es nicht umsonst.

Die größte Herausforderung liegt jedoch beim Vermögensverwalter. Dieser muss eine Fondsstruktur anbieten können, die zur Art der Strategie und den Vermögenswerten passt. Es liegt außerdem in seiner Verantwortung, dass die Flexibilitätsanforderungen eines Kunden mit dem Liquiditätsprofil des Fonds übereinstimmen.

Und im Falle von Rücknahmen?

Blua: Bei Rücknahmen ist es besonders wichtig, dass das Liquiditätsprofil des Fonds unverändert bleibt. Daher sollte bei der Beschaffung von Barmitteln der Schwerpunkt nicht auf dem Verkauf der liquidesten Vermögenswerte liegen. Denn dadurch erhöht sich automatisch der Anteil weniger liquider Investments.

Mihai Florian, BlueBay AM

Mihai Florian: Anleger sollten außerdem berücksichtigen, dass illiquide Vermögenswerte kein lineares Anlageprofil haben. Das heißt: Man kann nicht wie bei liquiden Strategien das gesamte Geld auf einmal investieren. Aus diesem Grund gibt es „Draw-Down“-Vehikel. Diese investieren, wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt.

Herr Florian, wo sehen Sie derzeit Chancen an den privaten Märkten?

Mihai Florian: Wir sehen potenziell interessante Renditemöglichkeiten bei qualitativ hochwertigen Krediten an den privaten Märkten der Schwellenländer. Diese ergeben sich vor allem aus der Tatsache, dass selbst robuste Unternehmen dort im Allgemeinen nur über begrenzte Finanzierungsquellen verfügen. Die Chancen lassen sich auf drei Wegen nutzen.

  1. Erwerb von Krediten am Sekundärmarkt: Banken sind aufgrund strengerer kapital- und aufsichtsrechtlicher Auflagen regelmäßig bestrebt, einen Teil ihres Engagements bei Schwellenländer-Unternehmen zu veräußern. Obwohl es sich dabei um qualitativ hochwertige Kredite handelt, können sie mit einem Abschlag zum Nennwert erworben werden, weil die Banken ihre Positionen schnell abbauen müssen oder weil es zu vorübergehenden Marktverwerfungen kommt.
  2. Neue Finanzierungen: Kredite, die der Bankensektor aufgrund zeitlicher Aspekte oder struktureller Gründe nicht bereitstellen kann.
  3. Angespannte Situationen: Kredite, die mit einem starken Abschlag gehandelt werden, bei denen wir aber mit einer deutlichen Kurssteigerung rechnen.

Herr Florian, Herr Phillips, wie wird sich die Pandemie Ihrer Meinung nach auf die privaten Märkte auswirken?

Mihai Florian: Covid-19 hat einige der Trends verschärft, die wir bereits auf dem Markt für private Investments in den Schwellenländern beobachten konnten. In der Anfangsphase der Krise haben die Banken ihr Engagement in den aufstrebenden Volkswirtschaften zunehmend abgebaut. Einige haben sich sogar ganz aus bestimmten Märkten oder Sektoren zurückzogen. In der zweiten Phase war zu beobachten, dass sich eine Reihe von Unternehmen ohne Marktzugang privat Kapital beschaffen wollten. Wir gehen davon aus, dass Ende 2021 und Anfang 2022 die Stresssituationen zunehmen könnten, wenn die staatliche Unterstützung zurückgefahren wird.

Adam Phillips, BlueBay AM

Adam Phillips: Aus meiner Sicht werden bestimmte Sektoren länger brauchen, um sich vollständig von der Pandemie zu erholen – und einige werden es vielleicht nie ganz schaffen. Viele Unternehmen sind heute stärker verschuldet, haben eine geringere Liquidität und weniger Möglichkeiten, solide Gewinne zu erzielen. Was passiert, wenn in den kommenden sechs bis 24 Monaten die Stützungsmaßnahmen wegfallen? Immer mehr Unternehmen dürften dann wahrscheinlich ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können und müssen Umstrukturierungen durchführen. Da Banken zum Verkauf entsprechender Vermögenswerte gezwungen sein könnten, dürften sich folglich an den privaten Märkten interessante Einstiegs- und Zukaufsmöglichkeiten bieten.