Immobilienfonds für 5 Millionen aufwärts „Wir schauen uns mit Investoren Projekte vor Ort an“

Arno Väth, Unternehmensbereich Real Estate, Fidelity | © Johannes Arlt

Arno Väth, Unternehmensbereich Real Estate, Fidelity Foto: Johannes Arlt

private banking magazin: Der Ruf offener Immobilienfonds hat in den vergangenen Jahren stark gelitten. Sie richten sich nun mit dem Eurozone Select Immobilienfonds ausschließlich an vermögende Investoren, die mindestens 5 Millionen Euro investieren. Das verspricht ja ein überschaubares Miteinander.

Arno Väth: In der Tat, und darauf zielt unser Ansatz ja auch ab. Wir haben derzeit zehn Investoren aus sieben Ländern – auch aus Asien –, mit denen wir in engem Kontakt stehen.

private banking magazin: Keine Gefahr, dass Anleger überstürzt Kapital abziehen?

Väth: Nein. Im Gegenteil. Wir haben einige Investoren, die erhöhen wollen.

private banking magazin: Was reizt gerade asiatische Investoren am europäischen Immobilienmarkt?

Väth: Sie wollen wie auch die europäischen Investoren eine gute und breite Allokation und eine verlässliche Anlage. Unsere Schweizer Anleger wollen zudem etwas mehr Rendite, als es in der Schweiz derzeit möglich ist, und ein irischer Investor möchte im Zentrum Europas investiert sein. Einfach für den Fall, dass Irland erneut zu einem Problemfall für die Eurozone wird.

private banking magazin: Sind Ihre Investoren anspruchsvoller als der durchschnittliche Bankkunde?

Väth: Auf jeden Fall. Wir bearbeiten mitunter Anfragen, die einer Due-Diligence-Prüfung gleichkommen. Wir gehen auch mit den Investoren auf Tour und schauen uns Projekte vor Ort an. Dabei möchten einige auch schon mal in den Heizungskeller, um zu prüfen, ob die Rohre richtig abgenommen sind.

private banking magazin: Wie bei einer Direktabnahme?

Väth: Ja. Das hat uns auch etwas überrascht. Aber das ist heutzutage nicht ungewöhnlich bei Investoren, die sich woanders die Finger verbrannt haben.

private banking magazin: Wie beurteilen Sie die Entwicklung bei gewerblichen Immobilien?

Väth: Natürlich muss man differenzieren. Die Nachfrage nach deutschen Objekten ist nach wie vor groß, weil die Kaufkraft unverändert hoch ist, das Angebot aber knapp – insbesondere im Premium-Segment. Neben Top-Standorten wie München, Hamburg, Frankfurt und Berlin, wo die Büromieten anziehen, sind auch etablierte Studenten-Städte wie Freiburg beispielsweise für Einzelhandelsinvestments interessant. Oder auch einfach Lagen buchstäblich rechts und links der bekannten Straßen in den Großstädten.

private banking magazin: Wo müssen Sie aufpassen?

Väth: In Rand- und Nebenlagen. Da geht es runter. Vielfach sind die Lagen auch überbaut, und der Markt polarisiert recht stark.

private banking magazin: Auch bezüglich der Mieter?

Väth: Absolut. Ein Objekt mit Primark als langfristigem Mieter wird deutlich höher bewertet als die benachbarte Immobilie, in der Karstadt eine Filiale unterhält. Die Flächenproduktivität, gemessen am Umsatz, ist ein Riesenhebel. Nur wer hohe Umsätze macht, kann auch hohe Mieten zahlen.