
private banking magazin: Herr Sobotta, der US-Markt läuft gut, Europa schwächelt und eine Reihe von Schwellenländern erstarkt. Sinkende Zinsen sind absehbar. Stehen die Anleger in weiten Teilen der Welt vor einem Goldlöckchen-Szenario?
Patrick Sobotta: Zumindest ähnelt das aktuelle Umfeld mit moderatem Wachstum und Disinflationstendenzen dem Goldilocks-Szenario, also einer Art perfektem Gleichgewicht für die Märkte. Es kommt Unternehmen zugute und räumt den Notenbanken Spielraum für Zinssenkungen ein. Das befeuert die Aktienmärkte, die in diesen Tagen immer wieder neue Rekorde ins Visier nehmen. Es wäre aber trügerisch zu glauben, dass dieses nahezu optimale Umfeld zum Dauerzustand wird. Es gibt zu viele Unwägbarkeiten und damit bleibt die Volatilität hoch.
Worauf sollten sich Anleger einstellen?
Sobotta: Ein möglicher Regimewechsel im Sommer könnte die Richtung ändern, insbesondere wenn die US-Wirtschaft trotz geldpolitischer Restriktionen abkühlt. Das würde auch die Eurozone treffen, den Disinflationstrend verstärken und die Notenbanken zu Zinssenkungen bewegen, mit einem potenziellen Rückgang der Leitzinsen deutlich über den aktuellen Markterwartungen. Langfristig könnte eine Rückkehr der Inflation die Zentralbanken wiederum zu einer aggressiveren Haltung zwingen – mit entsprechenden Folgen für die Staatsanleiherenditen. Für Aktien und Risikoassets könnte das einen moderaten Rücksetzer bedeuten, bestimmte Anleihensegmente und Rohstoffe könnten sich hingegen als widerstandsfähig oder sogar als Profiteure erweisen. Das alles macht flexible und aktiv gemanagte Anlagestrategien momentan umso wichtiger.
Mit Loomis, Sayles & Company hat Natixis eine spezialisierte, leistungsstarke Boutique für aktiv gemanagte Aktien-, Anleihen- und alternative Investments unter seinem Dach, deren Name aber nicht jedem Anleger geläufig sein dürfte. Welche Rolle spielt das Unternehmen in Ihrem Vertriebskonzept in Deutschland? Warum sollten sich Anleger gerade jetzt näher mit dem Produktportfolio von Loomis, Sayles & Company beschäftigen?
Sobotta: Angesichts hoher Volatilität und der Tatsache, dass die Streuung von Anlagen im aktuellen Umfeld wieder größer ist als in den vergangenen Jahren, können aktive Asset Manager wie wir unsere Stärken ausspielen. Und Loomis, Sayles & Company zählt mit fast 100 Jahren Erfahrung am Markt und einem verwalteten Vermögen von über 300 Milliarden US-Dollar sicherlich zu den erfahrensten Investmentboutiquen unter unserem Dach. Mit zahlreichen Spezialfondsmandaten bei Unternehmen, Pensionskassen und Family Offices in Zentral- und Osteuropa ist sie zugleich eine unserer erfolgreichsten Boutiquen.
Was mögen die Kunden an der Fondsboutique?
Sobotta: Fondsselektoren schätzen insbesondere ausgeklügelte Fixed-Income-Strategien wie den Sustainable Euro Credit Fund, der mit stetigem Alpha und einer konstanten Wertentwicklung überzeugt. Die Kombination aus unabhängigem Research inhouse und aktiver Verwaltung ermöglicht es Loomis, Sayles & Company das anzubieten, wofür wir als Natixis Investment Managers stehen: maßgeschneiderte Lösungen, die genau auf die individuellen Bedürfnisse und Risikoprofile unserer Kunden zugeschnitten sind. In einer Zeit, in der passive Anlagestrategien zunehmend verbreitet sind, ist das eine willkommene Alternative für Investoren, die nach differenzierten und potenziell überlegenen Renditen suchen.
Herr Potma, Natixis-Vertriebschef Sobotta geizt nicht mit guten Worten über Loomis Sayles. Warum hat das Euro Credit-Team mit Sitz in den Niederlanden das Potenzial, einen herausragenden Beitrag zum aktiven Management europäischer Unternehmensanleihen zu leisten?
Jeroen Potma: Wir glauben, dass der Euro-Kreditmarkt Chancen für aktive Manager mit einem bewährten Prozess und umfangreichen Datenanalysefähigkeiten vorhält – beides bietet unser Team. Wir sagen gerne, dass wir konservatives Alpha generieren, was bedeutet, dass wir umsichtig und sehr risikoorientiert sind. Das Risiko-Rendite-Profil bei Krediten ist asymmetrisch, und aus diesem Grund legen wir Wert auf ein hohes Maß an Diversifizierung in unseren Portfolios. Das bedeutet, dass wir das Ausmaß, in dem diese Portfolios – gemessen am Beta – von ihren Benchmarks abweichen, auf Ebene des Gesamtportfolios, des Sektors und des Emittenten begrenzen. Wenn wir mit strukturell höheren Betas arbeiten, wie es einige unserer Konkurrenten tun, kann dies zu einer erheblichen Volatilität der Renditeprofile eines Portfolios und des Ausmaßes führen, in dem diese Portfolios ihre jeweiligen Benchmarks übertreffen. Im Gegensatz dazu sind wir bestrebt, die Volatilität zu begrenzen und eine beständigere und besser vorhersehbare Outperformance zu erzielen. Wichtig ist, dass wir nicht versuchen, Alpha durch Durationspositionierung zu generieren. Stattdessen konzentrieren wir uns darauf, Bewegungen bei den Kreditspreads zu erfassen und steuern daher die Duration unserer Portfolios sehr eng an die Duration ihrer jeweiligen Benchmarks an.
Auch andere Anbieter offerieren Diversifizierung.
Potma: Wir haben eine Reihe von Analysen durchgeführt, um den Diversifizierungscharakter unseres Ansatzes zu untersuchen, wenn unsere Strategie mit anderen Eurokreditmanagern kombiniert wird. In der Regel stellen wir fest, dass wir in einem Eurokreditportfolio ein echter Diversifikator sind. Wenn wir einem Portfolio mit einer Allokation in andere Euro-Kreditmanager hinzugefügt werden, führt dies tendenziell zu einer Verbesserung der Risiko-Ertrags-Metrik auf Portfolioebene.
Worauf achtet Ihr Team bei der Analyse besonders?
Potma: Zusätzlich zu unserem Top-Down-Ansatz generieren wir Alpha, indem wir unsere fundamentale Unternehmens- und Relative-Value-Analyse von unten nach oben nutzen. Unser Kredit-Research umfasst eine Analyse des Geschäftsmodells und der Strategie eines Unternehmens, der Qualität des Managementteams, des Liquiditätsprofils, der Bilanzstärke, der Wettbewerbsposition im Vergleich zu Branchenkollegen und des Ausmaßes, in dem sich das Unternehmen so positioniert, dass es in einer Gesellschaft, die mehr Wert auf Nachhaltigkeit legt, relevant bleibt und floriert. Anschließend prüft das Team, welche Anleihen oder Schuldtitel dieses Emittenten die besten risikobereinigten Renditen bieten. Die Information Ratio ist unser wichtigster Indikator dafür, ob unser „konservatives Alpha“-Verfahren funktioniert. Wenn wir die richtigen Anlageentscheidungen in Kombination mit unseren geringen Tracking-Fehlern treffen, kann unsere Information Ratio beeindruckend sein.
Was ist das Besondere an den Portfoliomanagern des europäischen Kreditteams bei Loomis, Sayles & Company?
Potma: Das Euro Credit-Investmentteam arbeitet seit über einem Jahrzehnt zusammen. Wir haben uns einer Kultur der Ehrlichkeit und Neugier verschrieben – wir scheuen uns nicht, einander zu sagen, was wir wirklich denken, und das hilft uns, schnell auf Chancen zu reagieren.
Die Struktur unseres Teams ist auch ein wichtiger Faktor für unsere Fähigkeit, Alpha zu generieren. Wir führen alle Kreditanalysen intern durch. Und im Gegensatz zu vielen unserer Konkurrenten kombinieren wir die Rollen des Portfoliomanagers und des Sektoranalysten und Spezialisten. Daraus ergibt sich ein Maß an Verbundenheit mit den Entscheidungen, das bei der traditionellen Konstellation von Portfoliomanager und Analyst nicht immer gegeben ist, bei der die Analysten den Portfoliomanagern Ideen vorlegen, in der Hoffnung, dass einige davon Bestand haben. Alle unsere Portfoliomanager übernehmen die Verantwortung für die Entwicklung, Umsetzung und Überwachung ihrer Handelsideen.
Das Team profitiert auch von der Nutzung der Infrastruktur und der Tools, in die Loomis Sayles investiert hat. Dank der größeren Effizienz können wir mehr Zeit auf unsere Prioritäten verwenden: neue Anlageideen entwickeln, Alpha generieren und für unsere Kunden erreichbar sein.
Als das European Credit Team vor drei Jahren ins Leben gerufen wurde, wurden drei neue Anlagestrategien für institutionelle Anleger aufgelegt: Loomis Sayles Euro Investment Grade Credit, Loomis Sayles Euro Sustainable Investment Grade Credit und Loomis Sayles Euro High Yield. Wie haben sich diese Strategien in den vergangenen drei Jahren entwickelt?
Potma: Unser Ziel ist es, unseren Anlegern eine konsistente Alpha-Generierung zu bieten, während wir ESG vollständig in unseren Anlageprozess integrieren und mit einem relativ niedrigen Tracking Error arbeiten. Wir haben uns ein Outperformance-Ziel über den Zyklus von 75 bis 125 Basispunkten pro Jahr gesetzt, abhängig von der zugrunde liegenden Benchmark (Investment Grade oder High Yield) und ESG-bezogenen Einschränkungen. Da wir nun unsere ersten dreijährigen Leistungsnachweise für die Loomis Sayles Euro Credit- und Loomis Sayles Euro High Yield-Strategie vorlegen können, sehen wir eindeutig: Auf Drei-Jahres-Sicht konnten wir diese Ziele übertreffen und haben eindeutig davon profitiert, dass die Klasse der festverzinslichen Anlagen nach einer langen Periode sehr niedriger Zinsen wieder ein Baustein geworden ist.
Anleger mussten geduldig sein.
Potma: Wenn Sie ein übermäßiges Risiko in der Anlageklasse Kredit vermeiden wollen, dann ist der konservative Alpha-Ansatz sinnvoll. Niemand wird es Ihnen verübeln, wenn Sie in einer Hausse etwas unvorteilhafter als ein risikoreicher Manager abschneiden, während Sie in einer Baisse viel besser gegen Kursverluste geschützt sind.
Inwieweit spielen europäische und ESG-orientierte Unternehmensanleihen eine wichtige Rolle für die wachsende Kundschaft in Europa?
Potma: Wie gesagt, in den letzten Jahren haben wir ein erneutes Interesse an festverzinslichen Wertpapieren erlebt, was dazu geführt hat, dass beträchtliche Kapitalbeträge in den Euro-Kreditbereich investiert wurden. Die Renditen von Euro-Unternehmensanleihen sind heute deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Kredite sind nach wie vor eine attraktive Anlageklasse und sollten als Kernbestandteil von Rentenportfolios betrachtet werden.
Die Nachfrage der Kunden zeigt auch eine Verlagerung hin zu nachhaltigen Anlagestrategien. Obwohl es eine weit verbreitete Meinung ist, dass US-Vermögensverwalter bei ESG-Strategien hinter europäischen Konkurrenten zurückbleiben, entspricht dies nicht der Erfahrung unseres Teams bei Loomis Sayles.
Erfahrungen sind das eine, technische Hilfsmittel das andere. Wie halten Sie es mit dem Ressourceneinsatz bei Loomis Sayles?
Potma: Durch die Investitionen, die Loomis Sayles in Daten und seine Dateninfrastruktur getätigt hat, sind wir in der Lage, ESG-Daten effektiv zu verarbeiten und mit Standard-Finanzdaten zu kombinieren, um sowohl Risiken als auch Chancen zu identifizieren. Durch die firmeneigenen Tools und Technologien können wir auch maßgeschneiderte ESG-Berichte für Kunden erstellen.
Im Euro Credit-Team betrachten wir ESG als einen wichtigen Faktor, der bei der Beurteilung der Kreditqualität eines Unternehmens analysiert werden muss. Da unsere Sektorspezialisten mit den Unternehmen über deren Strategie und Finanzen sprechen, sind sie in der idealen Position, um auch über die ESG-Leistung aussagekräftig zu berichten.