George Muzinich „Wir leben in einer Scheinwelt“

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George Muzinich Foto: CHR. SCHOLTYSIK / P. HIPP

private banking magazin.de: Sie sind einer der besten Rentenmanager der Welt. Was machen Sie anders als Ihre Konkurrenz?

George Muzinich: Unser Schlüssel zum Erfolg ist, das Risiko so gut wie möglich zu verstehen. Wer eine gute Performance erzielen will, muss sein Kapital schützen und Verluste vermeiden. Das ist keine Magie. Wir machen eine extrem detaillierte Analyse.

private banking magazin.de: Sie kaufen vor allem Unternehmensanleihen. Worauf achten Sie?

Muzinich: Eine Anleihe zu kaufen ist letztlich nichts anderes, als dem Unternehmen einen Kredit zu geben. Sie müssen vor allem sichergehen, dass die Firma das Geld auch wieder zurückzahlen kann. Das scheint zunächst recht simpel, ist aber sehr viel Arbeit.

private banking magazin.de: Wie genau machen Sie das?

Muzinich: Es gibt zwei Seiten der Analyse: eine quantitative, die Prüfung der Zahlen, und eine qualitative. Wir prüfen die Unternehmensdynamik und -kultur, welche Erfahrung das Management hat oder die Marktposition und wie das Unternehmen künftig wachsen kann. Wir treffen uns immer mit dem Firmen-Management. Es reicht allerdings nicht aus, regelmäßig mit den Managern zu sprechen. Wir vergleichen die Aussagen auch laufend mit den vorliegenden Zahlen. Gibt es Ungereimtheiten, ist Vorsicht geboten.

private banking magazin.de: Ein Beispiel, bitte.

Muzinich: Wir investieren nicht in Banken. Die wissen zum Teil selbst nicht, was in ihrer Bilanz steht. Das macht eine Analyse auch für uns schwierig und birgt ein zu hohes Risiko. Wir kaufen nur, was wir auch verstehen. Ein gutes Beispiel dafür ist der amerikanische Energiekonzern Enron. Sie erinnern sich an den Skandal 2001. Vor etwa 13 Jahren hatten wir einen Conference-Call mit dem Management. Wir haben damals einfach nicht verstanden, wie sie ihr Geld verdienen. Natürlich wussten wir nicht, dass die Firma pleite ist. Aber wir haben nicht investiert, weil wir das Geschäftsmodell nicht verstanden haben. Das hat uns vor hohen Verlusten bewahrt.

private banking magazin.de: Wo sehen Sie derzeit das größte Risiko an den Rentenmärkten?

Muzinich: Die Gefahr ist, dass es immer so weitergeht, die US-Notenbank immer mehr Geld druckt und letztlich das Vertrauen in die Währung als Wertspeicher verloren geht. Geld ist nichts anderes als ein fragiler Begriff von Vertrauen. Die Zentralbank kann ihre Bilanz darum nicht ewig aufblähen.

Derzeit leben wir in einer künstlichen, von der US-Notenbank Fed geschaffenen Scheinwelt. Das ist ein Ausnahmezustand. Irgendwann müssen wir zurück in die reale Welt.

private banking magazin.de: Also werden die Zinsen steigen?

Muzinich: Niemand kann vorhersehen, wie sich die Zinsen kurzfristig entwickeln. Wer das könnte, wäre reich. Fest steht aber: Der langfristige Trend fallender Zinsen liegt eindeutig hinter uns. Die Frage ist, wie schnell die Zinsen mittel- bis langfristig steigen werden. Wahrscheinlich werden sie nur langsam ansteigen. Der US-Notenbankchef Ben Bernanke hat zu viel Angst, den zarten Wirtschaftsaufschwung in den USA abzuwürgen. Wir werden aber nicht dafür bezahlt, dass wir auf die Zinsentwicklung wetten, sondern dass wir das Geld unserer Investoren schützen.

private banking magazin.de: Und wie machen Sie das?

Muzinich: Wir kaufen Anleihen bester Qualität und Papiere mit kurzer Duration.

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