EZB senkt Leitzins auf 0,25 Prozent „Wir könnten eine längere Phase niedriger Inflation erleben“

EZB-Chef Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi

Draghi sicherte zu, die Fremdkapitalkosten für einen “längeren Zeitraum” niedrig zu belassen und erklärte, dass der schwächere Preisdruck die überraschende EZB-Entscheidung, den Hauptrefinanzierungssatz um einen viertel Punkt auf 0,25 Prozent zu senken, rechtfertige. Nur drei von 70 Ökonomen hatten in einer Bloomberg-Umfrage einen derartigen Schritt prognostiziert, nachdem die Teuerungsrate auf den niedrigsten Wert in vier Jahren gefallen war.

„Wir könnten eine längere Phase niedriger Inflation erleben“, sagte Draghi auf der Pressekonferenz in Frankfurt.

Die EZB hat nun nur noch Spielraum für eine weitere Senkung um einen viertel Punkt, bis Null erreicht ist. Daher nimmt die Wahrscheinlichkeit unkonventioneller Instrumente wie einer quantitativen Lockerung oder eines negativen Einlagensatzes zu, wenn die Preisentwicklung sich weiter abschwächt oder die aufkeimende Konjunkturerholung ins Stocken gerät. Die Inflation im Euroraum beträgt weniger als die Hälfte des EZB-Ziels und die Arbeitslosigkeit befindet sich weiter auf dem höchsten Stand seit Einführung des Euro im Jahr 1999.

Die EZB hat zudem den Einlagensatz bei Null belassen und den Spitzenrefinanzierungssatz auf 0,75 Prozent reduziert.

Draghi sagte, dass die EZB das unbeschränkte Angebot an Ein- und Drei-Monats-Geldern bis Mitte 2015 verlängern werde.

“Wir werden weiterhin die Lage am Geldmarkt und ihre potenzielle Auswirkung auf unseren geldpolitischen Kurs beobachten”, sagte Draghi. “Wir sind bereit, alle verfügbaren Instrumente in Erwägung zu ziehen.”