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Commerz Real im Interview „Wir befinden uns am Beginn eines neuen Immobilienzyklus“

Nicole Arnold, Mitglied des Vorstands der Commerz Real

Nicole Arnold, Mitglied des Vorstands der Commerz Real Bildquelle: Commerz Real

private banking magazin: Die Commerz Real fokussiert sich auf Real Assets. Was fällt für Sie unter reale Assets und wo liegen die Schwerpunkte?

Nicole Arnold: Ganz allgemein sind Sachwerte (deutsch für real assets) materielle Vermögenswerte wie Immobilien, Rohstoffe usw. Sie verfügen über physischen Wert, unabhängig vom Börsen- oder Währungsmarkt. Damit eignen sie sich sehr gut als Geldanlage, um ein Portfolio ein stückweit vor Inflation und krisenbedingten Kursschwankungen zu schützen und gleichzeitig zu diversifizieren. Als Assetmanager für Sachwertinvestments der Commerzbank Gruppe konzentriert sich die Commerz Real auf die Segmente Immobilien, Infrastruktur und Mobilienleasing und verfügt hier über mehr als 50 Jahre internationale Markterfahrung.

Real Assets sind insbesondere für institutionelle Investoren wichtige Portfoliobausteine. Welche Anlagelösungen und Dienstleistungen hat Commerz Real für diese Kundengruppe im Angebot?

Arnold: Wir verknüpfen umfassendes Know-how im Assetmanagement und eine breite Strukturierungsexpertise zu unserer charakteristischen Leistungspalette aus sachwertorientierten Fondsprodukten – aktuell in den Segmenten erneuerbare Energien, Mikrowohnen und Hotels – und individuellen Finanzierungs- beziehungsweise Investmentlösungen. Gerade im Rahmen von Individualmandaten konnten wir zuletzt einzigartige Luxus-Einzelhandelsimmobilien in Top-Lagen für unsere Investoren sichern, die nur äußerst selten überhaupt auf den Markt kommen.

Die Immobilienmärkte haben schwierige Jahre hinter sich. Ist die Talsohle jetzt durchschritten und auf was sollten sich Investoren beim nächsten Zyklus einstellen?

Arnold: Der Preisrückgang ist weitgehend zum Stillstand gekommen, die Bewertungen haben sich stabilisiert. Dennoch agieren viele Investoren weiterhin zurückhaltend und investieren sehr selektiv. Gleichwohl befinden wir uns am Beginn eines neuen Immobilienzyklus, in dem wieder die Qualität der Objektauswahl, nachhaltige Nutzungskonzepte, sowie vorausschauendes und aktives Assetmanagement im Mittelpunkt stehen – also jene Faktoren, die langfristige Immobilieninvestments im Kern schon immer ausmachen.

Ohne das Umfeld von Null- und Negativzinsen, das früher in die Assetklasse drängte und extrem hohe Preisniveaus zuließ, ist jedoch eher mit einem moderaten Aufschwung zu rechnen, der dafür jedoch weniger anfällig für zukünftige Preisrückgänge ist. Dieser wird sich jedoch nicht gleichmäßig über alle Segmente, Standorte und Nutzungsarten erstrecken.

Der Büroleerstand ist gestiegen, insbesondere in die Jahre gekommene Bestandsobjekte sind schwer vermietbar. Statt Abriss wird – auch aus ökologischen Gründen – zunehmend eine Revitalisierung oder Umnutzung gefordert. Können sich solche Vorhaben für institutionelle Investoren lohnen? Was sind die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Investment?

Arnold: Ja, derartige Investitionen können sehr lohnenswert sein. Zentraler Erfolgsfaktor bleibt dabei – nicht überraschend – die zentrale Lage, denn in den Innenstädten deutscher Metropolen ist die Nachfrage nach modernen Büroflächen unverändert hoch, die Leerstände sind gering und die Mieten steigen entsprechend. Häufig sind jedoch die Ankaufsrenditen für viele Investoren zu niedrig. Attraktiver ist es daher, früher in der Wertschöpfungskette anzusetzen, etwa durch Revitalisierungen oder Umnutzungen. Zumal es aufgrund der starken Lagen später kaum zu Vermietungsschwierigkeiten kommt. Erfolgsentscheidend ist dabei die Auswahl erfahrener und professioneller Projektentwickler sowie ein ganzheitliches Konzept, dass nicht nur das Objekt, sondern das Umfeld mit einbezieht.

Die Smart-Living-Spezial-AIFs der Commerz Real konzentrieren sich auf Studenten- und Mikroappartements.  Was macht den Micro-Living-Bereich so interessant für Investoren und worauf ist bei der Auswahl der Objekte zu achten?

Arnold: Micro Living hat sich in den vergangenen Jahren zu einem professionell gemanagten und klar strukturierten Teilmarkt entwickelt. Solide Cashflows, ein gut kalkulierbares Risikoprofil und steigende Mietniveaus machen das Segment besonders attraktiv. Die Nachfrage ist vor allem in Hochschulstädten, Metropolregionen und Standorten mit vielen jungen Berufstätigen konstant hoch. Zwar ist die Mieterfluktuation größer, doch ein starkes Betreiberkonzept und digitale Vermietungsprozesse gleichen dies aus – und ermöglichen zugleich regelmäßige Mietanpassungen als Inflationsschutz.

Bei der Objektauswahl bleibt auch hier die Lage entscheidend: die Nähe zu Hochschulen, guter Nahversorgung und urbanen Angeboten ist elementar. Betreiberkonzepte sollten hingegen schlank und effizient sein. Große Event- und Gemeinschaftsflächen sind nicht zwingend notwendig, da das Umfeld in vielen Städten bereits vielfältige Angebote bereithält und viele Mieter vor allem Ruhe in ihren eigenen vier Wänden schätzen.

Die angestrebte Energiewende erfordert viel Kapital, auch privates Kapital. Welche Bereiche sind hier für institutionelle Investoren besonders attraktiv und wie lässt sich dort investieren?

Arnold: In der Tat ist der Investitionsbedarf in erneuerbare Energien enorm und wird über die nächsten Jahre stabil bleiben, auch gestützt durch politische Entwicklungen. Wir beobachten aber auch eine wachsende Marktreife und einen rapiden Ausbau der Erzeugungskapazitäten. In der Folge differenzieren sich die Investitionsansätze aus und eröffnen neue, vielfältige Ertragspotenziale für Investoren. So ermöglichen beispielsweise kombinierte Investments aus Solar, Wind und Batteriespeichern stabilere Ertragsprofile und eine bessere Nutzung knapper Netzkapazitäten. Gleichzeitig bieten weiterentwickelte Vermarktungsmodelle wie Power Purchase Agreements (PPAs), Floors, Caps oder Differenzverträge (Contracts for Difference, kurz CfDs) eine robuste Absicherung gegen Preisvolatilität und schaffen attraktive, kalkulierbare Erlösstrukturen. Speichertechnologien erschließen zusätzliche Einnahmequellen und entwickeln sich zu zentralen Renditetreibern.

Insgesamt zeigt die Marktdynamik, dass gerade jetzt ein strategisch günstiger Zeitpunkt für Investitionen in erneuerbare Energien ist. Wer Technologievielfalt, Flexibilitätsoptionen und intelligente Vertragsmodelle kombiniert, kann attraktive Renditen erzielen und gleichzeitig an den langfristigen Wachstumspfaden der Energiewende partizipieren.

Blick ins Jahr 2026: Wo werden sich (neue) Chancen Im Bereich der Real Assets für institutionelle Investoren auftun und wie wird Commerz Real diese für ihre Kunden umsetzen?

Arnold: Im Immobiliensegment sehen wir große Chancen bei Transformationsvorhaben, insbesondere im Bürosegment – sowie Opportunitäten in den Segmenten Luxus-Einzelhandel und Mikrowohnen. Im Infrastrukturbereich sehen wir weiterhin attraktive Opportunitäten bei erneuerbaren Energien, wo neben der Stromerzeugung zunehmend Übertragungsnetze und Speichersysteme in den Fokus von Investmentstrategien rücken. Aber auch über erneuerbare Energien hinaus erwarten speziell in Deutschland mehr Investmentaktivitäten bei Infrastruktur, denn der Nachholbedarf ist groß und die Bundesregierung hat es zum Ziel erklärt, den Zugang für Investitionen zu erleichtern. Das kann Chancen bieten, gerade für lokal verankerte und flächendeckend vernetzte Investoren.

 

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