Umfrage Wie verschieden Private Banking und Vermögensverwalter Zertifikate nutzen

M.M. Warburg & CO

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Nils Theilfarth von M.M. Warburg & CO: Der Portfoliomanager ist unter anderem für die Markttechnik zuständig

Setzen Sie Zertifikate bei der Geldanlage ein?

Nils Theilfarth: Ja, wir setzen Zertifikate in der Vermögensverwaltung ein. Wir bieten sogar zwei spezielle Vermögensverwaltungsstrategien an, in denen strategisch ein Teil der vorgesehenen Anleihe-Quote durch Discount-Zertifikate ersetzt wird.

Welches Gewicht nehmen Zertifikate im Schnitt in einem Portfolio ein?

Theilfarth: Im Schnitt haben wir etwa 3 bis 5 Prozent Zertifikate in den Portfolios allokiert. In den oben erwähnten Strategien ist der Anteil deutlich höher und beträgt bis zu 20 Prozent. Es gibt sogar individuelle Mandate, die zu 100 Prozent in Zertifikaten investiert sind.

Hatten früher Zertifikate ein höheres Gewicht bei der Vermögensverwaltung?

Theilfarth: Nein, im Gegenteil. Da Zertifikate von der Risikogruppe näher bei den Aktien stehen als bei den Anleihen und früher mit Anleihen deutlich höhere Renditen erzielt werden konnten, sind Zertifikate in den letzten knapp fünf Jahren verstärkt als Anleihen-Substitut eingesetzt worden. Wir haben seit je her, auch vor Mifid, in der Vermögensverwaltung Zertifikate aus dem Sekundärmarkt gekauft und dadurch keine zusätzlichen Vertriebsprovisionen eingenommen. Insofern hat sich der Anreiz Zertifikate zu allokieren schon immer ausschließlich auf die Sinnhaftigkeit im Portfoliokontext bezogen und nicht darauf Sondererträge zu generieren.

Welche Zertifikate sind das beziehungsweise welche Funktion sollen diese Zertifikate erfüllen?

Theilfarth: Wir setzen in der Vermögensverwaltung ausschließlich transparente und liquide Zertifikate ein. Vornehmlich Discount-Zertifikate und Aktienanleihen, die dem Anleger ein asymmetrisches Chance-Risiko-Profil bieten. Das bedeutet, dass der Kunde sogar im Falle einer Seitwärtsbewegung bis moderaten Abwärtsbewegung des Basiswertes positive Erträge erwirtschaften kann. Außerdem beobachten wir vermehrt die Nachfrage nach Zertifikaten, die ordentliche Erträge generieren. Aktienanleihen wandeln den möglichen Kursgewinn des Basiswertes in einen Coupon um, welcher in Ermangelung von Anleihen-Coupons gerne von Investoren genutzt wird, die ordentliche Erträge benötigen, vor allem Stiftungen.

Welche Bedeutung haben Zertifikate bei der Absicherung Ihrer Portfolios?

Theilfarth: Da wir keine Short-Produkte einsetzen, ist der Absicherungsgedanke eher gering. Lediglich in Marktphasen, in denen wir größere Verwerfungen erwarten, werden Deep-Discount-Strukturen mit der Erwartung eingesetzt, die Wertschwankung des Portfolios zu reduzieren.

Nutzen Sie Hebelzertifikate?

Theilfarth: Nein. In der Vermögensverwaltung nutzen wir keine Hebelzertifikate. Das ist schon von Rechtswegen eher schwierig, da Totalverluste eintreten können. Selbst wenn diese als Versicherung für das gesamte Portfolio zu betrachten sind.

Welche Themen sind derzeit bei thematischen Zertifikaten besonders relevant?

Theilfarth: Neben den bereits mehrfach erwähnten Discount-Zertifikaten und Aktienanleihen werden vereinzelt Themen-Basket-Zertifikate eingesetzt. Allerdings bevorzugen wir hierbei eher ETFs, da diese als Sondervermögen gelten und keine Inhaberschuldverschreibung eines Emittenten darstellen. Somit begrenzen wir ein Emittenten Ausfallrisiko, wie bei der Lehman-Pleite.

Wie beurteilen Sie die Entscheidung zur Verlustrechnung von Termingeschäften?

Theilfarth: In Bezug auf die von uns zum Einsatz gebrachten Zertifikate hat sich durch die begrenzte Verlustverrechnung – zum Glück – nichts geändert. Allerdings sehen wir wie viele Marktteilnehmer diese Entscheidung der asymmetrischen Besteuerung äußerst kritisch. Ich würde sogar so weit gehen und erwarten, dass diese Entscheidung vor dem Verfassungsgericht entschieden wird. Was im Übrigen auch der Bundesrat in seinem Kommentar als möglich erachtet hat.

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