Quantitative Lockerung Wie sich Jens Weidmann dem Kampf gegen Deflation anschließt

Die vorsichtige Unterstützung von Jens Weidmann für eine quantitative Lockerung (QE) wird die Glaubwürdigkeit steigern, wenn die Währungshüter die Notwendigkeit derartiger Maßnahmen diskutieren.

Die deutschen Vertreter bei der EZB sind bereits seit einem Jahrzehnt die stärksten Gegner von Bond-Käufen. Pläne zum Erwerb von Vermögenswerten während der Schuldenkrise führten 2011 zum Rücktritt von zwei Zentralbankern, des damaligen Bundesbank- Präsidenten Axel Weber und von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. Die Bondkaufpläne stießen bei anderen, einschließlich Weidmann, auf Kritik.

“Die Kommentare von Weidmann sind sehr wichtig und markieren das erste Mal in der Geschichte des Euro, dass die Bundesbank öffentlich klar auf der Seite von QE steht”, sagt Julian Callow, Gründer von Catalyst Economics Ltd. in London. “Ein Programm ist keine Gewissheit, aber ein Konsens ist wichtig. Damit kommen sie ein Stück voran, ohne etwas zu tun.”

Weidmanns Unterstützung für QE nicht unbegrenzt

Weidmann sagte im vergangenen Monat, dass QE “nicht generell außer Frage steht”. Die Bemerkungen, die im Zusammenhang mit einem Interview mit Market News International am 25. März veröffentlicht wurden, fielen sechs Tage vor Veröffentlichung von Daten, die eine überraschende Abschwächung der Euroraum-Inflation auf 0,5 Prozent zeigten, den niedrigsten Wert seit mehr als vier Jahren. Der gedämpfte Preisdruck untergräbt das Wirtschaftswachstum und die Anstrengungen, die Staatsschulden zu senken.

Die Währungshüter seien einstimmig der Ansicht, zur Ankurbelung der Preise gegebenenfalls unkonventionelle Maßnahmen einzusetzen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3. April, auf dem eine Diskussion über QE “nicht vernachlässigt wurde”.

“Eine Entscheidung durch Konsens oder Einstimmigkeit ist sehr viel effektiver an den Märkten als eine Entscheidung, die nur mit einer Mehrheit erreicht wurde”, sagte Lorenzo Bini Smaghi, EZB-Direktoriumsmitglied von 2005 bis 2011, in einem Interview mit Bloomberg TV am 4. April.

Jedoch ist Weidmanns Unterstützung für QE nicht unbegrenzt. Zwar können “wir einen unkonventionelleren Weg einschlagen”, aber der Rat müsse immer noch Form und Rechtmäßigkeit jeglicher Aktiva-Käufe diskutieren, sagte er am 7. April. Seine Haltung bezüglich möglicher zukünftiger geldpolitischen Maßnahmen werde im Einklang mit seiner Einstellung zu vorherigen Programmen wie OMT stehen.

OMT beinhaltet die EZB-Zusicherung unbegrenzter Bondkäufe, nachdem Draghi im Juli 2012 versprochen hatte “alles Notwendige zu tun”, um den Euro zu retten. Damals bestand Weidmann darauf, seine Ablehnung des Programms bei der Ankündigung öffentlich zu machen.

Die Hauptargumente von deutschen Vertretern waren, dass selektive Bondkäufe ein Risiko für die Finanzstabilität darstellen und gemäß europäischen Gesetzen, die der Notenbank die Staatsfinanzierung untersagen, illegal sein könnten. Die Vorschriften sind ähnlich wie die für die Bundesbank vor Schaffung der EZB.

Bondkäufe für deutsche Notenbank nichts Neues

Dennoch hat die deutsche Notenbank in ihrer 57-jährigen Geschichte mehrfach Bondkaufprogramme genutzt. Sie hat 1967 1,3 Mrd. D-Mark für Staatsanleihen verwendet und 1975 nach dem weltweiten Ölpreisschock etwa 7,5 Mrd. D-Mark.

Bedenken bezüglich der Rechtmäßigkeit beendeten 1975 das Programm nach nur vier Monaten, wie das Magazin Spiegel in der Ausgabe vom 27. Oktober des Jahres berichtete. “Wir dürfen nur zur Regulierung des Geldmarktes, nicht aber zur Finanzierung des Staatshaushalts Offenmarktpolitik betreiben”, wurde der damalige Bundesbank-Präsident Helmut Schlesinger zitiert.

Die Diskussionen, die der EZB-Rat nach Ansicht von Weidmann führen muss, werden sich mit der gleichen Problematik beschäftigen müssen. Auch müssen die Notenbanker darüber nachdenken, welche Vermögenswerte sie kaufen wollen, wenn ein QE-Programm angekündigt wird, und wann sie das tun sollten.

Zwar haben in der monatlichen Bloomberg-Umfrage zwei Drittel der befragten Ökonomen prognostiziert, dass die EZB bis Juni die Geldpolitik lockern werde. Aber lediglich 16 Prozent rechnen mit dem Aufkauf von Wertpapieren. Ein gleicher Anteil erwartet eine Leitzinssenkung. Eine Aussetzung der liquiditätsabschöpfenden Geschäfte erwartet ein Fünftel der Befragten, und die gleiche Anzahl an Ökonomen geht von neuen Langfristkrediten aus.

Der Erwerb von Vermögenswerten von Nicht-Banken wie Versicherungen oder Hedgefonds würde die Geldmengenaggregate ausweiten, womit die Chancen steigen, dass die Stützungsmaßnahmen die Realwirtschaft erreichen.

“Weidmann ist noch immer kein QE-Enthusiast"

Draghi hatte signalisiert, dass ein mögliches Programm sowohl Papiere des öffentlichen Sektors als auch des privaten Sektors umfassen wird. Damit würde es sich von traditionellen QE-Programmen die sich auf Staatspapiere konzentrieren, unterscheiden. Ein Aktiva-Mix dürfte einen jeglichen Plan für Weidmann leichter verdaulich machen und der Tatsache Rechnung tragen, das europäische Unternehmen sich in erster Linie über Bankkredite finanzieren.

Forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) stehen im Zentrum der Diskussion, obwohl der Markt dafür klein ist. Das Emissionsvolumen lag im ersten Halbjahr 2013 bei 83,5 Mrd. Euro, verglichen mit umgerechnet 880 Mrd. Euro in den USA, zeigen von der Association for Financial Markets in Europe zusammengestellte Daten.

“Weidmann ist noch immer kein QE-Enthusiast, aber er steht Diskussionen über quantitative Lockerung etwas offener gegenüber”, sagt Nick Kounis, Leiter Makro-Analyse bei ABN Amro Bank NV in Amsterdam. “Er scheint offen für Käufe im privaten Sektor zu sein, aber er dürfte immer noch ein wenig skeptisch bezüglich Staatsanleihen sein. Schließlich handelt es sich um den Mann, der auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise OMT abgelehnt hat. Sicherlich hat er sich verändert.”