EU-Versicherungsaufsicht Wie sich deutsche Top-Versicherer im Stresstest schlagen

EIOPA-Chefin Petra Hielkema

EIOPA-Chefin Petra Hielkema: „Der Stresstest hat gezeigt, dass Europas Versicherer finanziell so gesund sind, dass sie auch unter harten wirtschaftlichen bestehen.“ Foto: EIOPA

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Deutschlands Assekuranz erweist sich als grundsätzlich robust, lautet das Fazit des aktuell veröffentlichten Stresstests der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung. Die Frankfurter Behörde analysierte in diesem Jahr die Finanzdaten von 44 großen Versicherern in Europa. Darunter sind mit Allianz, Münchener Rück, HDI, R+V und Alte Leipziger-Hallesche auch fünf Unternehmen aus Deutschland.

„Die Ergebnisse des Stresstests zeigen, dass die Versicherungsbranche auch in Stressszenarien grundsätzlich widerstandsfähig ist“, kommentiert Frank Grund die Ergebnisse. Der Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) schränkt jedoch gleichzeitig ein: Ohne die im Jahr 2032 auslaufenden Übergangsmaßnahmen im EU-Regelwerk Solvency II sähen die Ergebnisse aber teilweise deutlich schlechter aus.

Frank Grund, Bafin

„Das Niedrigzinsumfeld bleibt eine Herausforderung“, so Grund weiter. Deutschlands oberster Versicherungsaufseher kündigt daher an: „Wir werden besonders die Situation der Lebensversicherer weiter genau im Auge behalten.“ Denn der diesjährige Eiopa-Stresstest unterstellt insbesondere einen Zinsrückgang mit Verwerfungen am Kapitalmarkt. Dieses Szenario hätte einen deutlichen Rückgang der Solvenzquoten zur Folge, wovon auch die deutschen Gruppen betroffen wären.

Deutsche Versicherer gut gerüstet

„Der Rückgang der Solvenzquoten wäre für die deutschen Teilnehmer verkraftbar“, gibt Bafin-Mann Grund gleichzeitig aber auch Entwarnung. Denn: „Die Versicherer zeigen sich insgesamt krisenfest.“ Auch die Maßnahmen für langfristige Garantien entwickelten eine antizyklische Wirkung. Und auch auf europäischer Sicht betrachtet, sei die Versicherungsbranche recht robust aufgestellt.

Erstmals enthielt der Stresstest der European Insurance and Occupational Pensions Authority (Eiopa) in diesem Jahr auch eine Liquiditätsbetrachtung. Hieran waren insgesamt 117 Einzelunternehmen aus ganz Europa beteiligt. Die deutschen Teilnehmer in der Testgruppe verfügen im Falle des simulierten Stress-Szenarios am kapitalmarkt über ausreichend liquide Mittel, um ihren Bedarf an Liquidität ohne fremde Finanzspritzen zu decken, berichtet die Bafin.

Die Versprechen der Versicherer gegenüber ihren Kunden seien aber auch in den Ausnahmesituationen nicht gefährdet gewesen, betont EIOPA-Chefin Petra Hielkema. „Der Stresstest hat gezeigt, dass Europas Versicherer finanziell so gesund sind, dass sie auch unter harten wirtschaftlichen bestehen.“ Die branchenweite Solvabilitätsquote von 217,9 Prozent Ende 2020 biete nach Angaben der Versicherungsaufseher noch einen robusten Puffer, um drohende Schocks abzufedern.


Hielkema erkennt in den Ergebnissen aber auch eine Risikoquelle für die Assekuranz: In einem sogenannten Double-Hit-Szenario bewegen sich der risikofreie Zinssatz und die Risikoprämien in unterschiedliche Richtungen. Die Eiopa-Frau kündigt daher an: „In den kommenden Monaten werden wir unsere Aufmerksamkeit auf die Schwachstellen richten, die bei dem Test ans Licht kamen.“ Sie wolle die Brüsseler Gesetzgeber auffordern, bestimmte Ergebnisse hierzu künftig als gesetzliche Pflichtangabe abzufragen.