Wer hat, der teilt Wie Sharing Economy und Luxusbranche zusammenpassen

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Große Versicherer wie Axa oder die Allianz haben die offenen Versicherungsfragen in der Sharing Economy inzwischen erkannt und bieten sogar Policen für Verleiher an. Auch viele Plattformen greifen privaten Verleihern bei der Versicherung unter die Arme, damit es nach dem Wiedererhalt keine bösen Überraschungen gibt. Für Konsumenten, die dagegen die Produkte ausleihen, sind es auch die Haftungsrisiken, die je nach Geschäftsbeziehung unterschiedlich verteilt sind. Insbesondere beim Peer-to-peer-Sharing fehlen laut Verbraucherschützern klare Regelungen. Die rechtlichen Voraussetzungen sind – noch – die Achillesferse der Sharing Economy, besonders im Luxusbereich.

Ein Stückchen Yacht

Solche Unwägbarkeiten soll das Modell Co-Ownership vermeiden. So kommt es beim jungen Schweizer Anbieter Supercar Sharing gar nicht erst zu einem Tauschhandel oder einer gewerblichen Vermietung. Über die Plattform beteiligen sich mehrere Interessenten an einem Fahrzeug. Anschaffung und laufende Kosten des Sportwagens, der je in einer der Niederlassungen des Anbieters gelagert und gepflegt wird, werden geteilt. Das Fahrzeug kann per Smartphone einfach gebucht und abgeholt werden.

Was im Bereich ähnlich teurer Güter – wie etwa Booten oder Flugzeugen – in Form von Haltergemeinschaften schon seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird, ist inzwischen auch bei Besitzern hochwertiger Fahrzeuge in Deutschland kein No-Go mehr“, erklärt Müller. Denn tatsächlich ist das Sharing-Modell bei Luxusjets schon länger verbreitet, als es den Mitte der 2000er-Jahre geprägten Begriff der Sharing Economy überhaupt gibt.

Und damit hat auch Value-Guru und Star-Investor Warren Buffett etwas zu tun: Er übernahm mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway 1998 Executive Jet Airways. Der Jet-Vercharterer wurde 1964 gegründet, startete schon 1986 die erste Haltergemeinschaften für Privatjets – und machte so das Sharing der privaten Flieger salonfähig. Inzwischen heißt das Unternehmen Netjets, ist immer noch Teil von Berkshire Hathaway und hat eine Flotte von über 750 Jets – bei denen sich Kunden ab einem Laufzeitvertrag von mindestens 36 Monaten einkaufen können, um so jederzeit innerhalb von zehn Stunden Zugriff auf ein Netjets-Flugzeug zu haben. Dafür müssen die Miteigentümer mindestens 50 Stunden im Jahr im Privatjet fliegen.

Breitling im Abo

Das Co-Ownership-Modell von Netjets findet sich auch bei Yachten wieder. In Liechtenstein sitzt etwa das Unternehmen Smartyacht mit mehr als 4.000 Kunden. Die Exklusivität für Klienten stellt Smartyacht dadurch sicher, dass beispielsweise persönliche Gegenstände trotz mehrerer Teilhaber an Bord verbleiben können und es unter den Teileignern keine Berührungspunkte gibt. Der Unterschied zum alleinigen Kauf soll bestenfalls nur auf dem Konto sichtbar werden, genutzt werden die Yachten nämlich meist für maximal vier bis sechs Wochen pro Jahr.

„Wir sind davon überzeugt, dass Teileigentumssysteme für Yachten weiterhin zunehmend an Bedeutung gewinnen werden – weg vom Nischensegment und angetrieben von einer sich ändernden Einstellung zum Eigentum“, erklärt Smartyacht-Sprecherin Verena Brünings und ergänzt: „Auch Leute, die Geld haben, möchten es nicht zwangsläufig aus dem Fenster werfen.“ Kunden gehe es um die Senkung der Betriebskosten und die Nutzung ungenutzter Ressourcen. Grenzen für Sharing-Ansätze sieht Brünings vor allem bei Produkten, die häufig oder sehr spontan genutzt werden, wie etwa einer teuren Uhr.

Apropos Uhren: Anders sieht man das offensichtlich bei Breitling. Der renommierte Uhrenhersteller zeigt stattdessen auf, wie Luxusartikelhersteller die Sharing Economy vielleicht sogar als direkten Vertriebskanal nutzen können. Breitling verleiht unter dem Namen Breitling Select seine Modelle in einem Abomodell: mindestens ein Jahr lang, bis zu 3 Breitlings im Wechsel, 125 Euro pro Monat. Der Plan: 60 Prozent der Abonnenten sollen mittels Exklusivangeboten langfristig auch Käufer werden. Sollte der Plan Realität werden, könnte diese Statistik wohl auch bei anderen Luxusunternehmen auf Gegenliebe stoßen.