Margendruck und Regulierung Wie Schweizer Privatbanken den Umbruch meistern

Karl-Heinz Goedeckemeyer ist unabhängiger Finanzanalyst (CREA) und Wirtschaftsjournalist in Frankfurt am Main.

Karl-Heinz Goedeckemeyer ist unabhängiger Finanzanalyst (CREA) und Wirtschaftsjournalist in Frankfurt am Main.

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In einem tief greifenden Umbruch befindet sich die Schweizer Vermögensverwaltungsbranche. Der hohe Regulierungs- und Kostendruck zwingt die Privatbanken dazu, ihre Geschäftsmodelle zeitnah anzupassen und ihre Dienstleistungen noch klarer auf die Kundenbedürfnisse auszurichten.

Auch die Aufweichung des Bankgeheimnisses und der intensiver werdende Wettbewerb stellen die Institute vor Herausforderungen. Da die Gewinne aus den Boom-Jahren erst mal nicht wieder zu erreichen sein werden, dürfte die bereits eingeleitete Konsolidierung weiter zunehmen. Wenngleich sich die Gewinnsituation im ersten Halbjahr auf tiefem Niveau stabilisiert hat, dürfte der Druck auf die Privatbanken hoch bleiben.

Singapur zieht vorbei

Laut Global Private Banking und Wealth Management Survey der Unternehmensberatung PwC ist die Schweiz der weltweit stärkste Standort für die Verwaltung von Vermögen. Gleichwohl werde die Schweiz aus Singapur und London in den nächsten Jahren einen starken Wettbewerb erleben, sagt Jeremy Jensen, Chef des Private-Banking-Geschäfts in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA).

Auch das englische Forschungsunternehmen Wealth Insight bescheinigt der Schweiz, mit einem verwalteten Vermögen von 2,8 Billionen US-Dollar das weltweit größte Ziel für offshore angelegtes Geld zu sein. 34 Prozent der globalen Private-Banking-Industrie sollen hier angesiedelt sein. Dennoch betont auch Wealth Insight, dass die Schweizer diesen ersten Platz schon bald werden hergeben müssen. Schon im Jahr 2020 werde Singapur das größte Zentrum der Offshore-Vermögensverwaltung sein.

Aktuell ist der asiatische Stadtstaat mit 550 Milliarden Dollar ausländischem Vermögen auf Platz 4, hinter der Schweiz, Großbritannien mit den Kanalinseln und der Karibik inklusive Panama. Auch wenn die in Singapur verwalteten Vermögen noch weit von Schweizer Dimensionen entfernt sind, wächst der Stadtstaat weltweit am schnellsten. Dank des starken Wachstums in China, Indonesien und anderen asiatischen Ländern dürfte sich diese Entwicklung so fortsetzen, argumentieren die Analysten von Wealth Insight.

Marktanteil auf 26 Prozent gesunken

Wie der PwC-Studie weiter zu entnehmen ist – die Analysten befragten hierfür unter anderem 200 Spitzenleute der Branche –, sind zwischen 2008 und 2012 die Assets in der Region Asien/Pazifik im Schnitt pro Jahr um 16 Prozent gewachsen. Auch bis 2016 rechnen Experten mit einer Wachstumsrate von 15 Prozent. Damit entfallen auf diese Region immerhin 37 Prozent der weltweiten Millionäre. Im Vergleich dazu wuchsen die Vermögen in Westeuropa zwischen 2008 und 2012 nur um 4 Prozent.

Festzuhalten ist, dass sich der Marktanteil der Schweiz an der weltweiten Vermögensverwaltung wegen der Verlagerung von Vermögen in Richtung Asien von 2011 bis 2012 von 27 auf 26 Prozent verkleinert hat (siehe Grafik). Und dieser Anteil soll bis 2017 weiter auf 25 Prozent schrumpfen.

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Diese Aussichten sind für Vermögensverwalter auch mit Risiken verbunden, denn die reifen Märkte der „alten Welt“ und die aufstrebenden Märkte der „neuen Welt“ bewegen sich unterschiedlich schnell.

Die Banker stehen in den verschiedenen Regionen vor verschiedenen Herausforderungen. Um in jeder Region erfolgreich zu sein, sind differenziertere Strategien erforderlich. Ist die Schweiz vor dem Hintergrund der deutlich gestiegenen regulatorischen Anforderungen als Anlaufstelle für weltweites Vermögen auf dem absteigenden Ast? Beziehungsweise könnten die Eidgenossen nicht selbst von dem Vermögenszuwachs in den Schwellenmärkten profitieren?

Derzeit ist noch nicht auszumachen, ob Singapur von den Schwierigkeiten der Schweiz profitiert, so Justin Ong von der Beratungsfirma PwC. Dafür spricht auch, dass die Vermögen in der Schweiz stabil geblieben sind. Dies und die stabile politische und wirtschaftliche Situation des Landes sehen viele Banker als Vorteil der Schweiz.

Hinzu kommt, dass trotz des Regulierungsdrucks und des schwächeren Wachstums die Zahl der Millionäre nach einer Analyse von McKinsey in den nächsten drei Jahren um 30 Prozent auf 16 Millionen Personen wachsen soll. Diese sollen dann über ein persönliches Vermögen von etwa 80 Billionen US-Dollar verfügen. Von diesem Trend werden vor allem jene Schweizer Banken profitieren, die global gut aufgestellt sind.

Der Ruf ist beschädigt

Obwohl sich das Swiss Banking allen Unkenrufen zum Trotz als bislang ziemlich widerstandsfähig erwiesen hat, ist der Reputationsschaden der Branche, den sie sich als Steuerhinterziehungsgehilfe ausländischer Kunden selbst zugezogen hat, beträchtlich.

Nicht zuletzt wegen des gestiegenen Regulierungsdrucks und der veränderten Kundenbedürfnisse werden die Privatbanken ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen. Hinzu kommen erhöhte Anforderungen an Compliance und Risikomanagement.

Letztlich wird sich die Schweiz stärker von anderen Finanzplätzen differenzieren müssen. Dies profitabel zu gestalten wird nicht allen Banken gelingen. Als Konsequenz daraus dürften vor allem viele der kleineren beziehungsweise unabhängigen Vermögensverwalter aus dem Markt ausscheiden. Sie benötigen mindestens ein verwaltetes Vermögen von 250 Millionen Franken, um weiter überleben zu können.

Insofern kann nicht überraschen, dass sich laut einer Studie von KPMG die Zahl der Privatbanken im vergangenen Jahr deutlich um 13 auf 148 reduziert hat. Doch damit nicht genug: Da der Druck auf eine weitere Konsolidierung wächst, erwarten die Berater eine Abnahme der Privatbanken um 25 bis 30 Prozent in den kommenden drei Jahren.