4 Prozent pro Jahr ausschütten Wie preisgekrönte Verwalter rentable Portfolios für Stiftungen stricken

Ein Bildungsfonds von Braincapital finanziert Studenten ihr Studium. Den Vorschuss zahlen die Studenten später wieder zurück. | © Getty Images

Ein Bildungsfonds von Braincapital finanziert Studenten ihr Studium. Den Vorschuss zahlen die Studenten später wieder zurück. Foto: Getty Images

Das moderne Investmentobjekt ist jung, hat zwei Beine und einen Kopf mit äußerst aktivem Gehirn. Und es studiert. Der Bildungsfonds von Brain Capital finanziert ausgewählten Hochschulgängern ihr Studium und lässt sich den Vorschuss von ihnen später wieder zurückzahlen – wenn sie denn genug Geld dafür verdienen. Eine Investition in die Zukunft unseres Landes. Renditeaussicht: 5 bis 6 Prozent pro Jahr – langfristig.

Ein anderes Investment hat vier Beine, lebt in der Brandenburger Uckermark, futtert Gras und gibt Bio-Milch. Die dazugehörige Verpackung heißt Bio- Bodenfonds, enthält komplette umweltfreundliche Bio- Bauernhöfe, kommt von der alternativen GlS-Bank und soll ihren Investoren 2,5 Prozent im Jahr bringen, plus Gewinnbeteiligung. nur zwei Beispiele für neue, ungewöhnliche Investments.

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Zielgruppe sind insbesondere Stiftungen. Denn die haben seit einigen Jahren ein grundlegendes Problem: rentable Geldanlagen zu finden. Vor zehn Jahren war alles noch recht simpel. Bundesanleihen übertrafen mit ihrer Verzinsung stets die Inflation. Damit waren Stiftungen sicher investiert, konnten ihr Kapital nach Inflation erhalten und hatten genug Zinsen, um ihren Zweck zu finanzieren. Das ist heute nicht mehr so. Die fünfjährige Bundesanleihe bringt weniger als ein Prozent Rendite. Die Inflation liegt bei knapp 2 Prozent oder gar darüber.  

Stiftungen bleiben bei Klassikern

Impact Investments, wie die eingangs beschriebenen Anlagen mit Zweckbindung auch heißen, sollen Stiftungen gleich zwei Vorteile bieten: eine ansprechende Rendite und zugleich eine gute Tat. „So kann eine Sozialstiftung für den Ausbau eines Pflegeheims ein Darlehen geben oder sich an der Gründung eines Sozialunternehmens beteiligen“, sagt Hermann Falk, stellvertretender Generalsekretär im Bundesverband Deutscher Stiftungen. Das Geld wirkt dann quasi doppelt.

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Der Verband hat sich erst vor Kurzem in einer Studie mit dem Thema „Mission Investing“ befasst – also mit der Frage: Wie sauber arbeitet Stiftergeld? Doch was darin steht, ernüchtert. „Es gibt in Deutschland bislang kaum Beteiligungsfonds, die für die besonderen Bedürfnisse des Impact Investing für Stiftungen geeignet sind“, lautet eine der Kernaussagen.

Einer aktuellen Umfrage zufolge schließen nur 8 Prozent der befragten Stiftungen solch zweckgebundene Anlagen ab. Direkte, nachhaltige Investments in Private Equity und Venture Capital geht überhaupt keine ein. Das degradiert die ganze löbliche Angelegenheit zur reinen Zukunftsmusik. Stiftungen positionieren sich zwar neu, nutzen dafür aber noch immer größtenteils die etablierten Kapitalmärkte.

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Das stellte sich auch im Gespräch mit den drei aktuellen Top-Verwaltern aus der ewigen Bestenliste im „Fuchs-Report“ heraus: Sal. Oppenheim, Deutsche Bank Private Wealth Management und Nord/LB. Von Impact Investing keine Spur, dafür gibt es eine andere auffällige Schnittmenge: 4 Prozent. Diesen Betrag brauchen Stiftungen pro Jahr, um nicht in ernsthafte Probleme zu geraten.

Die aktuellen Strategien im Einzelnen lesen Sie in den Kästen. Die Anlagen sind natürlich nur Beispiele. Selbst Extremfälle wie Portfolios mit 100 Prozent Aktien tauchen auf: „Die federn heftige Kursschwankungen durch andere Anlageklassen wie etwa Immobilien ab. Solche Vermögensstrukturen atmen richtiggehend“, sagt Cordula Haase-Theobald von Sal. Oppenheim. Und in einem Punkt sind sich die drei Befragten definitiv einig: Ein Comeback der Bundesanleihe wird es in ihrem Business so schnell nicht geben.

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