Bank für Sozialwirtschaft Wie es zur Vermögensverwaltung nur für Stiftungen kam

Harald Brock (l.) und Carsten Graßhoff

Harald Brock von Investify (l.) und Carsten Graßhoff von der BFS: Digitale Vermögensverwaltung in der Pipeline Foto: Investify / BFS

Die Bank für Sozialwirtschaft (BFS) hat gemeinsam mit dem Fintech Investify Tech eine digitale Vermögensverwaltung aufgesetzt. Das neue Portal Gemeinwohl-Invest richtet sich gezielt an gemeinnützige Organisationen und Stiftungen, die ihr Vermögen wertorientiert und nachhaltig anlegen möchten.

Spannungsfeld zwischen Werterhalt und Zweckverwirklichung

In den letzten Jahren ist gerade an der Basis des sozialen Lebens und Handelns eine schleichende Entwicklung zu beobachten: Viele Milliarden an Stiftungskapital schlummern noch immer schlecht verzinst oder sogar Negativzinsen ausgesetzt auf Festgeldkonten oder in (Bundes-)Anleihen – oftmals in der falschen Annahme, dass die Gelder dort langfristig gut angelegt sind. Damit ist klar: Diese Gelder werden in absehbarer Zeit keinen gesellschaftlichen Nutzen erzeugen, erst recht nicht, wenn die Inflation weiter steigen sollte. Denn das Erwirtschaften von Erträgen fällt zunehmend schwer.

Somit ist die Herausforderung für Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen bei ihrer Vermögensanlage groß: Einerseits sind sie zum Erhalt ihres Kapitals verpflichtet. Andererseits schreibt ihre Satzung die zweckgebundene Verwendung von Erträgen vor. Hinzu kommt: Komplexe Anlageentscheidungen sind von oftmals ehrenamtlich tätigen Gremien nur schwer im Blick zu behalten.

Genau hier setzt das zweite Problem an – diesmal auf der Seite der meisten Finanzdienstleister: Es wird den (oftmals wenig finanzaffinen) Entscheidungsträgern von gemeinnützigen Organisationen und Stiftungen bisher nicht gerade leicht gemacht, die Gelder zukunfts- und risikoorientiert in attraktive Wertpapiere anzulegen. Zudem fällt es vielen Finanzdienstleistern im Beratungsprozess schwer, auf einfache Weise aufzuzeigen, welche Wirkung die Mittel gesellschaftlich entfalten könnten.

Spezielle Anforderungen an das Asset Management

„Eine smarte digitale Vermögensverwaltung mit speziellem Blick auf gemeinnützige Organisationen hat es bisher nicht gegeben“, erklärt Harald Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Bank für Sozialwirtschaft, beim Launch der Investmentplattform im Mai. Als Spezialbank mit einer Bilanzsumme von fast 10 Milliarden Euro richtet die BFS ihren Blick ausschließlich auf institutionelle Kunden aus der Sozial- und Gesundheitswirtschaft. Dazu zählen Organisationen der Altenpflege, Behindertenhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, Kliniken, Bildungsträger und sonstige soziale Angebote. Viele Anbieter sind gemeinnützig oder als Stiftung organisiert.

Die besondere Orientierung liegt in der Historie der 1923 gegründeten Bank: Gründungsgesellschafter und bis heute Haupteigentümer der BFS sind die Caritas-Stiftung, die Diakonie, die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Sozialwirtschaftliche Organisationen haben besondere Anforderungen zu erfüllen, wenn es um das Thema Geldanlage geht. Die neue Lösung mit dem Namen Gemeinwohl-Invest berücksichtigt daher wesentliche Anforderungen des Gemeinnützigkeits- und des Stiftungsrechts sowie individuelle satzungsgemäße Vorgaben zur Zweckverwirklichung. Im Mittelpunkt der Anlagestrategie stehen die Dimensionen Werterhalt, Zweckverwirklichung, Richtlinienkonformität und Nachhaltigkeit.

Hohe Ansprüche an die neue Plattform

Am Anfang stand bei der BFS die Frage, welche Bereiche einer Vermögensverwaltung überarbeitet werden müssen, um das Wertpapierangebot in der Stiftungslandschaft zu vereinfachen und attraktiver zu machen. Für die Umsetzung hatte die BFS vier relevante Bereiche identifiziert, die es umzusetzen galt.

Einfache und zielgruppenorientierte Berichte

Alle Dokumente sollten neu und aus der Perspektive der Funktionäre und Anspruchsgruppen einer Stiftung oder anderen gemeinnützigen Organisation gedacht werden. Das bedeutet beispielsweise, dass Berichte so gestaltet werden sollten, dass auch die im gemeinnützigen Sektor oft ehrenamtlich besetzten Entscheidungs- und Kontrollgremien die Inhalte auf den ersten Blick und mit wenig Zeitaufwand verstehen können. Zusätzlich zu den Mifid-relevanten Quartalsberichten sollte ein auf die wichtigsten Angaben reduzierter Jahresbericht aufgesetzt werden, der die vier bedeutenden Kriterien einer Stiftung übersichtlich und leicht verständlich adressiert:

  • Mittel für die heutige und zukünftige Zweckverwirklichung
  • Wertentwicklung der Geldanlage
  • Konformität der Geldanlage mit den Richtlinien der Stiftung
  • Nachhaltigkeit der Geldanlage