Staatsschulden Wie die Zinspolitik der EZB zugleich Lasten nimmt und Sorgen schafft

Ivan Mlinaric, Geschäftsführer von Quant Capital Management

Ivan Mlinaric, Geschäftsführer von Quant Capital Management: Er hat die Staatschulden innerhalb der EU untersucht. Foto: Quant Capital Management

Zwei Stellschrauben sind es, die die Staaten nutzten: Zum einen konnten sie sich angesichts des niedrigen Zinsniveaus geringere Kupons sichern. Die durchschnittlich zu zahlenden Kupons etwa von Griechenland sanken von mehr als 5 auf rund 3 Prozent. Das zeigt das Vertrauen der Finanzmärkte, die dem Land damit ein geringeres Risiko attestieren. Es erleichtert aber auch die akute Last der Staatsschuld, für die jedes Jahr jetzt weniger Zins zu zahlen ist.

Quelle: Bloomberg

Länder wie Irland, Spanien und Portugal schafften einen ähnlichen Rückgang. Der größte Profiteur aber sind nicht die ehemaligen Krisenstaaten, sondern Deutschland. Der deutsche Durchschnittszins auf Staatsanleihen sank laut Angaben des Datenanbieters Bloomberg seit 2009 von rund 4 auf jetzt noch 1,3 Prozent. Und für alle Länder gilt gleichermaßen, dass die Kupons zuletzt historische Tiefständen erreichten.

Die zweite Stellschraube ist die Laufzeit der Schulden. Die vermeintlichen Problemländer Spanien und Portugal haben aktuell mit rund 7,5 Jahren die längsten Laufzeiten auf Sicht der vergangenen zehn Jahre. Auch Deutschland und Frankreich konnten ihre Schulden auf Maximalwerte strecken. Die längsten Laufzeiten finden sich im Schnitt bei den hoch verschuldeten Staaten wie Griechenland und Irland. Sie weisen mit 9,5 und 11,5 Jahren noch einmal erheblich längere Laufzeiten auf.

Quelle: Bloomberg

Insgesamt entlastet dies die Haushalte deutlich. Der neu geschaffene Spielraum wird nun genutzt: Die dritte Stellschraube, die Höhe der Verbindlichkeiten, stieg in der Pandemie noch einmal in allen betrachteten Ländern. Dazu kommen die gemeinschaftlich von der EU aufgenommenen Schulden. Insofern lindert die Niedrigzinspolitik zwar, aber ein großer Teil der Hilfe verpufft, weil sich die Schuldenstände absolut gesehen weiter erhöhen. Kurz- und mittelfristig sank das Risiko aus der Staatsverschuldung im Euroraum damit. Irgendwann müssen die Länder aber auch die niedrig verzinsten neuen Schulden zurückzahlen. Die Sorge vor den Folgen eines möglichen Zinsanstiegs steigt entsprechend an.




Über den Autor:
Ivan Mlinaric ist Geschäftsführer des Vermögensverwalters Quant Capital Management. Bis 2014 verantwortete er Investments für institutionelle Kunden beim Finanzdienstleister Maxxs.