Themen-Experte
Die Spezialisten für globale Geldanlage

ANZEIGE

Themen-Experte
Die Spezialisten für globale Geldanlage

ANZEIGE
ANZEIGE

Defensive Dividenden Wie Anleger sich Erträge aus Infrastrukturanlagen sichern

Container-Hafen in Hamburg

Container-Hafen in Hamburg: Ein signifikantes Engagement in börsennotierten Infrastrukturwerten kann die Erträge steigern und die Volatilität verringern. Foto: Imago Images / imagebroker

Shane Hurst, ClearBridge Investments

Die Widerstandsfähigkeit von Infrastrukturanlagen, die durch stabile Cashflows, ein kräftiges Dividendenwachstum und die konsequente Weitergabe der Inflation noch gestärkt wird, ist im bisherigen Jahresverlauf (Stand: Stand: 31. Mai 2022) klar zu erkennen. Gleichzeitig hat die Marktvolatilität angesichts steigender Zinsen, hoher Inflationsraten, zunehmender Belastungen für das Wachstum, erhöhter geopolitischer Spannungen und anhaltender Störungen in den Lieferketten durch die Pandemie deutlich zugenommen. Globale Kern-Infrastrukturanlagen legten bis Ende Mai um 2,52 Prozent zu und entwickelten sich damit deutlich besser als globale Aktien, globale Anleihen und globale Immobilien. Diese drei Anlageklassen erlitten in den ersten fünf Monaten des Jahres zweistellige Verluste.

Ein ähnliches Muster war bereits in früheren risikoscheuen Phasen zu erkennen. In den 21 seit 2005 beobachteten Ausverkaufsphasen lagen globale börsennotierte Infrastrukturwerte in 67 Prozent der Zeit vor globalen Aktien und erzielten im Schnitt Überrenditen von 2,7 Prozent. Wenn börsennotierte Infrastrukturwerte Outperformance generierten, dann fiel sie mit durchschnittlich 4,5 Prozent zudem sehr deutlich aus. Entwickelten sie sich dagegen unterdurchschnittlich, dann betrug die Underperformance lediglich 92 Basispunkte. Dies legt den Schluss nahe, dass börsennotierte Infrastrukturwerte in Phasen erhöhter Marktvolatilität und Risikoscheu einen gewissen Schutz vor Verlustrisiken bieten können.

Diese Unternehmen sind anders

Man könnte die Widerstandsfähigkeit von Infrastrukturanlagen auf bestimmte Merkmale zurückführen, die scheinbar nur auf diese Anlageklasse zutreffen.

Einerseits operieren Infrastrukturunternehmen in einem besonders stabilen und vorhersagbaren Bereich. Im Wesentlichen sind diese Unternehmen Eigentümer und Betreiber physischer Vermögenswerte. Mit diesen Vermögenswerten erbringen sie grundlegende Dienstleistungen, die für das Funktionieren einer modernen Wirtschaft unverzichtbar sind. Zu diesen Unternehmen gehören Gas-, Wasser- und Stromversorger, Unternehmen in den Bereichen Transportinfrastruktur wie Flughäfen, Schienenverkehr und Straßen sowie Kommunikationsinfrastruktur wie Mobilfunkmasten.

Infrastruktur lässt sich ganz grob in zwei Hauptkategorien einteilen: regulierte Anlagen und nutzungsabhängige Anlagen.

  • Bei regulierten Anlagen wie dem Transport und der Verteilung von Wasser, Strom und Gas legt eine Aufsichtsbehörde fest, wie viel Umsatz ein Unternehmen mit seinen Vermögenswerten erzielen darf. Wenn mit einem Vermögenswert zu viel Umsatz erwirtschaftet wird, dann muss das Unternehmen einen Teil dieser Umsätze durch Preissenkungen an die Kunden zurückgeben. Wenn dagegen ein zu geringer Umsatz generiert wird, dann darf das Unternehmen seine Preise anheben.
    Diese Anlagen sind in der Regel defensiver, denn sie sind kaum vom Konjunkturzyklus abhängig – schließlich muss das Licht auch bei rückläufiger Konjunktur eingeschaltet werden. Da die Nachfrage meist stabil und weitgehend unelastisch ist, und da die Aufsichtsbehörde den Umsatz festlegt, bilden die Unternehmen, denen diese regulierten Anlagen gehören und die sie betreiben, im Laufe der Zeit ein relativ stabiles Cashflow-Profil aus.
    Darüber hinaus überprüfen die Aufsichtsbehörden diese Anlagen und die zulässigen Umsatzeinnahmen regelmäßig und nehmen Anpassungen zur Berücksichtigung der Inflation und von Änderungen der Anleiherenditen vor. Beispielsweise führen steigende Anleiherenditen normalerweise auch zu einer Anhebung der regulierten Erträge, damit Versorgungsunternehmen ihre Investitionen weiterhin finanzieren können. Preisänderungen sind somit oftmals an die Inflation gekoppelt, während die langfristigen Bewertungen weniger anfällig auf Zinsänderungen reagieren.
  • Bei Vermögenswerten mit nutzungsabhängiger Bezahlung wie Straßen, Schienen, Häfen, Flughäfen und Funkmasten werden die Preise in der Regel im Rahmen langfristiger Verträge festgelegt. Diese sehen meist verschiedene Mechanismen vor, um die Auswirkungen der Inflation entweder vollständig oder teilweise über höhere Preise an die Endverbraucher weiterzugeben.
    Da die Preise bereits in den Verträgen festgelegt sind, übernimmt das Unternehmen das Volumenrisiko, das heißt, der Umsatz des Unternehmens hängt davon ab, wie viele Menschen diese Vermögenswerte nutzen. Die Nutzernachfrage steigt normalerweise, wenn die Bevölkerungszahl wächst und der Reifegrad der Wirtschaft zunimmt. Dadurch kann das Unternehmen dann seinen Umsatz und seine Kapitalgewinne steigern. Mobilfunkdaten sind ein gutes Beispiel. Da immer mehr Menschen mobile Daten nutzen und zum Teil auch darauf angewiesen sind, können die Telekommunikationsunternehmen in zusätzliche Kapazitäten investieren, indem sie mehr Mobilfunkmasten aufstellen, um dieser wachsenden Nachfrage gerecht zu werden.

Starke Teilhabe an Kursgewinnen, begrenzte Anfälligkeit gegenüber rückläufiger Konjunktur

Sowohl Vermögenswerte mit nutzungsabhängiger Bezahlung als auch regulierte Vermögenswerte liefern den Eigentümern und Betreibern der zugrunde liegenden Vermögenswerte über alle Phasen des Konjunkturzyklus konstante und vorhersagbare Cashflows. Dank der Stabilität und Vorhersagbarkeit dieser Cashflows können börsennotierte Infrastrukturwerte in Phasen von Konjunktur- oder Marktstress in Anlageportfolios als defensiver Baustein wirken.

Im Vergleich zu globalen Immobilien zeichnet sich die Anlageklasse zudem durch eine geringe Anfälligkeit gegenüber einer rückläufigen Konjunktur und eine hohe Teilhabe an aufwärts tendierenden Märkten aus. Dies unterstreicht noch ihre defensiven Merkmale. Anders ausgedrückt: Der Schluss liegt nahe, dass börsennotierte Infrastrukturwerte einen gewissen Schutz vor Verlustrisiken bieten, Anleger aber dennoch in erheblichem Umfang an einer potenziellen Aufwärtsbewegung des breiteren Aktienmarktes partizipieren. Das aktuelle Anlageumfeld dürfte weiter von Volatilität geprägt sein. Eine ausgezeichnete Prognosesicherheit von Umsätzen und Dividenden könnte daher auch weiterhin für ein hohes Anlegerinteresse an börsennotierten Infrastrukturwerten sorgen.