WHU-Studie Wie Anleger Hebelprodukte und Optionsscheine nutzen

Lutz Johanning von der WHU – Otto Beisheim School of Management

Lutz Johanning von der WHU – Otto Beisheim School of Management: Der Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Kapitalmarktforschung ist einer der Autoren der Studie zu strukturierten Produkten

Wie setzen Investoren Hebelprodukte und Optionsscheine ein? Diese sind einerseits risikoreicher, können andererseits aber auch zur Absicherung eines Depots genutzt werden. Der Frage nach der Nutzung ist eine Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management nachgegangen. Verfasst wurde sie von Lutz Johanning in Zusammenarbeit mit Steffen Meyer von der University of Southern Denmark & Danish Finance Institute und Kim Bövers, Doktorandin der Leibnitz Universität Hannover.

Die Studie macht deutlich, dass nur etwa ein Drittel der Anleger Hebelinstrumente zur Umsetzung einer Marktmeinung bei einem entsprechenden Basiswert nutzt. Dagegen setzen Anleger zu 68,6 Prozent Hebelprodukte und Optionsscheine zur Absicherung einer bestehenden Position oder eines bestehenden Depots ein. Die Studie unterscheidet zwischen Hedger (24,4 Prozent), die Positionen absichern wollen, strategischen Hedger (44,2 Prozent), die längerfristige Anlagen einsetzen und Spekulanten (31,4 Prozent), die Marktbewegungen ausnutzen wollen.

Was für Vermögensverwaltungen interessant sein könnte: Der Depotwert eines Anlegers mit Hebelinstrumenten im Portfolio ist durchschnittlich um 25 Prozent höher als der eines Anlegers ohne Hebelprodukte im Depot. Hebelinstrumente-Investoren sind zudem deutlich weniger risikoscheu – deren Risikoklasse beträgt durchschnittlich 4,57, im Vergleich zu 2,96.

Die durchschnittliche Rendite eines Hebelprodukt-Round-Trips, Differenz zwischen An- und Verkaufspreis, beträgt minus 0,79 Prozent. Die mittlere Rendite liegt allerdings bei plus 1,97 Prozent, was bedeutet, dass mehr als 50 Prozent aller Hebel-Geschäfte eine positive Rendite bringen. Letztlich hängt die Round-Trip-Rendite stark von den Motiven der Anleger ab: Spekulanten kommen im Schnitt auf plus 0,11 Prozent und strategische Hedger auf plus 1,01 Prozent, während Hedger im Durchschnitt 6,21 Prozent verlieren.

Grundsätzlich kommen die Studienautoren zum Schluss, dass Hebelprodukt-Anleger mit ihren Instrumenten vertraut sind und über einen guten Erfahrungsschatz verfügen. In Zusammenarbeit mit einer Vermögensverwaltung könnten aber Hebelprodukte sicherlich noch effizienter, insbesondere zur Absicherung, eingesetzt werden.