Wenn sie jetzt handeln Wie Finanzdienstleister die GAFA-Gefahr bannen können

Avaloq-Gründer Francisco Fernandez: „Es gibt eine riesige Hürde, die GAFAs vorm Eintritt in die allgemeinen Finanzdienstleistungen abhält.“ | © Avaloq

Avaloq-Gründer Francisco Fernandez: „Es gibt eine riesige Hürde, die GAFAs vorm Eintritt in die allgemeinen Finanzdienstleistungen abhält.“ Foto: Avaloq

Die Gefahr, die für traditionelle Banken, Versicherer und Vermögensverwalter von Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook und Apple (kurz: GAFAs) und unzähligen anderen Technologieunternehmen ausgeht, wurde schon oft thematisiert. Finanzdienstleistungen sind nach wie vor ein wachsender und zentraler Teil der Weltwirtschaft – zudem sind sie ein Markt, der am Beginn einer technologischen Revolution steht. Häufig wird argumentiert, dass das hochgradig digitalisierte kundenorientierte Geschäftsmodell von Firmen wie Amazon etablierten Finanzdienstleistern ein rasches Ende bereiten könnten.

Wenig überraschend hat ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Management-Consulting-Unternehmens Bain & Company festgehalten, dass 65 Prozent der US-basierten Amazon-Prime-Kunden bereit wären, ein gratis Online-Bankkonto bei Amazon zu eröffnen, wenn sie dafür eine Rückzahlung von 2 Prozent auf alle Einkäufe erhielten. In einer Umfrage von Accenture sagte ein Drittel der Bank- und Versicherungskunden, dass sie ihre Bankkonten bei Google, Amazon oder Facebook führen würden, wenn sie könnten.

Andere Studien kommen zu einem ähnlichen Schluss: Eine Untersuchung hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der 18- bis 34-Jährigen (52 Prozent) die GAFA-Unternehmen für Bankdienstleistungen in Betracht ziehen würden, da diese mehr Komfort und Personalisierungsmöglichkeiten bieten. In einer zunehmend digitalen Welt, in der sich die bisherigen Markteintrittsbarrieren immer mehr auflösen, ist die Gefahr, dass etablierte Marken und Startups in neue Bereiche vorstoßen und bestehende Firmen bedrohen, in der Tat erheblich. Im Bereich der Finanzdienstleistungen lag das Hauptaugenmerk bis jetzt auf dem Zahlungsverkehr.

Paradebeispiele hierfür sind Apple Pay, PayPal und AliPay, doch eine wachsende Anzahl von Mitbewerbern gewinnt immer mehr Marktanteile, darunter auch der Devisenhandelsspezialist Revolut. Das vor drei Jahren lancierte Unternehmen hat mittlerweile mehr als zwei Millionen User, und täglich kommen bis zu 9000 neue dazu. Bis heute haben Revolut-Kunden mehr als 125 Millionen Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von USD 18,5 Milliarden getätigt. Der Wachstumskurs von Revolut inspiriert zur Nachahmung: Jeden Monat werden auf der ganzen Welt mehr und mehr Revoluts geboren.

Im jüngst erschienenen Bericht Threat of Big Tech Disruption is Real warnt die Ratingagentur Moody’s davor, dass große, bekannte Technologieunternehmen zwar eine mögliche Konkurrenz für Retail-Finanzdienstleistungen darstellen, die Auflegung von Finanzprodukten jedoch aufgrund von regulatorischen Anforderungen voraussichtlich vermeiden würden. Der Bericht hob aber zugleich hervor, dass GAFAs den Vertrieb und die Aufnahme von Finanzdienstleistungen in ihre Ökosysteme weiter ausbauen und infolgedessen einen großen Teil der Kundenbeziehung kontrollieren werden.