Karriere Wen Vermögensverwaltungen suchen und wie sie fündig werden (Teil 2)

Marcel van Leeuwen, Deutsche Wertpapiertreuhand

Marcel van Leeuwen, Deutsche Wertpapiertreuhand

private banking magazin: Welche Recruiting-Ansätze verfolgen Sie in Ihrem Unternehmen, das als Boutique-Haftungsdach für Private Banker, Wealth Manager, Multi-Family Offices und Fondsmanager agiert, die mit Ihrer Hilfe ein eigenes Wealth Management Unternehmen aufbauen?

Marcel van Leeuwen: In unserem Geschäft hat Diskretion die höchste Priorität. Wir führen sehr viele Individualgespräche mit Private Bankern. Wir betreiben die Website www.haftungsdach.eu. Zudem werden wir von Haftungsdachpartnern, Depotbanken und KAGs weiterempfohlen. 

private banking magazin: Ist der Kampf um die Top-Talente in der Beratung in den letzten Jahren härter geworden?

van Leeuwen: Definitiv ja. Allerdings akquirieren wir nicht, das würde sich nicht mit der erforderlichen Diskretion vertragen. Wir stehen interessierten Private Bankern jedoch mit großer Begeisterung als diskreter Gesprächspartner zur Verfügung.

private banking magazin
: Woher kommen die Aspiranten?

van Leeuwen: Überwiegend aus Banken, aber auch aus Vermögensverwaltungen, Family Offices und aus dem institutionellen Asset Management.

private banking magazin
: Welche Erfahrungen haben Sie speziell mit Headhuntern und Personalberatungen gemacht?

van Leeuwen
: Meistens sehr positive Erfahrungen. Dabei gab es auch extreme skurrile Erfahrungen, die wir aber nicht teilen können.

private banking magazin
: Wie ist Ihre Erfolgsquote bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter? Wonach bemessen Sie „Erfolg“?

van Leeuwen: Erfolg ist für uns, einen neuen Haftungsdachpartner zu gewinnen und gemeinsam mit ihm sein Geschäft aufzubauen. In diesem Sinne bezieht sich eine „Erfolgsquote“ nicht auf die Quantität der Haftungsdachpartner, sondern auf den Erfolg des Geschäfts des Haftungsdachpartners. Ein erfolgreicher Haftungsdachpartner ist auch für uns ein Erfolg.

private banking magazin
: Inwieweit können die unabhängigen Vermögensverwalter von dem Umbruch in der Bankenwelt, der mit Freisetzung vieler Berater einhergeht, profitieren?

van Leeuwen: Unsere Haftungsdachpartner können sehr stark von dem Umbruch in der Bankenwelt profitieren, denn die meisten Mandanten können es auf Anhieb nachvollziehen und billigen, wenn ein Berater sich der konfliktfreien unabhängigen Beratung für seine Mandanten widmet. In diesem Zusammenhang ist es vielsagend, dass nahezu 100 Prozent unserer Haftungsdachpartner nach dem Prinzip der Honorarberatung arbeiten.

private banking magazin
: Aus Ihrer Erfahrung: Was bedingt die Zufriedenheit eines Beraters mit seinem Job und welche Rolle spielt das Gehalt dabei?

van Leeuwen
: Bei unseren Haftungsdachpartner verbleibt - je nach Geschäftsgröße – zwischen 70 und 85 Prozent ihres gesamten Geschäftsertrags. Folglich verdienen unsere Haftungsdachpartner oft ein Mehrfaches im Vergleich zum Verdienst in einem Angestelltenverhältnis. Genau so bedeutend ist für sie aber die hohe unternehmerische Freiheit. Denn sie besitzen ein eigenes Wealth Management Unternehmen mit eigener Identität.

private banking magazin
: Gibt es so etwas wie einen idealen Karriereweg zum Vermögensverwalter? Welche Rolle spielen Brüche im Karriereweg?

van Leeuwen: Ja, es geht nichts über Erfahrung in dem Kerngeschäft. Brüche im Karriereweg sind nicht unbedingt negativ und können auch durchaus den Erfahrungsschatz erweitern.

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: Wie beurteilen sie einen Doktortitel oder fachspezifische Qualifikationen wie MBA oder CFP?

van Leeuwen: Grundsätzlich positiv.

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: Wie wichtig ist es, dem vermögenden Kunden auf Augenhöhe zu begegnen und seine Interessen auch außerhalb der Finanzangelegenheiten zu teilen?

van Leeuwen: Das liegt im Ermessen jedes einzelnen Haftungsdachpartners und ist Bestandteil seines jeweiligen Geschäftsmodells. Es gibt sehr erfolgreiche Haftungsdachpartner, die Kundenbeziehungen auch außerhalb der Finanzangelegenheiten pflegen, und es gibt sehr erfolgreiche Haftungsdachpartner, die das nicht machen.

private banking magazin: Welche Rolle spielt die Burnout-Problematik im Bereich der vielbeschäftigten, gut verdienenden und gut ausgebildeten Berater?

van Leeuwen: Unsere Haftungsdachpartner haben sich dazu entschieden, ein eigenes Wealth Management Unternehmen aufzubauen. Die Burn-Out-Problematik spielt keine große Rolle, denn unsere Haftungsdachpartner sind hoch motivierte Unternehmer.