private banking magazin: Sie setzen stark auf das Thema grenzüberschreitende Vermögen – was spricht für Ihre Herangehensweise?
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private banking magazin: Sie setzen stark auf das Thema grenzüberschreitende Vermögen – was spricht für Ihre Herangehensweise?
Christoph Tunkl: Vermögen ist heute strukturell international, während viele Beratungsansätze noch immer lokal geprägt sind. Genau hier setzen wir an. Unsere Plattform wurde gezielt für Kunden entwickelt, deren Leben, Vermögen und Interessen sich über mehrere Länder und Rechtsräume erstrecken.
Die Dynamik ist klar messbar: allein für 2025 haben laut einer Studie von Henley & Partners rund 142.000 vermögende Privatpersonen international ihren Wohnsitz verlagert. Vor diesem Hintergrund ermöglichen wir aus dem DIFC in Dubai heraus eine integrierte Beratung über Europa, den Nahen Osten und Asien hinweg – statt fragmentierter Einzellösungen, die häufig zu Ineffizienzen führen.
Die Gründung fällt zeitlich nun genau mit einer geopolitischen Krise zusammen, die auch die Dubai betrifft. Wie schätzen Sie dies ein?
Tunkl: Gerade in einem Umfeld geopolitischer Unsicherheit zeigt sich, dass unser grenzüberschreitendes, unabhängiges und reguliertes Beratungsmodell nicht nur robust ist, sondern zunehmend unverzichtbar wird, um komplexe internationale Vermögensstrukturen ganzheitlich zu steuern und gezielt zu diversifizieren. Wer Vermögen heute noch rein lokal ausrichtet, unterschätzt die Dynamik globaler Kapitalströme – und läuft Gefahr, Chancen und Risiken nicht optimal zu erkennen und zu verteilen.
Ihr Ansatz kombiniert Wealth Management mit Family-Office-Leistungen – wo sehen Sie den entscheidenden Mehrwert gegenüber klassischen Privatbanken?
Tunkl: Der Mehrwert liegt in der ganzheitlichen Perspektive. Wir verbinden Investmentberatung mit Strukturierung, Nachfolgeplanung, Steuerkoordination sowie Wohnsitz- und Standortplanung in einem integrierten Ansatz und erweitern diesen um klassiche Family-Office-Leistungen im Bereich Lifestyle und persönliche Organisation. Damit verbinden wir die Denkweise eines Family Offices mit der Flexibilität und Offenheit eines unabhängigen Vermögensverwalters.
Wir adressieren dadurch eine klare Marktentwicklung: Laut DIFC stehen weltweit rund 87 Billionen US-Dollar an HNWI-Vermögen vor strukturellen Veränderungen und erfordern zunehmend professionelle Vermögensorganisation sowie eine übergreifende Beratung. Genau hier setzen wir an – mit Lösungen, die über klassische, oft produktzentrierte Modelle hinausgehen.
Viele Häuser sprechen von „relationship-led“ Beratung – was machen Sie konkret anders, damit das nicht nur ein Marketingversprechen bleibt?
Tunkl: Bei uns ist Relationship-led kein Schlagwort, sondern klar im Modell verankert. Jeder Kunde wird von einem erfahrenen Vermögensberater betreut, der die Gesamtverantwortung übernimmt, als zentraler Ansprechpartner fungiert und die Gesamtübersicht behält. In dieser Rolle koordiniert er gezielt die Zusammenarbeit mit internen und externen Spezialisten – von Investmentexperten über Steuer- und Strukturierungspartner bis hin zu weiteren relevanten Bereichen.
Gleichzeitig kombinieren wir diese persönliche Betreuung mit klaren Strukturen und Prozessen im Hintergrund. Das ist entscheidend, weil die Anforderungen der Kunden mit der zunehmenden Komplexität der Märkte deutlich steigen – etwa durch unterschiedliche wirtschaftspolitische Entwicklungen zwischen den großen Wirtschaftsblöcken, die eine global ausgerichtete Beratung immer wichtiger machen.
Sie arbeiten mit Open Architecture und externer Verwahrung – stärkt das Ihre Unabhängigkeit und wie sichern Sie die Exklusivität Ihres Angebots?
Tunkl: Open Architecture ist ein zentraler Bestandteil unserer Unabhängigkeit, da wir Lösungen konsequent nach Kundenprofil und Eignung auswählen - nicht nach eigenen Produkten oder Vetriebsinteressen. Gerade im aktuellen Marktumfeld gewinnt das weiter an Bedeutung: für 2026 wird laut IWF ein globales Wachstum von rund 3,1 Prozent erwartet, gleichzeitig bleibt die Unsicherheit durch die geopolitische Entwicklungen sowie unterschiedliche Zins- und Inflationspfade hoch. In einem solchen Umfeld sind Diversifikation und Zugang zu den jeweils besten Lösungen entscheidend.
Exklusivität entsteht für uns nicht durch Abschottung, sondern durch Selektion und Zugang. Wir wählen gezielt aus, strukturieren Lösungen individuell und setzen sie innerhalb eines klar regulierten Rahmens mit unabhängiger Verwahrung um.
Wird die Zukunft des Private Banking von globalen Plattformen wie Ihrer geprägt?
Tunkl: Wir sehen klar eine Entwicklung hin zu globalen, stärker integrierten Plattformen, da Kunden und Vermögen zunehmend mobiler und internationaler werden. In diesem Zusammenhang sprechen wir vom Trend zum „Global Citizen“. Gerade jüngere Generationen vermögender Kunden sind nicht mehr an einen einzelnen Standort gebunden, sondern leben und agieren parallel in mehreren Ländern – beruflich wie privat.
Auch die Standortentwicklung unterstreicht diese Dynamik: Laut DIFC sind in der Golfregion inzwischen über 500 Wealth- und Asset-Management-Firmen angesiedelt, mit weiterhin starkem Wachstum. Entscheidend wird jedoch sein, diese globale Reichweite mit echter persönlicher Beratung und hoher Qualität zu verbinden. Genau diese Kombination steht im Zentrum unseres Geschäftsmodells.
Über den Interviewten:
Christoph Tunkl ist CEO von Welf und hat langjährige internationale Erfahrung in den Bereichen Finanzen und Immobilien. Dazu gehören insbesondere Wealth Management, grenzüberschreitende Strukturierung und Investmentstrategie, der Aufbau von Unternehmen sowie die Leitung komplexer Transaktionen.