Top-Seller in der Krise Was ist los beim Carmignac Patrimoine?

Edouard Carmignac

Edouard Carmignac

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Viele Investmentfonds gibt es nicht, die in den vergangenen Jahren so erfolgreich waren wie der Carmignac Patrimoine (WKN: A0DPW0). Der Allrounder der französischen Fondsboutique Carmignac Gestion beglückte seine Anleger in den vergangenen zehn Jahren mit einem Wertzuwachs von 96 Prozent, das macht 7,0 Prozent pro Jahr. Die breite Masse vergleichbarer Mischfonds schaffte nicht einmal die Hälfte davon. Das blieb nicht ohne Folgen für das Volumen: Verwaltete der Fonds im September 2008 erst 4 Milliarden Euro, sind es heute knapp 28 Milliarden Euro (siehe Grafik).

Verlorene Erfolgsformel

Seit einiger Zeit indes scheint die Erfolgsformel von Fondsmanager Edouard Carmignac nicht mehr aufzugehen. In den vergangenen drei Jahren entwickelte sich der Fonds nur noch durchschnittlich, seit Herbst 2012 schwächelt er geradezu.

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Im September 2013 stufte ihn deshalb das Analysehaus Morningstar von Gold- auf Silber-Status herab. Und auch bei vielen Anlagevermittlern schwindet der Rückhalt. „Wir haben den Fonds aus den Portfolios rausgenommen“, erklärt Constanze Hintze, Geschäftsführerin der Finanzberatung Svea Kuschel + Kolleginnen aus München. „Die Ergebnislücke zum Markt, seiner Vergleichsgruppe und seiner eigenen Vergangenheit ist erschreckend groß.“

Einige Experten unken bereits, dass sich der Carmignac Patrimoine in den kommenden Monaten mit milliardenschweren Abflüssen konfrontiert sehen könnte. Was ist dran an diesen Unkenrufen und vielen weiteren Gerüchten?

Gerücht Nummer 1: Anleger zogen zuletzt massiv Gelder aus dem Fonds ab

Es stimmt, dass der Carmignac Patrimoine von Juni bis August netto einen Mittelabfluss von 828 Millionen Euro verzeichnen musste. Allerdings ist dieser Aderlass nicht zu vergleichen mit den Verlusten aus 2011. Damals zogen Anleger in wenigen Monaten rund 3,5 Milliarden Euro ab.

„Weil der Fonds in der ersten Jahreshälfte 2011 schlecht lief, hatten ihn einige spanische Bankhäuser auf Verkaufen gesetzt. Das verbreitete sich wie ein Lauffeuer und setzte die Verkaufswelle in Gang“, erklärt Volker Schilling, Vorstand der Freiburger Beratungsgesellschaft Greiff Capital Management.

Der Kursrutsch an den Aktienmärkten im August 2011, der den Fonds völlig ungeschoren ließ, erinnerte Anleger dann jedoch sehr schnell daran, was sie am Carmignac Patrimoine hatten.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Abflüsse aus älteren Märkten wie Deutschland nicht viel höher ausfallen, da die Mittelzuflüsse aus neu hinzugekommenen Märkten sie teilweise kompensieren. So ist Carmignac seit Mai 2012 auch in Großbritannien aktiv. Die Fondsboutique verneinte die Kompensation, da es einige Zeit brauche, bis sich die Bemühungen in einem neuen Markt auszahlen würden und erst dann größere Summe den Carmignac-Fonds zufließen würden.

Gerücht Nummer 2: Edouard Carmignacs Nachfolge ist nicht geregelt ...