Infrastruktur profitiert weltweit von langfristigen Investitionsprogrammen in Energie, Digitalisierung und Verkehr. Doch dieser Rückenwind allein reicht nicht aus. Bertrand Cliquet, Lead-Portfoliomanager im Global Listed Infrastructure-Team von Lazard Asset Management, ist überzeugt: Anleger sollten Infrastruktur nicht als homogenes Anlagethema betrachten, sondern sehr selektiv vorgehen. „Entscheidend sind die Qualität der Geschäftsmodelle und die Bewertung – denn gerade stabile, regulierte Infrastrukturunternehmen bieten die attraktivsten Chancen.“
Managing Director, Lead Portfolio Manager/Analyst Global Listed Infrastructure, Lazard Asset Management CFA
Die langfristigen Wachstumstreiber sind aus unserer Sicht intakt. Weltweit steigt der Investitionsbedarf in Stromnetze, Wasserinfrastruktur, Verkehrswege und Kommunikationsnetze. Gleichzeitig sorgen Digitalisierung, Elektrifizierung und der Ausbau erneuerbarer Energien für zusätzlichen Kapitalbedarf. Wir haben hier wirklich sehr langfristige Treiber, die bereits breit diversifiziert sind – nicht nur ein einzelnes Thema. Wir sehen Chancen bei Energie, Wasser, Transport und Kommunikation.
Megatrends sind kein Freifahrtschein
Mein Team und ich warnen jedoch davor, Infrastruktur ausschließlich über einzelne Trends wie künstliche Intelligenz oder Rechenzentren zu definieren. Solche Entwicklungen können zwar zusätzliche Nachfrage erzeugen, sind aber nicht automatisch attraktive Investments. Der starke Anstieg und anschließende Einbruch vieler Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energien zeigt aus unserer Sicht sehr deutlich: Ein langfristiger Trend ist nicht automatisch ein gutes Investment.
Erfolgreiches Investieren in Infrastruktur beginnt für uns nicht mit einem Megatrend, sondern mit einer nüchternen Analyse der Risiken. Infrastruktur ist keineswegs risikofrei: Regulatorische Eingriffe, politische Entscheidungen, technologische Veränderungen oder Fehlentwicklungen einzelner Projekte können die Erträge erheblich beeinflussen.
Bewertung schlägt Narrativ
Unser Fokus bei der Titelauswahl ist daher klar: Letzten Endes geht es um die Bewertung. Infrastruktur ist ein sehr stabiler Asset-Bereich – aber der Preis, den man dafür bezahlt, ist ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor. Deshalb investieren wir ausschließlich in börsennotierte Aktienunternehmen, deren Geschäftsmodelle langfristig planbare Einnahmen erwarten lassen.
Nicht jede Infrastruktur ist gleich. Wir konzentrieren uns auf Bereiche, in denen wir eine hohe Visibilität der Erträge haben – monopolähnliche Strukturen, regulierte oder langfristig vertraglich abgesicherte Erlöse sowie eine weitgehende Inflationsbindung der Cashflows. Beispiele sind regulierte Strom-, Gas- und Wassernetze, Mautstraßen, Flughäfen, monopolartige Schienennetze und Telekommunikationsinfrastruktur. Das mag zwar langweilig sein, aber es ist profitabel.
Qualität vor Quantität
Statt möglichst viele Infrastruktursegmente abzudecken, setzen wir auf einen konzentrierten Auswahlprozess: Wir investieren dort, wo Fundamentaldaten und Bewertung überzeugen. Daraus ergeben sich zeitweise deutliche regionale Unterschiede im Vergleich zu den Branchenindizes.
Aktuell sehen wir insbesondere in Europa attraktive Chancen. Viele regulierte Versorger profitieren dort von steigenden Investitionen in Stromnetze und Elektrifizierung, werden aber weiterhin mit deutlichen Bewertungsabschlägen gehandelt. Der Markt bezeichnet diese Unternehmen häufig als langweilig – wir sehen das anders. Diese Unternehmen wachsen, investieren massiv und bieten gleichzeitig attraktive Bewertungen.
Aktives Management wird wichtiger
Gerade weil Infrastruktur kein einheitliches Anlageuniversum ist, halten wir einen aktiven Investmentansatz für unverzichtbar. Unser Ziel ist nicht, jedem Aufschwung vollständig zu folgen, sondern über Marktzyklen hinweg Kapital zu erhalten und attraktive risikoadjustierte Erträge zu erzielen. Wir möchten Kapital erhalten und gleichzeitig Alpha generieren – dafür müssen wir sehr selektiv vorgehen und genau unterscheiden, welche Infrastrukturunternehmen dauerhaft stabile Erträge liefern können.
Der im Februar 2012 aufgelegte Lazard Global Listed Infrastructure Equity Fund (A Dist EUR Hedged | ISIN: IE00B4552M33) verwaltet ein Volumen von über 2,6 Milliarden Euro (Stand: 31.08.2026) und ist ein aktiv verwalteter Publikumsfonds, der typischerweise in Aktien von Infrastrukturunternehmen mit einer Mindestkapitalisierung von 250 Millionen US-Dollar investiert. Der Fonds verfolgt eine „Preferred Infrastructure“-Philosophie, die sich hauptsächlich auf Aktienwerte von Unternehmen konzentriert, die physische Infrastrukturanlagen besitzen, welche bestimmte bevorzugte Kriterien wie Ertragssicherheit, Rentabilität und Langlebigkeit erfüllen.
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Andreas Rau,
Head of Third Party Distribution | Germany
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