Fünf Fakten Warum private Vermögensplanung für Unternehmer wichtig ist

Christopher Peyerl, Geschäftsführer der TMS Unternehmensberatung

Christopher Peyerl, Geschäftsführer der TMS Unternehmensberatung: Unternehmer, die Vermögen auch außerhalb des Betrieblichen anhäufen, schaffen gute Voraussetzungen für die Übergabe des eigenen Unternehmens.

In vielen Unternehmerfamilien steht die Firma an erster Stelle. Die emotionale Bindung an das eigene Lebenswerk führt jedoch gerade im Mittelstand häufig dazu, dass wesentliche Vermögenswerte nur selten außerhalb der unternehmerischen Tätigkeiten zu finden sind: Über Jahre und Jahrzehnte wurden Gewinne im Unternehmen belassen, Sicherheiten gegeben und die private Alterssicherung darauf abgestellt, dass bei einem späteren Verkauf der Firma ein möglichst hoher Preis erzielt wird. Doch eine Vermögensstrategie, die lediglich auf das eigene Unternehmen ausgerichtet ist, birgt erhebliche Risiken.

Gerade Familienunternehmer sollten sich deshalb gezielt mit dem privaten Vermögensaufbau befassen. Dies lohnt sich mit Blick auf einen sorgenfreien Ruhestand nicht nur für sie selbst, sondern erhöht auch die Erfolgsaussichten, wenn das Unternehmen eines Tages an einen Nachfolger aus der Familie übergeben oder an einen externen Käufer veräußert werden soll. Denn: Betriebe, die neben Nachfolgern auch die abgebende Generation versorgen müssen, haben es deutlich schwerer. Fünf Fakten, warum Familienunternehmer ihre persönliche Finanz- und Vorsorgeplanung unabhängig vom Unternehmen gestalten sollten.

Fakt 1: Unternehmenswerte sind volatil

Werte von Unternehmen und damit der mögliche Kaufpreis sind mit zahlreichen Unsicherheiten verbunden. Schwankende Einnahmen, eine Verschlechterung der Wettbewerbsposition oder externe Faktoren, auf die der Unternehmer keinen Einfluss hat, wie zuletzt etwa die Corona-Pandemie, können den Unternehmenswert negativ beeinflussen. Ob die Firma zum geplanten Zeitpunkt der Übergabe dann tatsächlich den Verkaufspreis erzielt, den es für einen sorgenfreien Ruhestand braucht, ist nicht sicher.

Fakt 2: Vermögen ist im Unternehmen gebunden

Der Firmeninhaber kann Kapital, das im Unternehmen steckt, nicht einfach entnehmen. Selbst wenn über Jahre Gewinne im Unternehmen verblieben und allenfalls geringe Ausschüttungen an die Eigentümerfamilien erfolgt sind, bedeutet dies nicht automatisch, dass auch frei verfügbares Vermögen im Unternehmen vorhanden ist. So können getätigte Investitionen oder steigende Materialpreise zu einer deutlich höheren Kapitalbindung führen. Um die Zukunft des Unternehmens zu sichern, ist es wichtig, zwischen Gewinnvorträgen und echten, ausschüttungsfähigen Beträgen zu trennen. Denn gerade mit Blick auf die vergangenen beiden Jahre gibt es nicht wenige Unternehmen, bei denen vorhandene Reserven aufgebraucht worden sind.

Fakt 3: Emotionale Verbundenheit hemmt rationale Finanzplanung

Familienunternehmen sind für die meisten Eigentümer nicht nur ein Mittel zum Gelderwerb, sondern eine Herzensangelegenheit. Das eigene Lebenswerk loszulassen fällt vielen daher schwer. Die Folge: Häufig wird übersehen, dass das Unternehmen nicht dazu da ist, um den Lebensstandard im Alter abzusichern. Als Unternehmer sollte man sich vielmehr rechtzeitig Klarheit darüber verschaffen, wie hoch der persönliche Finanzbedarf im Alter sein wird. Nur so lässt sich eine Strategie entwickeln, die es ermöglicht, dass auch nach dem Verkauf des Unternehmens ausreichend Vermögen für den Ruhestand zur Verfügung steht – unabhängig vom Unternehmen selbst.

Fakt 4: Finanzielle Risiken konzentrieren sich auf die Firma

Privates Vermögen und betriebliche Belange sind in Familienunternehmen sehr häufig eng miteinander verknüpft. Eine Entflechtung der Vermögenssphären ist häufig kurzfristig nicht möglich, vor allem wenn ein wesentlicher Anteil der betrieblichen Investitionen durch private Sicherheiten getragen werden. Gleichzeitig strahlt diese Abhängigkeit im Falle privater Krisen auch auf das Geschäft ab, etwa wenn bei einer Scheidung oder einem Erbstreit Vermögen verteilt, Immobilien verkauft oder Liquiditätsbedarfe aus dem betrieblichen Bereich gedeckt werden müssen.

Fakt 5: Fehlendes Wissen über Versorgungslücken

Selbst Unternehmer, die einen sehr guten Überblick über ihre Firmenfinanzen haben, kennen sich mit ihrer eigenen Altersvorsorge häufig nicht gut aus. Sie können ihren Versorgungsbedarf im Ruhestand nicht richtig einschätzen und wissen nicht, wie groß ihr Vermögen sein muss, um nach der Unternehmensübergabe auf vergleichbarem Niveau weiterleben zu können. Der Rat eines unabhängigen Spezialisten kann dabei helfen, die Vermögensverhältnisse und die private Vorsorge im Sinne des Unternehmens bestmöglich zu ordnen. 

Fazit: Vermögensaufbau ist ein Langfristthema

Die persönliche Vermögensplanung von Familienunternehmern hängt mit den Finanzen der Firma in der Regel eng zusammen. Umso wichtiger ist deshalb eine strategische Betrachtung der Zusammenhänge zwischen privatem und geschäftlichem Finanzbereich. Doch selbst wenn der Unternehmer die Firmenfinanzen auf Vordermann gebracht hat: Sich nur darauf zu verlassen, dass man das Unternehmen eines Tages mit Gewinn verkaufen kann, ist eine riskante Strategie. Auch wenn es emotional schwerfallen mag, aber als Unternehmer sollte man sich von der Vorstellung lösen, dass die Firma auch die persönliche Vorsorge regelt.

Wer hingegen rechtzeitig die Weichen stellt und Vermögen auch außerhalb des betrieblichen Bereichs schafft, verringert nicht nur seine Abhängigkeit von Nachfolgeregelungen und Unternehmensbewertungen, sondern stärkt auch die eigenen finanziellen Ressourcen für Zeiten wirtschaftlicher oder persönlicher Krisen. Damit schaffen Unternehmer gute Voraussetzungen für die Übergabe des eigenen Betriebes und können dem Wechsel in den Ruhestand deutlich gelassener entgegensehen.

 

Über den Autor:
Christopher Peyerl ist Geschäftsführer der TMS Unternehmensberatung. Die Beratungsschwerpunkte des studierten Bankkaufmanns und zertifizierten Restrukturierungs- & Sanierungsberaters liegen unter anderem in der strategischen und operativen Planung für Familienunternehmen.