Service und Awards
Einmal im Jahr werden vom Zertifikate-Berater (DZB Media) als Veranstalter die Zertifikate-Awards verliehen. Sie gelten als führende Auszeichnung für die besten Anbieter im deutschen Markt für strukturierte Produkte. Insgesamt werden für zehn Kategorien jeweils die besten drei Anbieter gekürt. Das Konzept sieht vor, dass 30 Mitglieder einer Jury jeweils drei Punkte für den nach eigener Ansicht besten Anbieter, zwei Punkte für den zweitbesten und einen Punkt für den drittbesten Anbieter vergeben. Somit beträgt die Maximalpunktzahl die ein Emittent in einer Kategorie erreichen kann 90. Pro Kategorie werden demnach maximal 180 Punkte vergeben.
Da DZB Media nicht die gesamten Ergebnisse publiziert, sondern nur die jeweils besten drei Anbieter mit den dazu entsprechenden Punktzahlen, wurden in dieser Arbeit nicht einzelne Punktzahlen mit in den Datensatz aufgenommen. Stattdessen wurde dem besten Emittenten der Wert drei zugeordnet, dem zweitbesten der Wert zwei und dem drittbesten der Wert eins.
In der folgenden Regression wird dann untersucht, ob ein höherer Wert auch mit einem gesteigerten Marktanteil einhergeht. Da die anderen Emittenten nicht durch eine Top-3-Position gesondert geehrt werden, wurde ihnen in dem Datensatz ein Wert von null zugewiesen. Für die Regression für den Bereich der Hebelprodukte wurden die Daten aus den Kategorien Anlegerservice, Hebelprodukte als auch die (nicht eigenständige Kategorie) Gesamtwertung mit einbezogen. Für die Regression für den Bereich der Anlageprodukte wurden Daten aus den Kategorien Anlegerservice, Primärmarkt, Sekundärmarkt und ebenfalls die Gesamtwertung aufgenommen.
Bekanntheit des Emittenten
Abschließend wird ebenfalls ein Zusammenhang zwischen dem Marktanteil sowohl im Bereich der Anlage- als auch im Bereich der Hebelprodukte und der Bekanntheit des Emittenten vermutet. Die Bekanntheit beziehungsweise die Präsenz des Emittenten wurde durch die Anzahl der in Deutschland eröffneten Filialen und der Anzahl der in Deutschland für den Emittenten (in allen Geschäftsbereichen) tätigen Mitarbeitern quantifiziert. Angaben zu diesen Größen konnten ebenfalls auf den Internetseiten der Emittenten beziehungsweise in dessen Geschäftsberichten gewonnen werden.
Gerade im Bereich der Anlageprodukte wird an dieser Stelle ein Einfluss durch die Anzahl der Filialen vermutet, da diese Produkte im Retail-Banking verstärkt in Beratungsgesprächen vermittelt werden, während Anleger in Hebelprodukten bewusst und eigenmächtig für bestimmte Produkte entscheiden. Daher wurde die Mitarbeiteranzahl für die Deka als Dachinstitut der Sparkassen um die Anzahl der Mitarbeiter in Sparkassen und für die DZ Bank als Zentralbank der Volksbanken um die Anzahl der Mitarbeiter in den Volks- und Raiffeisenbanken aufgestockt.
Fazit
Zusammenfasst betrachtet konnte auf Basis, der vom DDV publizierten Statistiken ein umfassendes Bild über den Markt für Anlage- und Hebelprodukte in Deutschland für den Zeitraum Januar 2010 bis September 2019 erstellt werden. Hinsichtlich der Marktanteile nach Produktgattungen ist eine klare Verschiebung von Kapitalschutzprodukten und strukturierten Anleihen hin zu Express-Zertifikaten und Aktien-/Indexanleihen erkennbar. Insbesondere die Deka und die DZ Bank haben durch einen Ausbau ihrer Produktpalette in diesen Produktgattungen Anlagevolumen generieren können.
Vor allem die Deka, aber auch die DZ Bank konnten ihren Marktanteil in dem betrachteten Zeitraum deutlich steigern. Der Absatzkanal direkt über das Filialnetz der Sparkassen und Volksbanken ist dabei ein zentraler Unterstützungsfaktor. Die weiteren Anbieter in der oligopolistischen Anbieterwelt haben diese Absatzmöglichkeit nur im Rahmen von einzelnen Geschäftsbeziehungen zu den Retail-Instituten – allerdings häufig in direkter Konkurrenz zu den Produkten der Dachorganisation beziehungsweise der Zentralbank.
Einige Anbieter haben Anlageprodukte auch nur sehr begrenzt im Angebot, der Fokus liegt klar bei den Hebelprodukten. Weiterhin ist der stetig, insbesondere seit 2014, sinkende Marktanteil der Commerzbank und der Deutschen Bank auffällig. Die Commerzbank hat ihr Geschäft für strukturierte Produkte per 30. März 2020 auf die Société Générale übertragen. Zudem gab es auch für die Deutsche Bank eine Meldung, nach denen das Institut einen Verkauf der Sparte anstrebt. Als Interessenten werden die derzeitigen Konkurrenten BNP und die Société Générale gehandelt.
Gerade im Bereich der Hebelprodukte haben die beiden Institute per September 2019 noch einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent, sodass es zu stärkeren Marktverschiebungen kommen kann. Gerade vor dem Hintergrund des volatilen Jahresauftakts dürfte vor allem die Handelsqualität ein wichtiges Kriterium sein, nach dem die Anleger sich für einen Emittenten entscheiden. Die Handelsqualität konnte nicht in die Regression mit einbezogen werden. Die Börsen Frankfurt und Stuttgart stellen entsprechende Daten nicht öffentlich zur Verfügung. Auch vom DDV gibt es diesbezüglich keine Daten.
Weiteres Untersuchungspotenzial bieten die Partnerschaften der Emittenten mit Brokern in Deutschland. Vergünstige Transaktionskosten könnten für viele Marktteilnehmer ein bedeutendes Kriterium zur Emittentenauswahl sein. Broker wie Consors, Comdirect, Flatex oder der S-Broker bieten bei Handel mit ausgewählten Emittenten Vergünstigungen an. Eine detaillierte Übersicht, über die aktuellen Partnerschaften zwischen den verschiedenen Emittenten und Brokern findet sich in der nachfolgenden Tabelle.
Partnerschaften Broker und Emittenten
Hinsichtlich der vorgestellten Kriterien eines vollkommenen Marktes kann für den Markt für strukturierte Produkte in Deutschland die Aussage getroffen werden, dass keine Vollkommenheit herrscht. Das Transparenzkriterium ist nur bedingt erfüllt, da den Käufern der Produkte nicht der Wert aller preisbeeinflussenden Parameter offengelegt wird. Es kommt vor, dass Änderungen dieser Parameter nicht unverzüglich in die Preisbildung eingehen, sodass Arbitrage möglich ist.
In Bezug auf die Homogenität der Güter ist es korrekt, dass es Produkte mit homogenen Ausstattungen bei mehreren Emittenten gibt. Allerdings unterscheiden sich die damit verbundenen Nebenleistungen. Hier ist zum Beispiel die Servicequalität, die Handelsverfügbarkeit oder die Informationsmöglichkeiten zu erwähnen. So kann es bei den Nachfragern zu Präferenzen kommen, wenn Emittenten verschiedene Bindungsmöglichkeiten nutzen. Goldman Sachs hat beispielsweise ein Prämienprogramm gestartet.
Bei Anlageentscheidungen spielt die Emotion bei einigen Marktteilnehmern eine übergeordnete Rolle. Auch aufgrund möglicher staatlicher Eingriffe in den Markt für strukturierte Produkte ist die Marktvollkommenheit eher abzulehnen. Die geplanten Änderungen der Verlustverrechnung in Bezug auf die Kapitalertragssteuer oder aktuelle Nachrichten zu einer möglicherweise geplanten Finanztransaktionssteuer sind aktuelle Beispiele. Die Aussage für den Punktmarkt scheint am ehesten erfüllt. In der Regel sind Preisänderungen der Produkte sofort auf der Homepage der Emittenten zu erkennen. Ob der Handel börslich oder außerbörslich stattfindet, ist in der Regel wertneutral. Unterschiedliche Transaktionskosten sind auf die Broker-Gebühren zurückzuführen.
Der Markt für strukturierte Produkte sieht sich den aktuellen exogenen Einflüssen durch ein niedriges Zinsniveau, den geplanten steuerlichen Änderungen und einer sich wandelnde Broker-Landschaft ausgesetzt. Zwei bedeutende Emittenten haben sich in 2020 aus dem Markt zurückgezogen, nachdem ihr Marktanteil in den letzten Jahren kontinuierlich rückläufig war. Daher kann auch zukünftig mit Marktveränderungen gerechnet werden.
Über die Autoren:
Philippe Krahnhof promoviert aktuell an der Masaryk Universität in Brünn in Kooperation mit dem ISF Institute for Strategic Finance an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management, an dem er Research Fellow ist. Als Lehrbeauftragter unterrichtet er im Finanzbereich der FOM Hochschule für Oekonomie & Management. Hauptberuflich ist er als Abteilungsleiter der Unternehmensentwicklung eines Handelskonzerns aktiv.
Alexander Zureck ist Professor für Banking & Finance an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Düsseldorf und Wissenschaftlicher Koordinator am ISF Institute for Strategic Management. Neben seiner Lehrtätigkeit berät er überwiegend mittelständische Unternehmen zu Themen in den Bereichen Finanzen, Digitalisierung, Organisation und Marketing.