Die Privatbank M.M. Warburg & CO steckt mitten in einer umfassenden Transformation: Das Institut soll sein Universalbank-Modell aufgeben, rund 150 Stellen abbauen und das IT-Kernsystem komplett austauschen. Marktvorstand Stephan Schrameier erklärt im Interview, wie er die Bank damit wieder nach vorne bringen will – und warum die Cum-Ex-Vergangenheit noch immer nachwirkt.
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Die Privatbank M.M. Warburg & CO steckt mitten in einer umfassenden Transformation: Das Institut soll sein Universalbank-Modell aufgeben, rund 150 Stellen abbauen und das IT-Kernsystem komplett austauschen. Marktvorstand Stephan Schrameier erklärt im Interview, wie er die Bank damit wieder nach vorne bringen will – und warum die Cum-Ex-Vergangenheit noch immer nachwirkt.
private banking magazin: Herr Schrameier, Sie sind nun seit knapp vier Jahren Marktvorstand bei Warburg. Was haben Sie seitdem verändert?
Stephan Schrameier: Als wir an Bord gekommen sind, hatten wir zwei wesentliche Aufgaben: erstens das Reputationsthema, das die Bank durch Cum-Ex sehr belastet hat. Zweitens die strategische Neuausrichtung. Die Bank war sehr breit aufgestellt – mit Private Banking, Kreditgeschäft, Investmentbanking, Handelsaktivitäten und verschiedenen Tochtergesellschaften. Dieser breite Ansatz hat dazu geführt, dass der Apparat sehr schwer wurde. Wir haben uns also gefragt, was wirklich unsere Schwerpunkte sind.
Und zu welchem Ergebnis hat dieser Prozess geführt?
Schrameier: Für uns steht jetzt ganz klar das Private Banking im Mittelpunkt. Flankiert wird das von einem Corporate Banking-Geschäft in bestimmten Segmenten – konkret Immobilien, Shipping und dem, was wir unternehmernahe Finanzierung nennen: Wir begleiten Unternehmer mit Krediten bei Aktivitäten rund um ihr Unternehmen, etwa Beteiligungserhöhungen oder Akquisitionen. Den Kern bildet aber immer die Person, nicht das Unternehmen selbst.
Das bedeutet auch einen erheblichen Personalabbau?
Schrameier: Ja, wir bauen rund 150 Stellen ab. Das hat nichts mit dem Private Banking zu tun, im Gegenteil: Dort wollen wir wachsen und investieren. Der Abbau ist ausschließlich dem Aufgeben des Universalbank-Modells geschuldet. Wir haben ein Freiwilligenprogramm zusammen mit dem Betriebsrat aufgesetzt, mit Abfindungen gestaffelt nach Dienstjahren. Das war emotional, aber viele Kolleginnen und Kollegen haben das Angebot angenommen – manche nach 20 Jahren, um wirklich etwas Neues zu machen.
Parallel dazu tauschen Sie das IT-Kernsystem aus?
Schrameier: Richtig, wir wechseln auf das Atruvia-System, das System der Volksbanken, auf dem mittlerweile 800 bis 900 Banken laufen. Immer mehr Privatbanken wechseln dorthin, weil es eine nachgewiesen stabile Plattform ist, bei der jede regulatorische Anforderung sauber umgesetzt wird. Der Go-live ist für Mai dieses Jahres geplant.
„Wir wollen der echte Bankpartner des Kunden sein: Konto, Kredit, Finanzplanung, internationaler Zahlungs- verkehr für die studierende Tochter im Ausland – alles aus einer Hand.“
Das ist ein enormer Aufwand – wir haben eine Vielzahl von Beratern im Haus, um Daten zu migrieren und Prozesse anzupassen, und das läuft parallel zum normalen Geschäft. Zusammen mit den Abfindungskosten und dem Wegfall von Erträgen aus dem eingestellten Kapitalmarktgeschäft wird dieses Jahr ein Verlustjahr. Das ist bewusst so eingeplant – es ist ein Transformationsjahr.
Welche weiteren Einheiten haben Sie verkauft oder aufgegeben?
Schrameier: Wir haben die Nord/LB Asset Management, die wir historisch erworben hatten, vor drei Jahren an Bantleon in Hannover verkauft. Das Aktien-Research haben wir ebenfalls verkauft, an die Hamburger Firma MPC – wir freuen uns, dass die Kolleginnen und Kollegen dort ihre Arbeit weiterführen können. Was wir behalten haben, ist unser Makro-Research mit Chefvolkswirt Carsten Klude und Investmentchef (CIO) Christian Jasperneite, die beide schon sehr lange im Haus und auch wichtig für unsere Privatkunden sind. Und unser Small-Cap-Aktienfonds läuft ebenfalls weiter, dieser ist in unserer Asset-Management-Einheit Warburg Invest angesiedelt.
Kommen wir zum Cum-Ex-Komplex. Wie stark belasten diese Vorgänge die Bank noch immer?
Schrameier: Das ist ein sehr schmerzliches Thema. Es hat die Bank unfassbar viel Energie gekostet, Kundenbeziehungen – gerade bei Stiftungen und ähnlichen Institutionen mit hohen Governance-Anforderungen –, Mitarbeiter und selbstverständlich die öffentliche Wahrnehmung. Die Prozessthemen sind im Wesentlichen durch. All unsere Anstrengungen sind nun darauf ausgerichtet, auch in der öffentlichen Wahrnehmung das Thema weiter aufzuarbeiten.
Was wir aber auch klar sagen: Governance steht bei uns jetzt an oberster Stelle. Wir haben sehr lange damit verbracht, dies innerhalb der Organisation zu verankern – und das spüren wir. Wir sehen, dass die Gesellschaft wieder mit uns spricht. Wir hatten unlängst Veranstaltungen mit prominenten Gästen in unserem Haus. Das sind Zeichen, dass wir in die richtige Richtung gehen.