Cum-Ex-Prozess startet Inhaberkontrollverfahren bei Warburg wirft Eigentümerfrage auf

Eingang zum Sitz der Warburg Bank in Hamburg

Eingang zum Sitz der Warburg Bank in Hamburg: Das Inhaberkontrollverfahren könnte Auswirkungen auf die Beteiligungsverhältnisse haben. Foto: Imago Images / Schöning

Christian Olearius muss sich als Eigentümer der Warburg Bank ab heute vor dem Landgericht Bonn verantworten. Streitpunkt ist der Cum-Ex-Prozess und die Frage, ob der ehemalige Vorstand und Sprecher der Bank sich der schweren Steuerhinterziehung schuldig machte, er von den Geschäften wusste oder sie sogar förderte. Insgesamt 14 Fälle mit einem Gesamtschaden von rund 280 Millionen Euro werden verhandelt – im Fall der Fälle könnte Olearius eine lange Haftstrafe drohen.

Inhaberkontrollverfahren läuft und könnte Auswirkungen haben

Neben dem Prozess steht aber auch ein Inhaberkontrollverfahren der Bafin im Raum und die Frage, ob Olearius unter den gegebenen Umständen noch als Miteigentümer der Bank geeignet ist. Denn: Die Bafin hatte laut Medienberichten vorgeschlagen, die Bank und die Holding zu verschmelzen, um eine einfachere und übersichtlichere Struktur zu schaffen. Dieser Schritt startete im September 2021 – und bedeutet auch, dass die Bafin ein Inhaberkontrollverfahren für die neue Struktur vornimmt. Dieses Verfahren läuft laut Medienberichten noch, auch die Genehmigung für die Verschmelzung von Dachgesellschaft und Bank steht noch aus.

Schließlich halten Max Warburg und Olearius jeweils 40 Prozent der Warburg-Anteile. Wie die „Börsen-Zeitung“ berichtet, könnte ein Inhaberkontrollverfahren auch Auslöser dafür sein, dass sich die Eigentumsverhältnisse für die Hamburger Traditionsbank verändern oder verändern müssen. Die Zeitung zitiert den Hamburger Anwalt Henning Schneider von Latham & Watkins, der darauf verweist, dass vor dem Hintergrund eines solchen Verfahrens möglichst alle Optionen für die Gesellschafterstruktur frühzeitig ausgelotet werden sollten.

Einstieg von Private-Equity-Investoren wohl keine Option

Als eine der benannten Optionen käme etwa eine Beteiligung eines Private-Equity-Fonds in Betracht – nach Angaben der „Börsen-Zeitung“ ist ein solcher Schritt aber eher unwahrscheinlich, da der Wert der Bank aufgrund der noch laufenden Prozesse schwierig einzuschätzen sei. Auch Warburg-Marktvorstand Stephan Schrameier sagte im Interview mit der Zeitung, dass er „zuversichtlich“ sei, dass das Institut eine Hamburger Privatbank in Familienbesitz bleiben könne. Zu Spekulationen über eine Beteiligung eines Hamburger Konsortiums, vermögender Familien oder über eine Fusion wolle man sich dagegen nicht äußern.

 

Die Bank hatte sich bereits von der Warburg Invest AG getrennt, die an Bantleon überging. Auch die Anteile an der Warburg Hypothekenbank, die als Immobilientochter des Unternehmens fungierte, hatte das Unternehmen an die Münchener Hypothekenbank verkauft. Im Private Banking zentralisierte die Bank das eigene Geschäft, baute Stellen ab und schloss Standorte. Im Interview mit dem private banking magazin zeigte sich Klaus Sojer, der das Private Banking der Hamburger Bank leitet, mit Blick auf die geschaffene Grundlage optimistisch, im Geschäft mit vermögenden Kunden wieder wachsen zu können.

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