In unserem Webinar erläuterten Florian Kirchner und Björn Nikolaus (beide FLE GmbH), warum europäische Wälder für professionelle Investoren weit mehr sind als ein Nachhaltigkeitsthema. Zwischen biologischem Wachstum, Inflationsschutz und neuen Erlösquellen entwickelt sich Forstwirtschaft zu einer langfristigen Real-Asset-Strategie, vorausgesetzt, sie wird aktiv und professionell bewirtschaftet.
Wald ist kein ESG-Produkt – sondern ein langfristiger Sachwert
Während Aktienmärkte kurzfristigen Schwankungen unterliegen und Immobilien vielerorts unter steigenden Finanzierungskosten leiden, folgt der Wald eigenen Gesetzmäßigkeiten. Bäume wachsen unabhängig von Börsenzyklen, Holz bleibt ein gefragter Rohstoff und der Boden bildet eine reale Vermögenssubstanz.
„Wald ist kein kurzfristiges Renditeprodukt, sondern ein langfristiger Sachwert", sagt Björn Nikolaus. „Biologisches Wachstum, stabile Erträge und eine geringe Korrelation zu klassischen Anlageklassen machen die Asset-Klasse gerade für langfristig orientierte Investoren interessant."
Gerade Family Offices, Stiftungen oder institutionelle Anleger mit generationenübergreifendem Anlagehorizont könnten von diesen Eigenschaften profitieren.
Nachhaltigkeit ist Teil der Wertschöpfung
Für die Referenten ist Nachhaltigkeit kein zusätzliches Label, sondern die wirtschaftliche Grundlage eines erfolgreichen Waldinvestments.
„Nur ein ökologisch stabiler Wald macht auch ökonomisch Sinn", betont Nikolaus.
Florian Kirchner ergänzt, dass die Qualität eines Forstinvestments unmittelbar von der Qualität seiner Bewirtschaftung abhänge. Ziel seien resiliente Mischwälder mit standortgerechten Baumarten, hoher Biodiversität und professionellem Management.
„Monokulturen kann man machen – sie sind aber etwas für Spieler", sagt der studierte Forstwirt. Mischwälder reduzierten Risiken durch Schädlinge, Trockenheit oder Sturm deutlich und seien langfristig wirtschaftlich robuster.
Europas Wälder profitieren von strukturellen Trends
Aus Sicht der Experten sprechen mehrere langfristige Entwicklungen für europäische Forstinvestments.
Die weltweite Holznachfrage dürfte in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen, während das Angebot begrenzt bleibt. Gleichzeitig gewinnen Holz als Baustoff und nachhaltige Materialien an Bedeutung.
„Wenn steigende Nachfrage auf ein begrenztes Angebot trifft, entstehen langfristig attraktive Preisentwicklungen – sowohl beim Holz als auch beim Wald selbst", erläutert Nikolaus.
Hinzu komme, dass europäische Wälder im internationalen Vergleich einen verlässlichen Rechtsrahmen, klare Eigentumsverhältnisse und hohe Standards in der nachhaltigen Bewirtschaftung bieten.
Vier Ertragsquellen statt einer
Der wirtschaftliche Erfolg eines Waldinvestments basiert längst nicht mehr ausschließlich auf dem Holzverkauf.
Kirchner beschreibt vier zentrale Ertragssäulen: laufende Holzerträge, biologischer Wertzuwachs des Bestands, langfristige Bodenwertsteigerungen, perspektivisch zusätzliche Erlöse aus Ökosystemleistungen.
Ergänzend können Einnahmen aus Jagd, Fischerei oder der Verpachtung von Flächen für erneuerbare Energien entstehen.
„Unser Investment Case basiert auf Holzerträgen, biologischem Wachstum und Bodenwertentwicklung", sagt Nikolaus. Erlöse aus CO₂-Zertifikaten oder Biodiversitätsleistungen seien bewusst noch nicht Bestandteil der Grundkalkulation, sondern zusätzliches Potenzial.
CO₂-Zertifikate und Biodiversität: Die nächste Ertragsdimension
Große Erwartungen verbinden die Referenten mit den regulatorischen Entwicklungen auf europäischer Ebene.
Programme wie das Carbon Removal Certification Framework oder zukünftige Nature Credits könnten Waldleistungen künftig stärker vergüten.
„Wir glauben, dass Ökosystemleistungen künftig monetarisiert werden", sagt Nikolaus. Noch befinde sich dieser Markt allerdings in einem frühen Entwicklungsstadium.
Für professionelle Investoren seien CO₂-Zertifikate deshalb aktuell eher eine zusätzliche Renditechance als die Grundlage eines Investment Case.
Aktive Bewirtschaftung entscheidet über den Anlageerfolg
Entscheidend sei nicht allein der Besitz von Waldflächen, sondern deren professionelle Bewirtschaftung.
Moderne Forstbetriebe setzen heute zunehmend auf Drohnen, Satellitendaten und digitale Monitoring-Systeme, um Bestände kontinuierlich zu analysieren, Risiken frühzeitig zu erkennen und Bewirtschaftungsmaßnahmen zu optimieren.
„Mit Drohnen lassen sich Baumarten, Schadbilder oder Bestandsentwicklungen deutlich schneller und präziser erfassen als früher", erklärt Kirchner.
Auch Risiken wie Sturm, Schädlingsbefall oder Waldbrand würden dadurch besser kontrollierbar. Gleichzeitig verteile ein breit diversifiziertes Portfolio über mehrere Länder klimatische und regionale Risiken.
Diversifikation mit biologischem Wachstum
Aus Investorsicht erfüllt Wald gleich mehrere Funktionen im Portfolio.
Neben der realen Vermögenssubstanz profitieren Anleger vom biologischen Wachstum der Bäume, von einer vergleichsweise geringen Volatilität sowie laufenden Erträgen aus der Bewirtschaftung.
„Der Wald wächst unabhängig von Börsenzyklen weiter", sagt Nikolaus. Genau diese geringe Korrelation zu traditionellen Anlageklassen mache Forstinvestments für viele professionelle Investoren interessant.
Die Referenten rechnen langfristig mit laufenden Ausschüttungen aus dem Holzgeschäft sowie perspektivisch zusätzlichen Erträgen aus CO₂-Zertifikaten und erneuerbaren Energien.
Fazit: Wald verbindet Vermögenserhalt mit langfristigem Impact
Für Kirchner und Nikolaus steht fest: Europäische Wälder entwickeln sich zunehmend zu einer eigenständigen Asset-Klasse innerhalb der Real Assets.
Nicht kurzfristige Marktbewegungen, sondern biologische Prozesse, nachhaltige Bewirtschaftung und strukturell steigende Nachfrage bestimmen die Wertentwicklung.
„Nachhaltigkeit ist bei Wald kein Marketingbegriff, sondern Asset-Qualität", fasst Nikolaus zusammen.
Professionell bewirtschaftete Wälder verbinden damit wirtschaftliche Stabilität, Inflationsschutz und gesellschaftlichen Nutzen – eine Kombination, die für langfristig orientierte Investoren zunehmend an Bedeutung gewinnt.