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Wahlsieg von Jair Bolsonaro Was auf den neuen Präsidenten Brasiliens zukommt

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Herausforderung für Brasilien: Die Rentenreform

Der Rentenreform gilt die größte Sorge der Anleger. Brasilien verfügt über eines der großzügigsten Rentensysteme der Welt, insbesondere für Angestellte im öffentlichen Dienst, die sich noch vor dem Erreichen von 60 Jahren zur Ruhe setzen können und anschließend fast ihr Schlussgehalt beziehen. Der scheidende Präsident Michel Temer hatte versucht, Reformen durchzusetzen. Allerdings waren die politischen Bedingungen hierfür alles andere als ideal.

Löhne und Renten machen einen erheblichen Teil der Staatsausgaben aus. Die Renten werden auf Basis des Mindestlohns angepasst, was zu einem Anstieg der Ausgaben im Verhältnis zum BIP des Landes führt. Es dürfte daher unumgänglich sein, das Rentenalter anzuheben und die großzügigen Bedingungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu überarbeiten.

Der Markt rechnet mit der Verabschiedung einer Rentenreform unter dem neuen Präsidenten. Bolsonaro will sich dem Thema widmen, aber der Teufel steckt bekanntermaßen im Detail und bislang sind detaillierte Informationen noch Mangelware. Die gute Nachricht ist, dass eine größere Zahl seiner Anhänger sowohl auf Governeurs- als auch Kongressebene vertreten ist. Damit sollte Bolsonaro in der Lage sein, sich die erforderliche Unterstützung zu sichern. Das brasilianische Parlament wird nun konservativer sein als bisher, was für die Umsetzung von Reformen förderlich sein sollte. Unter anderem dürfte mit mehr Privatisierungen zu rechnen sein. Die staatliche Ölgesellschaft Petrobras dürfte hiervon sicherlich verschont bleiben, andere kleinere Unternehmen werden jedoch sicherlich schon als Privatisierungsziele gehandelt.

Die weiteren globalen Folgen

Bolsonaro hat erklärt, bei seinen ersten beiden Auslandsreisen Israel und die USA besuchen zu wollen. Er will den Handel beleben, Importzölle verringern und die Wirtschaft öffnen. Er möchte den Handel mit den USA und Europa öffnen. Damit stellt er sich klar gegen frühere Regierungen, die die Chancen des Welthandels zum Teil nicht genutzt haben.

Angesichts der verheißungsvollen Lage der Wirtschaft und des Markts bin ich optimistisch, was den Ausblick für Brasilien anbelangt. Wir werden allerdings noch abwarten müssen, ob sich Bolsonaros Wahlkampfversprechen tatsächlich auch in politischen Maßnahmen niederschlagen. In der Vergangenheit hat er während seiner Amtszeit als Kongressabgeordneter gegen konservative Wirtschaftsmaßnahmen gestimmt, und er wird sich nun zunächst einmal beweisen müssen. Es besteht also noch ein gewisses Maß an Unsicherheit. Unserer Einschätzung nach bietet Brasilien jedoch erhebliches Aufwärtspotenzial.

Bis Ende des Jahres werden wir sicherlich noch eine gewisse Flitterwochenphase beobachten, während Bolsonaro seine Pläne vorstellt und seine Kabinettsposten besetzt. Im nächsten Jahr geht es dann an die Umsetzung, und diese werden wir sehr genau im Blick behalten.