Wie das private banking magazin bereits im vergangenen Juli berichtete, steckt das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) in einer Finanzkrise. Nun konkretisieren sich die Vorwürfe: Die Staatsanwaltschaft Berlin soll ein Ermittlungsverfahren wegen Korruptionsverdachts eingeleitet haben – der Gesamtschaden könnte sich auf bis zu 1,4 Milliarden Euro belaufen.
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Wie das private banking magazin bereits im vergangenen Juli berichtete, steckt das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) in einer Finanzkrise. Nun konkretisieren sich die Vorwürfe: Die Staatsanwaltschaft Berlin soll ein Ermittlungsverfahren wegen Korruptionsverdachts eingeleitet haben – der Gesamtschaden könnte sich auf bis zu 1,4 Milliarden Euro belaufen.
Rund 1,1 Milliarden Euro Verlust – mehr als die Hälfte des Anlagevermögens von ehemals 2,2 Milliarden Euro – gefährden die Altersvorsorge von Zahnärzten aus Berlin, Brandenburg und Bremen. Bereits im Juli hatte Thomas Schieritz, der neue Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, vor „spürbaren Einschnitten bei den Versorgungsansprüchen sowie Belastungen im Bereich der Renten und Beiträge“ gewarnt. Nun zeigt sich: Der Skandal ist anscheinend noch weitreichender als zunächst angenommen.
Dramatische Folgen für Tausende Zahnärzte
Betroffen sind rund 11.000 Zahnärzte, die monatlich Pflichtbeiträge an das Versorgungswerk entrichten. Selbst die 3.500 bereits im Ruhestand befindlichen Mitglieder müssen laut dem Magazin Capital mit Kürzungen von zehn bis 20 Prozent rechnen.
Schieritz bestätigte gegenüber RBB24, dass es sich bei der Schadenssumme von 1,1 Milliarden Euro um „vorläufige Schätzungen“ handle. Das abschließende Ergebnis werde voraussichtlich im ersten Quartal 2026 vorliegen. Insider berichten dem Handelsblatt jedoch, dass der Schaden am Ende auch bei 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro liegen könne.
Garnelen und Luxushotels im Portfolio
Eine Garnelenzucht in Schleswig-Holstein, Luxusresorts auf Ibiza, Recyclingwerke in Kalifornien – die Investitionsliste des VZB liest sich wie ein Katalog risikoreicher Wagniskapital-Deals. Das VZB hatte beispielsweise rund 15 Millionen Euro Garnelenaufzucht in Glückstadt investiert, die im Sommer pleiteging, wie das Handelsblatt berichtet.
Weitere Verluste entstanden bei einem Recyclingwerk in den USA (rPlanet, rund 126 Millionen Euro), der Element Insurance (rund 50 Millionen Euro) und bei Unternehmen der Engel & Völkers-Gruppe. Wie das private banking magazin im Juli berichtete, musste Anfang Juli auch die Crowdinvesting-Plattform EV Digital Invest Insolvenz anmelden, nachdem das VZB weitere Zahlungen eingestellt hatte.
Brisant sind auch die Immobiliengeschäfte eines Düsseldorfer Firma für Luxusresorts. Das VZB beteiligte sich ab 2014 an Projekten und vergab Darlehen von insgesamt rund 140 Millionen Euro. Nach Informationen der Wirtschaftswoche, über die bereits im Juli berichtet wurde, wurde ein Hotel auf Ibiza binnen eines Jahres um 64,7 Millionen Euro abgewertet – von 138 Millionen auf 78 Millionen Euro.
Heute soll das Versorgungswerk 60 Prozent bei den Düsseldorfern halten und soll damit über Umwege an Luxushotels auf Sardinien, in Schottland und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sein – die allesamt Verluste schreiben, berichtet Capital.
Insgesamt flossen knapp 500 Millionen Euro in Firmenbeteiligungen. Heute sind diese nur noch rund 50 Millionen Euro wert, so die Wirtschaftsprüfer. Bei Ausleihungen in Höhe von rund 740 Millionen Euro hätten nur 40 Millionen Euro „Investment Grade“ – eine gute Bonitätsbewertung. Fast 700 Millionen seien demnach spekulativ verliehen worden.
Verdacht auf Korruption und Vetternwirtschaft
Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt laut Tagesspiegel und RBB24 gegen mehrere ehemalige Mitglieder des Verwaltungsausschusses wegen des Verdachts der Vorteilsnahme, Bestechlichkeit, Vorteilsgewährung und Beihilfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Im Fokus steht der im April abberufene langjährige Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Ingo Rellermeier und Ralf Wohltmann, der langjährige hauptamtliche Direktor des VZB. Der Ex-Investmentbanker Wohltmann, der bereits im Januar 2025 freigestellt wurde, listete in seinem Linkedin-Profil mehr als ein Dutzend Mandate in Aufsichtsgremien von Firmen auf, an denen das Versorgungswerk beteiligt war.
Beide sollen einen Lebensstil gepflegt haben, der für Mitarbeiter von Versorgungswerken ungewöhnlich ist.