Vufo-Vorsitzender Christoph Weber im Gespräch „Zu viele nennen sich Family Office“

Christoph Weber ist der erste Vorsitzende des neu gegründeten Verbands unabhängiger Family Offices. Neben der Verbandsarbeit ist der Düsseldorfer geschäftsführende Gesellschafter des W-S-H Family Office | © Jochen Rolfes

Christoph Weber ist der erste Vorsitzende des neu gegründeten Verbands unabhängiger Family Offices. Neben der Verbandsarbeit ist der Düsseldorfer geschäftsführende Gesellschafter des W-S-H Family Office Foto: Jochen Rolfes

private banking magazin: Mit dem Vufo gibt es nun eine Plattform und Interessenvertretung für Family Offices in Deutschland. Warum wollen Sie damit nicht alle Family Offices ansprechen?

Christoph Weber: Dafür müssen Sie die Entstehungsgeschichte des Verbands kennen. Während einer Veranstaltung der BW-Bank, bei der Professorin Yvonne Brückner die Ergebnisse ihrer ersten Family-Office-Studie präsentierte, konnten wir erstaunt feststellen, wie rege die Vertreter der geladenen Family Offices miteinander diskutierten. Bis dato waren wir doch davon ausgegangen, dass ein offener Dialog zwischen den Marktteilnehmern von diesen gar nicht gewünscht war. Nach dieser Erfahrung lag die Überlegung nahe, einen kleinen Kreisrepräsentativer Vertreter von Single und Multi Family Offices, darunter auch große Häuser wie Spudy & Co. oder Focam, zu einem ersten Gedankenaustausch einzuladen, um zu schauen, ob sich hieraus eine gemeinsame Kommunikationsplattform entwickeln ließe.

Ab Anfang 2013 haben wir uns wiederholt getroffen, um uns eingehender mit der Frage zu beschäftigen, wie man die Kultur des Family Office in Deutschland und eine Interessengemeinschaft gleichgesinnter Family Offices entwickeln kann. Dieser Gesprächskreis war der Kern derer, die vergangenen Oktober den Verband gegründet haben.

Wie kommt es, dass die genannten Branchengrößen nicht zu den Gründungsmitgliedern des Vufo zählen und keine Chance hätten, aufgenommen zu werden?

Weber: Im Lauf der Treffen hat sich eine Gruppe herausgebildet, die insbesondere den ursprünglichen Gedanken des Family Office voranbringen möchte. Der Begriff ist ja nicht definiert, insofern gibt es unterschiedliche Vorstellungen, was ein Family Office überhaupt ist. Auch bei der diskutierenden Gruppe war das so. Mit der Zeit kristallisierte sich aber ein Verständnis heraus, wonach es bei einem Family Office um ganzheitliche Beratung über alle Asset-Klassen, die Steuerungsfunktion, Interessenkonfliktfreiheit und eine enge Verbundenheit zu den betreuten Vermögensinhabern, nicht aber um operative Finanzdienstleistungen wie Portfolioverwaltung oder Anlagevermittlung gehen sollte.

Ein sehr puristisches Verständnis also.

Weber: Genau. Und da sich damit nicht alle identifizieren konnten, hat sich die Gruppenzusammensetzung im Zeitverlauf auch geändert. Einige schieden aus, andere kamen hinzu. Und natürlich war die Diskussion darüber eine Gratwanderung. Uns war klar, dass wir gegebenenfalls auf Marktführer und andere Anbieter von Family-Office-Leistungen wie bankengebundene Einheiten werden verzichten müssen. Letztendlich haben wir uns für den kleineren Verbandsfokus entschieden und damit – wie wir glauben – für mehr Authentizität.

Aufgrund Ihrer gewerblichen Ausrichtung dürfen viele Multi Family Offices demnach als Verbandsmitglieder nicht infrage kommen. Erholen Sie sich eher Zuspruch von Single Family Offices?

Weber: Die zahlreichen Gespräch mit Single Family Offices zeigen, dass diese enormen Bedarf an Verbandsarbeit haben. Auch sind sie nicht so kommunikationsscheu, wie man zunächst annehmen würde. Das betrifft zwar nicht die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Aber man sucht den Austausch mit Gleichgesinnten und will heraus aus der Isolation. Und diese Dialog-Plattform soll und kann künftig der Vufo sein. Insofern erholen wir uns auch entsprechend viel Zuspruch von dieser Seite.

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