Ucits-Rahmen als Gamechanger „Von 8.000 bis 9.000 Hedgefonds sind vielleicht 100 interessant“

Fredrik Langenskiöld: "Hedgefonds funktionieren am besten in einem Umfeld zwischen den Extremen "Chaos" und "Nullzinsen"."

Fredrik Langenskiöld: „Hedgefonds funktionieren am besten in einem Umfeld zwischen den Extremen „Chaos“ und „Nullzinsen“.“ Bildquelle: UBP

private banking magazin: Was sind die größten Vorteile von Hedgefonds im aktuellen Marktumfeld?

Fredrik Langenskiöld: Aktuell haben wir ein Umfeld mit höherer Volatilität und höheren Zinsen. Daraus folgt eine größere Streuung. Von diesen Märkten profitieren Hedgefonds. Ihre Performance hat sich in den vergangenen drei bis vier Jahren verbessert. Besonders wichtig dabei ist, dass sie diese Renditen nur gering mit Aktien und Anleihen korreliert sind. Wir haben also wieder attraktive, unkorrelierte Renditen, das war in den vergangenen zehn Jahren anders.

Kein Vergleich mit dem Niedrigzinsumfeld der Vergangenheit?

Langenskiöld: Das war herausfordernd, weil nur wenige Strategien gut performt haben. Die meisten Strategien lieferten zwar unkorrelierte Renditen, diese waren aber im Vergleich mit Long-Only-Strategien in Aktien und Anleihen nicht attraktiv genug. Viele Investoren sind zwischen 2010 und 2020 deshalb aus Hedgefonds ausgestiegen und investierten in Private Markets, die aufgrund der niedrigen Zinsen attraktiv waren, weil man so günstig Geld leihen und langfristig investieren konnte. Das änderte sich mit Covid, der steigenden Inflation und den höheren Zinsen.

Profitieren Hedgefonds von der Unsicherheit, die Donald Trump verursacht? Oder ist es zu viel Unsicherheit?

Langenskiöld: Hedgefonds profitieren in der Regel nicht von dieser kurzfristigen Unsicherheit und den kurzfristigen Marktbewegungen, sondern von strukturellen Veränderungen. Ein paar Tweets, die für Unruhe sorgen, verändern nicht viel. Aber die insgesamt gestiegene Volatilität sollte positiv für Hedgefonds-Strategien sein. Wenn Trump aber Chaos auslöst, die Märkte zu turbulent werden und eine Rezession folgt, ist das für alle Strategien negativ. Zu viel Volatilität schadet auch Hedgefonds. Nur einige wenige werden profitieren. Hedgefonds funktionieren am besten in einem Umfeld zwischen den Extremen „Chaos“ und „Nullzinsen“. Was ihre Renditen treibt sind die unterschiedlichen Reaktionen der Zentralbanken in Europa, den USA und den Schwellenländern sowie die volatilen Aktien- und Rentenmärkte. Wir beobachten, dass Privatinvestoren ihre Portfolios stärker diversifizieren und den Anteil von Hedgefonds und anderen liquiden Alternatives erhöht haben. Das ist ein Trend. Ich denke, 15 Prozent scheint ein langfristig realistischer Anteil zu sein. Das begrüßen wir, denn die Beimischung von Hedgefonds in traditionelle Portfolios schafft einen Mehrwert.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen aller Investoren?

Langenskiöld: Wohin gehen die Zinsen?  Und ist mein Portfolio ausreichend diversifiziert? Wir haben 2022 erlebt, wie Aktien und Anleihen gleichzeitig gefallen sind. Das war ein Weckruf. Aktien und Anleihen sind also stärker korreliert, weshalb Investoren Alternativen suchen. Dazu zählen Private Markets und Liquide Alternatives.

Dekorrelation ist also der größte und wichtigste Einfluss von Hedgefonds auf Portfolios?

Langenskiöld: Ja, sie müssen diversifizieren und weitere Renditequellen erschließen. Es ist wichtig, dass die gewählte Strategie das auch bei steigendem Marktstress erfüllt. Je gestresster die Märkte, desto stärker in der Regel die Korrelation verschiedener Assetklassen. Anleger müssen also Fonds finden, die auch in Stressszenarien dekorreliert bleiben und unterschiedliche Renditequellen erschließen.

Nach welchen Kriterien gehen Sie vor, wenn Sie nach diesen Strategien suchen?

Langenskiöld: Erstens: Verstehen wir, was der Fonds macht? Und passen die genutzten Instrumente zur angebotenen Liquidität? Wir schauen, ob das Team ausreichend besetzt ist, um die Strategie zu managen. Wie hoch ist die Fluktuation im Team? Ist die operative Struktur solide? Wir gehen nach der Qualität des Track-Records und des Risikomanagements sowie der Höhe der Drawdowns. Wir bewerten aber auch, ob die Performance nachhaltig ist, oder ob positive Renditen nur kurzfristige Anomalien sind. Dabei konzentrieren wir uns auf Strategien mit geringer Marktkorrelation.

ESG-Bedenken scheinen demnach kein Kriterium für Hedgefonds zu sein?

Langenskiöld: Doch, das ist definitiv ein Anliegen in einigen Ländern, besonders in Europa. ESG ist aber bei Hedgefonds schwierig umzusetzen, weil der Regulierer nicht wirklich darüber nachgedacht hat, was zum Beispiel das Shorten eines Unternehmens bedeutet. Ist es positiv oder negativ, einen Titel zu shorten, der nicht ESG-konform ist? Wir bewerten daher heute nur die Long-Seite der Strategie nach ESG-Kriterien.

Hätten Sie gern mehr ESG-Regulierung?

Langenskiöld: Wenn wir mehr Klarheit hätten, könnten wir diese auch an Investoren weitergeben. Ich wünsche mir nicht unbedingt mehr Regulierung, aber bessere und eindeutigere Richtlinien für Hedgefonds.

Wenn wir Regulierung allgemein betrachten: Ist die Deregulierungswelle in den USA vielleicht sogar positiv für Europa?

Langenskiöld: Noch ist unklar, wie Europa darauf reagieren wird. Aber die Regulierung hierzulande war nicht sehr wachstumsfördernd, das wird sich hoffentlich ändern. Wenn sich jetzt aber in den USA viel bewegt, kann das ein Weckruf für Europa sein. Wir waren zu selbstgefällig. Unsere Konkurrenz – China und die USA – ist stark.

Ich will noch einen anderen Punkt ansprechen: Transparenz. Sind Hedgefonds noch die ominöse Blackbox?

Langenskiöld: Glücklicherweise gab hier gewaltige Fortschritte. Bei als Ucits aufgelegten alternativen Strategien können wir jetzt sehen, wie die Fonds funktionieren und welche Titel sie handeln. So können wir auch unseren Kunden erklären, wo die Performance herkommt und was zu erwarten ist.

 

Wer oder was hat die Transparenz getrieben?

Langenskiöld: Die Kundennachfrage. Vor der Finanzkrise 2008 lief ja alles gut und niemand kümmerte sich darum weshalb. Danach kam der große Wandel und Investoren verlangten mehr Einsicht. Natürlich gibt es immer noch intransparente Fonds. Das Universum ist riesig. Von 8.000 bis 9.000 Fonds sind vielleicht 100 interessant. Die Selektion ist entscheidend.

Werden Hedgefonds von risikoscheuen Anlegern dennoch gemieden?

Langenskiöld: Ja. Aber es ist ein Lernprozess. Und auch wir müssen deutlich kommunizieren, welche Ziele eine Strategie hat und mit welchen Instrumenten sie diese erreichen will. Das Schlimmste sind unerfüllte Erwartungen. Was uns im Vertrieb hilft, ist der Ucits-Rahmen. Er war ein Game-Changer – gerade für Anleger, die mehr Liquidität wünschen. Und was die Branche selbst in der Hand hat: Transparenz und Kommunikation sind also die Schlüssel. 

Über den Interviewten:  

Fredrik Langenskiöld ist Investment-Spezialist für Hedgefonds bei der Union Bancaire Privée (UBP).

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