private banking magazin: Herr Hecht, was zeichnet die Deutsche Oppenheim in einem Markt aus, der von internationalen Multi Family Offices, Private-Banking-Einheiten und digitalen Vermögensverwaltern bedrängt wird?
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private banking magazin: Herr Hecht, was zeichnet die Deutsche Oppenheim in einem Markt aus, der von internationalen Multi Family Offices, Private-Banking-Einheiten und digitalen Vermögensverwaltern bedrängt wird?
Volker Hecht: Wir sind eine Manufaktur für komplexe, einzigartige Vermögen – ohne Schablonen und Standardlösungen. Unser Alleinstellungsmerkmal ist die Kombination aus der Unabhängigkeit eines Multi Family Office mit breitem Netzwerk und Zugang zur Deutschen Bank, beispielsweise zur Unternehmens- und zur Investmentbank. Familien können bei uns Lösungen wählen, die exakt zu ihren Bedürfnissen passen.
Wie zeigt sich dieser Ansatz konkret?
Hecht: Wir orientieren uns ausschließlich an den Zielen der Mandanten. Wir erarbeiten mit ihnen Lösungen für gegenwärtige wie auch künftige Generationen. Wer mit Unternehmerfamilien arbeitet, muss deren Werte und Erwartungen verstehen: die Balance zwischen Erhalt, Wachstum und Nachfolge. Diese Mischung aus strategischer Weitsicht und detaillierter Arbeit bildet den Kern unseres Geschäfts.
Was macht Ihre typischen Mandanten aus?
Hecht: Meist betreuen wir Unternehmerfamilien mit komplexen Vermögensstrukturen, häufig über mehrere Generationen hinweg. Manche sind noch operativ tätig, andere haben sich neu aufgestellt oder verwalten ihre Beteiligungen im Hintergrund. Auch Stiftungen gehören zu unserem Kundenkreis, und gelegentlich kommen Privatpersonen mit besonderen Vermögensereignissen zu uns – insbesondere nach einem Unternehmensverkauf.
Prüfen Sie auch strategische Unternehmensentscheidungen Ihrer Kunden?
Hecht: Wir beraten das Familienvermögen, jedoch nicht das operative Geschäft der Unternehmen. Viele Mandanten halten allerdings Beteiligungen über eigene Gesellschaften oder Stiftungen. In diesen Fällen unterstützen wir gerne bei Governance-Fragen. Die operative Strategie bleibt in der Verantwortung des Unternehmers – unser Beitrag ist die professionelle Orchestrierung des Gesamtvermögens.
Was sehen Sie als wichtigstes Ziel für ein Family Office an?
Hecht: Vertrauen ist entscheidend. Wir wollen Vermögen bewahren, es sinnstiftend einsetzen und auch Chancen nutzen, um es zu vermehren – im Einklang mit den Vorstellungen unserer Mandanten. Wachstum ist für uns keine rein quantitative Frage, sondern eine der Qualität der Beziehungen. Die meisten neuen Kunden kommen zu uns, weil uns Mandanten weiterempfohlen haben.
Welche geopolitischen Themen beschäftigen Ihre Kunden?
Hecht: Praktisch alle. Und es findet kein Termin statt, ohne dass wir darüber sprechen. Ob Ukraine-Krieg, US-Zollpolitik oder andere globale Spannungen – wir analysieren die Folgen laufend. Aber wir warnen vor hektischem Aktionismus. Wer langfristig investiert, fährt am besten. Unsere strategische Asset Allocation bauen wir daher besonders stabil und nachhaltig auf. Wir passen sie nur dann an, wenn es notwendig ist.
Private Märkte erobern neue Zielgruppen. Welche Rolle spielten diese Anlageklassen für Ihre Mandanten?
Hecht: Private Markets – also Private Equity, Private Debt, Infrastruktur oder Venture Capital – sind bereits feste Bausteine vieler Portfolios. Gerade Unternehmerfamilien liegt der unternehmerische Charakter dieser Anlageklassen nahe. Je nach Risikoneigung beträgt der Anteil illiquider Anlagen bis zu 30 Prozent. Wir empfehlen jedoch, kleiner zu starten und Erfahrungen zu sammeln. Eltifs und andere semiliquide Produkte liegen im Trend. Wir empfehlen diese aber nur, wenn sie zu den Anforderungen der Familie passen.
Wie unterscheiden Sie sich dabei vom Wealth Management?
Hecht: Da gibt es natürlich Berührungspunkte. Unsere Allokationen zeichnen sich durch eine ganzheitliche, bankenunabhängige Betrachtung des Gesamtvermögens aus. Wir entwickeln individuelle Lösungen und können sowohl Einzeltitel berücksichtigen als auch Portfolios erstellen, die exakt auf das jeweilige Kundenprofil abgestimmt sind. Mandanten nutzen ergänzend das Wealth-Management-Angebot der Deutschen Bank oder anderer Banken, um zusätzliche Perspektiven und Diversifikation zu erreichen.
Was folgt daraus für die Anlagestrategien?
Hecht: Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir eine maßgeschneiderte Anlagestrategie. Die Gewichtung von Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder eben auch Privatmarktanlagen erfolgt nicht impulsiv, sondern basiert auf einer fundierten Analyse. So schützen wir unsere Mandanten vor kurzfristigen Entscheidungen, die langfristig negative Auswirkungen haben können.
Wie wichtig ist eine enge Kommunikation mit den Mandanten?
Hecht: Sie ist das A und O. Wir sprechen regelmäßig miteinander. Passt die Strategie weiterhin? Gibt es etwas, das aktuell nicht zufriedenstellt? Ein Family Office muss auch bei schwierigen Themen mit offenem Visier auf den Kunden zugehen. Offenheit ist die Grundlage jeder vertrauensvollen Beziehung.
Welche Rolle spielen nachhaltige Strategien aktuell noch in den Allokationen?
Hecht: Nachhaltigkeit ist für uns keine Modeerscheinung, sondern fester Bestandteil unserer Beratungskultur. Die Anforderungen an nachhaltige Anlagen ändern sich stetig, und insbesondere die nächste Generation erwartet klare Antworten und transparente Lösungen.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, arbeiten wir etwa mit umfassenden Look-through-Analysen, die auch versteckte Nachhaltigkeitsrisiken in Portfolios aufdecken. Darüber hinaus entwickeln wir SFDR-konforme Anlagestrategien und berücksichtigen individuelle Ausschlusskriterien unserer Kunden. Wir drängen niemanden zu nachhaltigen Investitionen, sind aber überzeugt, dass sich das Thema weiterentwickeln wird.
Wie gehen Sie vor, um auch die nächste Generation von Ihren Diensten zu überzeugen?
Hecht: Frühzeitig und mit Feingefühl und Expertise. Wir organisieren Workshops, Finanzschulungen und individuelle Briefings, um das Thema Vermögen für die nächste Generation greifbar und transparent zu machen. Nicht selten befinden sich die jungen Familienmitglieder nicht vor Ort – dann nehmen sie per Videocall teil, wenn ihre Eltern oder Geschwister mit uns am Tisch sitzen.
Wir achten auch darauf, bei solchen Treffen junge Kolleginnen und Kollegen einzubeziehen; das kann den Zugang und die Kommunikation erleichtern. „Next Gen“ bedeutet aber nicht immer nur junge Menschen – manchmal sind es auch erwachsene Kinder mit eigenen Familien, die besondere Erwartungen haben. Unsere Aufgabe ist es, die Vorstellungen unterschiedlicher Generationen zu moderieren und einen nahtlosen Übergang in der Verantwortung für das Vermögen zu sichern.
Was kann Ihr Reporting-Tool Qplix dabei leisten?
Hecht: Qplix ist eine Wealth-Management-Software, die komplexe Vermögen transparent macht. Sie bietet Family Offices und vermögenden Privatkunden eine vollständige, bankenübergreifende und grafisch aufbereitete Vermögensübersicht. Dafür konsolidiert Qplix Daten aus unterschiedlichen Quellen – von Wertpapierdepots und Immobilienportfolios bis hin zu alternativen Investments wie Private Equity, Oldtimern oder Kunst.
Kunden erhalten in Echtzeit einen Überblick über ihre gesamte Vermögensstruktur inklusive Performance-, Risiko- und ESG-Analysen. Die Software-Lösung ist flexibel konfigurierbar und ermöglicht individuelles Reporting. Mandanten können die Ergebnisse ganz bequem per Tablet oder Smartphone einsehen, ohne sich durch Dokumente kämpfen zu müssen. Qplix steigert Beratungsqualität, Transparenz und Effizienz für komplexe Vermögen. Das Reporting erleichtert Verständnis und Entscheidungen. Die Möglichkeit der persönlichen Einordnung durch einen Berater bleibt dabei essenziell.
Wie setzen Sie Digitalisierung ansonsten ein?
Hecht: Digitalisierung hat einen konkreten Zweck. Sie dient dazu, unsere Prozesse zu beschleunigen und Fehler zu vermeiden. Andererseits macht sie die Services für unsere Kunden bequemer. Wir setzen KI beispielsweise für Analysen ein, jedoch nicht im Kundendialog. Unser Geschäft basiert auf persönlicher, qualifizierter Beratung.
Sehen Sie Risiken für dieses Geschäftsmodell?
Hecht: Wir leben leider in einer Welt voller Risiken. Politische Verwerfungen, Klimakatastrophen, Marktkrisen und technologische Veränderungen sind ständige Begleiter, nehmen sogar zu. Unser Geschäft besteht darin, diese Risiken für unsere Kunden zu erkennen und zu bewerten. Datenschutz und IT-Sicherheit sind dabei essenziell. KI kann uns unterstützen, ersetzt aber nie das persönliche Gespräch.
Was bedeutet das für Ihre künftige Arbeit?
Hecht: Digitale Tools sind wichtig, dürfen aber die menschliche Ebene nicht ersetzen. Apps zeigen Zahlen, liefern wichtige Informationen, sie erklären aber keine Familiengeschichte oder Lebensziele. Avatare ersetzen keine echten Gespräche. Unsere Stärke ist die Verbindung von digitalen Innovationen und persönlicher Nähe.
Über den Interviewten:
Volker Hecht ist seit September 2024 Vorstandssprecher des Deutsche Oppenheim Family Office und leitet die Beratung des Multi Family Office. Im Jahr 2022 kam Hecht zur Deutschen Bank und war für das Wealth Management im Marktgebiet Mainz, Saarbrücken und Wiesbaden verantwortlich. Weitere Stationen seiner Karriere umfassen die Hypovereinsbank, die Landesbank Baden-Württemberg, die Nolte-Gruppe und die Unicredit Bank.