Vorstand Wealth Management der Unicredit „Ein Star-Faktor ist eher hinderlich“

Marco Bizzozero, Vorstand Wealth Management der Unicredit: „Wir müssen für Wachstum nicht nach Asien gehen.“ | © Andreas Gebert

Marco Bizzozero, Vorstand Wealth Management der Unicredit: „Wir müssen für Wachstum nicht nach Asien gehen.“ Foto: Andreas Gebert

private banking magazin: Deutschland gilt im Wealth Management als besonders umkämpfter Markt. Ist das Geschäft mit Vermögenden hierzulande überhaupt rentabel?

Marco Bizzozero: Ich kann natürlich nicht für unsere Wettbewerber sprechen. Was die Unicredit angeht, profitieren wir in diesem Punkt von unserer guten Ausgangslage. Wir sind in jedem Land, in dem wir Wealth Management anbieten, bereits stark im Privat- und im Firmenkundengeschäft. Auf diese bestehende flächendeckende Infrastruktur setzen wir mit dem Wealth Management auf. So haben wir eine starke Flächenpräsenz bei vergleichsweise niedrigen Kosten. Zugleich betreuen wir 170 Milliarden Euro im Sinne von Total Financial Assets allein in unseren Kernmärkten Italien, Deutschland und Österreich für die Kunden aus Wealth Management und Private Banking. Das rechnet sich.

Wo verläuft bei der Unicredit die Trennlinie zwischen Private Banking und Wealth Management?

Bizzozero: Das Private Banking kümmert sich bei uns um die Vermögen von einer bis 5 Millionen Euro. Für alles, was darüber liegt, ist das Wealth Management zuständig. Beide Segmente arbeiten sehr eng zusammen und nutzen die  Synergieeffekte mit dem Privat- und Firmenkundengeschäft.

Wenn wir auf die großen europäischen Wealth Manager schauen, auf welcher Position sieht die Unicredit sich da?

Bizzozero: Unser Ziel ist es, nach verwaltetem Vermögen europaweit zu den Top 5 im Wealth Management zu gehören. Wir sind sicher, dass uns das durch den Fokus auf unsere Kernmärkte gelingt, in denen wir im Firmenkundengeschäft und im Investment-Banking bereits stark aufgestellt sind. Deutschland, Italien und Österreich beheimaten zwischen 30 und 40 Prozent des Vermögens, und der Wealth-Management-Markt ist immer noch sehr fragmentiert. Da ist viel Potenzial. Wir müssen für Wachstum also nicht nach Asien gehen. Dass wir in diesen Ländern nicht als Großbank aus dem Ausland wahrgenommen werden, sondern über unsere Töchter Hypovereinsbank schon seit 150 Jahren und Schoellerbank sogar seit 1833 tief vor Ort verwurzelt sind, ist ein Riesenvorteil.

In Italien tritt die Unicredit selbst als Marke auf, während diese in Deutschland und Österreich weniger im Vordergrund steht. Wie ist das Geschäft mit Vermögenden organisiert?

Bizzozero: In Italien bietet die Unicredit das Private Banking an, spezialisiert auf das Wealth Management ist die Unicredit- Tochter Cordusio. Ein ähnliches Bild haben wir in Österreich, wo die Unicredit Bank Austria für das Private Banking und die Schoellerbank als Kompetenzzentrum für das Wealth Management steht. In Deutschland kommt beides von der Hypovereinsbank. Die Zusammenarbeit ist wie gesagt eng, um den Kunden das beste Leistungsversprechen zu bieten. Insgesamt verfügen wir in diesen Kernmärkten in Wealth Management und Private Banking über mehr als 1.000 Kundenbetreuer an über 200 Standorten.