Vorstand von Oddo BHF im Interview „Private Banking hat es versäumt, in Nachwuchs zu investieren“

Joachim Häger, Vorstandsmitglied bei Oddo BHF

Joachim Häger, Vorstandsmitglied bei Oddo BHF: „In Deutschland muss man eine breite Flächenabdeckung haben.“ Bildquelle: Oddo BHF

private banking magazin: Herr Häger, Sie haben nach der Übernahme von Landolt und Cie. angekündigt, in der Schweiz noch nicht fertig zu sein. Haben Sie konkrete Pläne?

Joachim Häger: Wir wollen das Angebot, das wir unseren Mandanten in Deutschland und Frankreich bieten können, auch in der Schweiz bereithalten. Deswegen haben wir das Wealth Management ausgebaut, seit Januar unter der Leitung von Thomas Burri, der das Segment in der Schweiz gestaltet. Wir haben entschieden, dass wir spätestens Anfang 2026 auch Corporate Finance in der Schweiz aufbauen werden. Das Equity-Brokerage-Geschäft, das wir aus Frankfurt, London und Paris betreiben, brachten wir ebenfalls in die Schweiz. Und im Asset Management haben wir die Lösungen aus Paris, Frankfurt und Düsseldorf in die Schweiz übertragen.

 

Wir haben diesen Markt, den wir durch die Akquisition von Landolt in seiner Breite – nämlich Ost- und Westschweiz – für uns erschlossen haben, nochmals gestärkt. Die Schweiz bleibt für uns ein wichtiges Standbein. Wir haben als familiengeführte Privatbank mit unserer langen Tradition, der deutsch-französischen DNA und vor allem mit dem Fokus auf Familienunternehmer auch im bankenlastigen Markt der Schweiz eine gute Position. In der zweiten Jahreshälfte 2024 haben wir enorme Neugeldzuwächse in der Schweiz realisiert, die wir so noch nie gesehen haben. Unterstützt wurden wir dabei von neuen Mitarbeitern, die unter anderem von der Credit Suisse kamen. Denn Oddo BHF ist in der Schweiz inzwischen ein interessanter Arbeitgeber. Der Jahresstart war ebenfalls stark, sodass wir davon ausgehen, dass wir die Ziele für die Schweiz übertreffen werden.

Können Sie für diese Ziele Zahlen nennen?

Häger: Wir wollen unsere Asset-Basis jährlich um 10 Prozent steigern. Das werden wir dieses Jahr schaffen. Wir wollen mindestens 800 Millionen Euro an neuen Geldern einsammeln. Wir wollen die Vermögensverwaltungsquote ausbauen. Auch da sind wir genau auf unserer Erfolgsspur.

Gibt es weitere Banken oder Vermögensverwalter, auch außerhalb der Schweiz, auf die Sie ein Auge geworfen haben?

Häger: Die Geschichte von Oddo BHF ist besonders in Deutschland und der Schweiz von Zukäufen geprägt. Die BHF Bank war ein Juwel, das durch verschiedene Eigentümerwechsel Kundengelder und Mitarbeiter verloren hat. Vermögende Kunden verlangen von ihrer Bank treue Eigentümer und Stabilität. Die Investition der Unternehmerfamilie Oddo im Jahr 2016 hat einen Wandel ausgelöst, wie ihn – ich glaube, das kann man so sagen – der deutsche Bankenmarkt noch nicht gesehen hat. Die Kundenanlagen haben sich mehr als verdreifacht. Wir sind im Private Wealth Management von damals nur noch drei leistungsstarken Einheiten auf nun 17 Standorte gewachsen. Dank dieser Entwicklung sind wir für Familienunternehmen inzwischen ein geschätzter Partner. Kurz: Wir haben gute Erfahrungen mit anorganischem Wachstum gemacht.

Nichtsdestotrotz sind wir heute in einer Phase, in der wir organisch wachsen wollen und können. Wir ziehen Talente an, für die die Marke Oddo BHF spannend ist. Natürlich unter anderem, weil sich die Privatbanken so stark konsolidiert haben. Aber auch, weil wir eine familiengeführte Bank mit starkem Eigenkapital, einem guten Rating und mehr als 156 Milliarden Euro Assets under Management in der Gruppe sind. Hinzu kommt, dass Berater bei uns in ihrer Anlageentscheidung frei sind. 

Und wenn sie organisch so stark wachsen – wir sammeln allein in Deutschland jedes Jahr zwischen zwei und vier Milliarden Euro an neuen Geldern ein – macht es wenig Sinn, ein aktiver Spieler in der Konsolidierung der Branche zu sein. Zwar werden wir angesprochen und schauen uns auch Banken an. Aber die Kosten einer Fusion sind hoch.

Wir fühlen uns unseren Kunden, Mitarbeitern und Aktionären verpflichtet. Deshalb haben wir den Verhandlungstisch in den vergangenen Jahren mehrmals verlassen und gesagt, „das ist nichts für uns“.

Zukäufe sind also demnächst nicht geplant. Planen Sie, weitere Standorte zu eröffnen?

Häger: Mit einem Niederlassungsnetz von 17 Standorten haben wir mit die breiteste Gebietsabdeckung aller Privatbanken Deutschlands und eine ideale, regional tief verankerte Aufstellung gefunden. Wir sind von Hamburg bis nach München mit einem Schwerpunkt auf Nordrhein-Westfalen und Rhein-Main vertreten. In Deutschland muss man eine breite Flächenabdeckung haben. Man muss visibel sein. Man muss die unterschiedlichen Unternehmer-Mentalitäten verstehen. Ich denke, das haben wir mit unseren Standorten perfekt abgedeckt.

Vielleicht werden wir irgendwann über Berlin hinaus zusätzlich in Dresden einen Standort im Osten Deutschlands eröffnen. Dort gibt es gute mittelständische Unternehmen und auch eine wachsende Startup-Szene. Aber bei uns hängt der Aufbau eines Standorts immer von den Talenten ab, die wir finden. Wir gehen nicht in eine Stadt, um in einer Stadt zu sein. Unsere Regel lautet „Who comes before What“. Das heißt, es geht um den Menschen: seine Persönlichkeit, seine Erfahrung, seine Energie und seine Netzwerke.

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