DNCA Vorsicht, Geduld und Ausdauer

Isaac Chebar, Fondsmanager des DNCA Invest Value Europe

Isaac Chebar, Fondsmanager des DNCA Invest Value Europe

Der Angriff, heißt es im Fußball, gewinnt das Spiel. Die Abwehr aber die Meisterschaft. Eine Weisheit, die sich auf das Fondsmanagement übertragen lässt: Macht ein Fonds in einer schlechten Börsenphase 50 Prozent Verlust, muss er 100 Prozent zulegen, um auf den alten Stand zu kommen.

Das ist schwierig. Besser ist es, hohe Verluste gar nicht erst einzufahren. Genau das tut die auf Anlagen im Euroraum fokussierte französische Fondsboutique DNCA. „Performance“, so Jean-Charles Mériaux, Leiter des Fondsmanagements, „wird bei uns nie auf Kosten der Sicherheit erreicht.“ Die Vorsicht zahlt sich aus: Im Jahr 2008 etwa verlor der Stoxx Europe 600 rund 31 Prozent an Wert.

Beim auf europäische Value-Aktien ausgerichteten DNCA Invest Value Europe (WKN: A0M MD8) waren es nur rund 16 Prozent. Seit Mitte 2008 konnte der Fonds um 31 Prozent zulegen. Der Stoxx Europe 600 dagegen liegt 10 Prozent im Minus und hatte Kursschwankungen von 17 Prozent.

Vermögensverwaltender Ansatz


Aber auch der Mischfonds DNCA Invest Eurose überzeugt. Er zeigte in den vergangenen fünf Jahren einen Wertzuwachs von über 29 Prozent – bei Kursschwankungen von lediglich 4,8 Prozent. Basis dafür ist die Grundphilosophie der auf einen vermögensverwaltenden Ansatz spezialisierten DNCA. Das heißt: keine schnellen Gewinne. Vielmehr geht es darum, langfristig besser abzuschneiden als der Markt.

Zudem sind Staatsanleihen in den Portfolios derzeit nur minimal vertreten. „Risiken begrenzen wir durch eine fundamentale Analyse der Unternehmen auf der Aktien- wie auch auf der Anleiheseite“, sagt Mériaux. Dazu gehöre auch, dass dabei kein Einsatz strukturierter Produkte oder von Derivaten erfolgt und das Fondsmanagement keine Wechselkursrisiken eingeht.

Für den Aktienbereich hat DNCA vier Kriterien definiert: So muss eine Aktie ein deutliches Potenzial für eine Wertsteigerung aufweisen. Mériaux: „Konkret bedeutet das, dass unsere faire Bewertung bei etwa 40 Prozent über dem aktuellen Aktienkurs liegen muss.“ Zudem darf das maximale Abwärtsrisiko eines Titels bei nur 20 Prozent liegen.

Gesunde Bilanz als Voraussetzung


„Wir schauen uns ebenfalls an, ob ein Unternehmen eine gesunde Bilanzstruktur hat und ob das dortige Management eine mittel- bis langfristige Vision hat“, so Mériaux. Voraussetzung dafür ist, dass die Fondsmanager einen engen Kontakt zu den Firmen haben. Geringe Wertschwankungen des Portfolios erreicht das Management aber auch durch den Portfolioaufbau, bei dem das DNCA-Team unabhängig von einer Benchmark vorgeht.

„Keine Branche, kein Einzelwert und kein Land darf eine zu hohe Gewichtung haben“, so Mériaux. „Zudem streuen wir das Risiko stets über mehrere Titel – beispielsweise sind es 140 im Eurose.“ So sorgt das Management der DNCA-Fonds für eine starke Defensive – ohne dabei die Offensive zu vergessen.

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DAS INVESTMENT: Wie ist Ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Großwetterlage?

Isaac Chebar: Weltweit erwarten wir ein Wachstum von 2 Prozent, für Europa von 0,5 Prozent. Das Risiko eines Zusammenbruchs der Eurozone halten wir für gering – die Europäische Zentralbank wird alles tun, um das zu verhindern. Auf der Zinsseite erwarten wir ausgehend von dem historisch niedrigen Niveau, auf dem sich diese befinden, einen Anstieg. Doch dürfte ein solcher Zinsanstieg vorerst noch moderat ausfallen.

Bieten die Aktienmärkte noch ausreichend Potenzial?

Chebar: Europäische Aktien sind nicht mehr so günstig wie zu Jahresbeginn. Aber wir sehen noch Aufwärtspotenzial bei Value-Titeln. Dort gibt es Aktien, die auf Basis ihres Kurs-Gewinn-Verhältnisses günstig sind und attraktive Dividendenrenditen bringen.

Verraten Sie uns: Wo finden Sie diese immer noch günstig bewerteten Titel?

Chebar: Banken zum Beispiel hatten wir zwischen 2008 und Mitte 2011 gar nicht im Portfolio. Doch inzwischen haben wir sie wieder mit rund 7 Prozent gewichtet. Derzeit sind sie für uns eine langfristige Position. Sektoren wie Telekommunikation, Versorger oder Medien wurden zuletzt stark vernachlässigt. Auch dort finden sich unterbewertete und renditestarke Titel. Und nicht zuletzt Südeuropa, zum Beispiel Italien, ist für uns wieder ein Thema. Dort wurden viele Aktien zu Unrecht mit dem jeweiligen Länderrisiko abgestraft. Ob Sie es glauben oder nicht, dort finden Anleger derzeit das beste Risiko-Rendite-Verhältnis.