Von wegen Interessenskonfliktfreiheit „Was, wenn der Honorarberater die Lösung nach fünf Minuten kennt?“

Otto Lucius ist Vorstandsvorsitzender des österreichischen Verbandes Financial Planners

Otto Lucius ist Vorstandsvorsitzender des österreichischen Verbandes Financial Planners

Kürzlich war auf der Website des private banking magazins über Honorarberatung als Allheilmittel gegen kundenschädliche Interessenkonflikte zu lesen. Zumindest wird das seitens der Befürworter der Honorarberatung gebetsmühlenartig wiederholt, bis man selbst geneigt ist es zu glauben.

Hier soll nicht noch einmal auf den korrekteren Begriff der Gebührenberatung als deutsche Entsprechung zum sogenannten fee based advice eingegangen werden. Vielmehr soll beleuchtet werden, ob mit Honorarberatung tatsächlich Interessenkonflikte aus der Welt geschafft sind.

Bei Honorarberatung denkt man unwillkürlich an Ärzte, bei denen man als Privatpatient ist. Oder an Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. Abgesehen davon, dass mich einmal ein Arzt fragte, ob ich privat eine Krankenzusatzversicherung hätte, und ganz erleichtert war, als ich verneinte – „so schnell können Sie gar nicht schauen, und sie liegen unter dem Messer“ –, so muss man sich doch fragen, ob nicht auch Honorarzahlung zu Interessenkonflikten führen kann. Bleiben wir in der Welt der Finanzen.

Ein Kunde kommt zur Beratung auf Honorar. Kaum dass das Problem geschildert ist, hat der Berater die Lösung. Der Berater hat jetzt zwei Möglichkeiten: Er nennt dem Kunden sofort die Lösung und die Beratung ist nach fünf Minuten vorbei.

Oder er bläst das vermeintliche Problem auf, was der Kunde mangels Wissens oft nicht merken wird, und präsentiert nach einer Stunde vermeintlich intensivster Beratung die Lösung. Mit dem Nebeneffekt, dass für eine Stunde Beratung zu zahlen ist.

Was ich damit sagen will? Dass es völlig nebensächlich ist, wie die Entlohnung erfolgt, ob durch Provisionen oder durch Honorar. Dreh- und Angelpunkt ist der ethisch handelnde Berater, der die kundeninteressen an oberste Stelle setzt. Kann man das der Politik, den Konsumentenschützern und den Regulieren näher bringen?

In einem abschließenden Beitrag befasse ich mich mit der Qualifizierung und Ethik.


Über den Autor:
Professor Otto Lucius ist Vorstandsvorsitzender des Österreichischen Verbandes Financial Planners, Mit-Initiator des Finanzplaner Forum und Lehrbeauftragter an Universitäten und Fachhochschulen.