Philip Wobst im Exklusiv-Interview „Wir möchten eine gewisse Liquidität gewährleisten“

Philip Wobst auf dem Privatize Summit

Philip Wobst auf dem Privatize Summit: Er arbeitet für die Bauer Vermögensverwaltung. Bildquelle: Bauer Vermögensverwaltung

private banking magazin: Herr Wobst, Sie leiten das Portfolio Management bei der Bauer Vermögensverwaltung in Münster. Wie kam es dazu, dass Sie sich auf Private Markets spezialisiert haben?

Philip Wobst: Unser Einstieg in diesen Bereich begann vor etwa drei bis vier Jahren. Zunächst unterstützten wir ausgewählte Kunden, die im Private Equity Bereich aktiv waren. Diese Erfahrungen haben uns dazu veranlasst, uns immer tiefer in das Thema Private Markets einzuarbeiten. Über die Zeit entwickelte sich daraus eine für beide Seiten gewinnbringende Beziehung, in der wir viel voneinander gelernt haben.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Private Markets von den Public Markets?

Wobst: Der entscheidende Vorteil liegt in der Diversifikation. Private Markets ermöglichen den Zugang zu Marktsegmenten, die an der Börse nicht verfügbar sind. Ein gutes Beispiel sind europäische Technologieunternehmen. Viele dieser Firmen finden Sie nicht an der Börse, aber im Private Market Segment. Das eröffnet unseren Kunden neue Investitionsmöglichkeiten und verbessert die Streuung ihres Portfolios.

Wie haben Sie die erforderliche Expertise aufgebaut, um die passenden Private Equity Fonds für Ihre Anleger auszuwählen?

Wobst: Wir haben in unserem Investmentteam einen guten Mix aus verschiedenen Hintergründen. Unser Team kombiniert die Fachbereiche Jura, BWL, Wealth Management und Finance. Diese Kombination hat sich als ideal für den Private-Markets-Bereich erwiesen. Zudem konnten wir viele Prinzipien aus dem liquiden Bereich übertragen, wie etwa die Diversifikation über Regionen, Sektoren und Währungen. In den letzten drei bis vier Jahren haben wir uns intensiv in diese Themen eingearbeitet und unsere Expertise kontinuierlich ausgebaut.

Sie konzentrieren sich auf Evergreen-Produkte. Welche besonderen Herausforderungen bringt das mit sich?

Wobst: Die Hauptherausforderung bei Evergreen-Produkten liegt in der Balance zwischen Illiquidität und Liquidität. Wir bieten ein grundsätzlich illiquides Basis-Asset an, möchten aber gleichzeitig eine gewisse Liquidität, meist auf Quartalsbasis, gewährleisten. Das kann in Stressphasen problematisch werden, wenn viele Anleger gleichzeitig Kapital abziehen möchten. Aus diesem Grund fokussieren wir uns auf Manager, die bereits langjährige Erfahrung in diesem Bereich haben und etablierte Systeme sowie Liquiditätsstrategien entwickelt haben, die sich auch in Krisenzeiten bewährt haben.

Wie bewerten Sie die aktuelle Diskussion um die „Demokratisierung“ der Anlageklasse Private Markets?

Wobst: Wir stehen der Idee grundsätzlich positiv gegenüber. Die große Herausforderung besteht darin, die Vorteile der institutionellen Angebote auf den Retail-Bereich zu übertragen, ohne dass durch höhere Kosten die potenziellen Vorteile aufgezehrt werden. Private Markets sind interessant, gehen aber auch mit hohen Produktkosten einher. Es kommt darauf an, ob es gelingt, die Produktqualität zu übertragen und gleichzeitig Konditionen anzubieten, die auch für Privatanleger vorteilhaft sind. Wir sehen im Markt sowohl vielversprechende als auch weniger attraktive Ansätze.

Wie sieht aktuell die Allokation zwischen liquiden und illiquiden Assets bei Ihren Kunden aus?

Wobst: Derzeit überwiegen die liquiden Assets noch deutlich. Wir sind nach wie vor auf der liquiden Seite fokussiert und werden das auch bleiben. Allerdings beobachten wir, dass das Interesse an Private Markets wächst. Unser Kundenstamm ist über die Jahre gewachsen, und damit auch das Volumen und die Breite des Interesses. Für Kunden, die sich bereits dafür interessieren, haben wir Lösungen entwickelt. Für eine breitere Implementierung in unsere Vermögensverwaltungsstrategien warten wir auf die semi-liquiden Eltif-Produkte, die voraussichtlich in den nächsten zwei Jahren auf den Markt kommen werden.

Was hat Sie persönlich dazu bewogen, sich auf diese semi-liquiden oder illiquiden Privatmarkt-Themen zu konzentrieren?

Wobst: Zwei Aspekte waren für mich ausschlaggebend. Zum einen bieten Private Markets eine interessante Diversifikationsmöglichkeit. Zum anderen handelt es sich um einen komplexen Markt mit einer großen Streuung zwischen guten und schlechten Fonds. Als aktiver Vermögensverwalter sehen wir hier die Chance, echten Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen. Das Thema der semi-liquiden oder Evergreen-Produkte ist besonders für Privatkunden interessant, deren Anlagehorizont vielleicht 10 Jahre beträgt, aber nicht 30 Jahre oder mehr wie bei vielen Institutionellen. In einem Evergreen-Produkt nimmt man zwar einen gewissen Renditeabschlag in Kauf, ist aber viel schneller und zu einem höheren Grad investiert, was bei einem kürzeren Anlagehorizont zu besseren Ergebnissen führen kann.

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