Die Volksbank Braunschweig-Wolfsburg (Brawo) ist laut einem Bericht des Handelsblatts auf Unterstützung von bis zu 720 Millionen Euro durch die Sicherungseinrichtung des Bankenverbands BVR angewiesen. Damit wird die Brawo zum bislang größten bekannten Stützungsfall einer deutschen Genossenschaftsbank.
Konkret erhält die Bank dem Bericht zufolge Garantien in Höhe von 473 Millionen Euro durch den Stützungsfonds des Branchenverbandes. Zusätzlich zeichnet der BVR Anteile im Umfang von bis zu 250 Millionen Euro an der Brawo und steigt damit als Anteilseigner ein.
Hohe Wertberichtigungen bei Immobilien
Vorstandssprecher Lars Berkefeld begründete den Kapitalbedarf bei den heute vorgestellten Geschäftszahlen mit umfangreichen Wertberichtigungen vor allem im Immobiliengeschäft. Rund 80 Prozent der Neubewertungen entfielen demnach auf das Geschäftsfeld Real Estate.
Demnach hat sich für die Bank durch die Abwertungen ein vorläufiger Verlust von rund 608 Millionen Euro ergeben. Eigene Reserven in Höhe von 136 Millionen Euro wurden deshalb bereits teilweise aufgelöst. Um die verbleibende Lücke zu schließen und das Eigenkapital oberhalb der aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu halten, braucht es jedoch die Unterstützung des BVR.
Restrukturierungen sollen nun in den Geschäftsfeldern Real Estate, Corporate Investments und Green Energy anstehen. „Das bisherige Geschäftsmodell und die Geschäftsstrategie müssen auf Basis des enormen Wertberechtigungsbedarfs grundsätzlich überarbeitet werden", so Berkefeld.
Volksbank Brawo: Riskantes Geschäftsmodell
Die Ursache der Schieflage liegt im umfangreichen Beteiligungsportfolio der Brawo, wie das private banking magazin bereits im August berichtete: Statt sich auf das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft zu konzentrieren, hatte die Bank unter ihrem langjährigen, inzwischen abgelösten Vorstandschef Jürgen Brinkmann ein Netz aus zeitweise mehr als 400 Gesellschaften aufgebaut.
Neuer Vorstand soll Bank sanieren
Brinkmann wurde Anfang Mai 2026 abgelöst (wegen laut Aufsichtsrat „unterschiedlicher Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung“); im Juni holte die Bank mit Heiner Arnoldi einen erfahrenen Sanierer – zuvor Bafin-Sonderbeauftragter bei der Volksbank Düsseldorf Neuss und langjähriges Vorstandsmitglied der Deutschen Oppenheim Family Office – als Vorstandsmitglied.
Mit Jürgen Wache, zuvor 18 Jahre lang Chef der Hannoverschen Volksbank, erhielt die Brawo zudem eine neue Führungsspitze: Zum 15. August 2026 trat Wache sein Amt zunächst als Generalbevollmächtigter an; den Vorstandsvorsitz übernimmt er, sobald die formalen Voraussetzungen erfüllt sind. Mit seinem Antritt gab Lars Berkefeld das Mandat als Interims-Vorstandssprecher ab, blieb dem Institut aber als Vorstandsmitglied erhalten. Für den 22. September 2026 ist nun die mehrfach verschobene Vertreterversammlung angesetzt.