Der Aufsichtsrat der Volksbank Brawo hat Jürgen Brinkmann freigestellt. Der Vorstandsvorsitzende verlässt das Institut mit sofortiger Wirkung. Das gab die Genossenschaftsbank bekannt. Als Grund nennt der Aufsichtsrat „unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung“.
Berkefeld übernimmt die Führung übergangsweise
Interimistisch übernimmt Lars Berkefeld die Funktion des Vorstandssprechers. Vorstandsmitglied Carsten Ueberschär unterstützt ihn dabei. Ein dritter Vorstandsposten soll zeitnah extern besetzt werden. Berkefeld kündigte an, „die bisherige Geschäftsstrategie der Brawo-Gruppe einer kritischen Prüfung zu unterziehen“. Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Bade dankte Brinkmann für seine „langjährige Tätigkeit" und sein „großes Engagement für die Bank und die Region“.
Antrag auf Deckungsmaßnahmen beim BVR
Der neue Vorstand will dem Aufsichtsrat vorschlagen, bei der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) einen Antrag auf Deckungsmaßnahmen zu stellen. Berkefeld betonte, die Bank erfülle die harten Kapitalanforderungen sowie die Liquiditätsanforderungen. Der Antrag solle die Neuausrichtung der Brawo-Gruppe erleichtern. Für Mitglieder, Kunden und Mitarbeitende habe der Schritt keine Auswirkungen, so Berkefeld.
Die Volksbank Brawo will im Zuge der Berichterstattung über den Jahresabschluss 2025 detailliert über Restrukturierungsmaßnahmen informieren. Zu den erwarteten Wertberichtigungen kann zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussage des Instituts getroffen werden.
Kritik an der Geschäftsstrategie
Die Geschäftsstrategie der Volksbank Brawo hatte in der Branche zuletzt für Diskussionen gesorgt, wie unter anderem das „Handelsblatt“ berichtet hat. Die Bank hatte ein weitverzweigtes Beteiligungsnetz mit mehr als 400 Gesellschaften aufgebaut — von Immobilienprojekten über Fitnessstudios bis hin zu Gastronomie und Auslandsengagements. Teile dieses Portfolios sollen defizitär gewesen sein. Zudem steht der testierte Konzernabschluss 2024 noch aus. Dieser soll laut eines Sprechers des Instituts sobald wie möglich nachgeholt werden.
Wegen ihres Beteiligungsportfolios stand die Bank bereits als Präventionsfall unter Beobachtung der BVR-Sicherungseinrichtung. Ob und in welchem Umfang daraus Konsequenzen entstehen, ist derzeit Gegenstand laufender Prüfungen.