Volker Schilling nennt seinen Fonds Human Intelligence. Das klingt nach einem Gegenentwurf zu allem, was die Finanzbranche gerade beschäftigt. Während Dutzende Asset Manager KI auf ihre Produkte schreiben, läuft sein Ansatz in die andere Richtung. „Alle Fonds, die bisher von KI gemanagt werden, werfen suboptimale Ergebnisse ab“, sagt Schilling ohne Umschweife. „Es sei denn, man will schönes Marketing machen.“
Sein eigenes Produkt, das Schilling gemeinsam mit Lead-Manager Frank Thermate bei Greiff Capital Management in Freiburg betreibt, stützt sich auf eine andere These: Wirklich gute Fondsmanager erzielen fast ihre gesamte Outperformance mit nur wenigen Aktien, die sie besonders stark gewichten. Eine Studie der Harvard Business School und der London School of Economics, die unter dem Titel „Best Ideas" veröffentlicht wurde, belegt das.
Schillings Strategie: Er screent jedes Jahr rund 10.000 Fonds nach Aktivität und Mehrwert, filtert 200 bis 300 der besten heraus und liest dann systematisch deren Top-30-Holdings aus. Ein Scoring-Modell bewertet, wie häufig eine Aktie vorkommt und wie stark sie zum Index übergewichtet ist. Daraus baut er ein konzentriertes Portfolio mit 30 bis 40 Titeln. Keine Raketenwissenschaft, sagt er selbst – aber die Zahlen sprechen für sich.
In den vergangenen drei Jahren hat der Human Intelligence Fund rund 100 Prozent zugelegt. Der MSCI World kam auf etwa 50 Prozent. Seit Auflage liegt das jährliche Alpha bei rund sechs Prozent – und damit sogar über dem, was die theoretische Harvard-Studie vorhergesagt hatte. Im laufenden Jahr steht der Fonds bei plus 12 Prozent, der Markt bei etwa vier.
Kritiker nennen ihn einen Trittbrettfahrer. Schilling lächelt das weg: „Lieber gut kopiert als schlecht gemacht.“ Und er hat ein weiteres Argument: Im Schnitt erwirbt sein Fonds die Aktien sogar günstiger als die beobachteten Manager – weil viele dieser Manager schlicht zu früh einsteigen.
Was den Fonds ungewöhnlich macht, ist auch seine Dynamik. Das Portfolio wechselt sich alle zwei bis drei Monate inhaltlich erheblich. Chinesische Aktien, als geopolitisch riskant abgestempelt und auf einem Fondkongress offen kritisiert, wurden zur stärksten Position – und liefen am besten. Danach: Gold- und Silberminen. Aktuell dreht das Portfolio wieder in Richtung Tech. „Immer wenn ich ein leichtes Bauchgrummeln spüre, ist das eigentlich ein gutes Zeichen“, sagt Schilling.
Heute verwaltet der Fonds rund 120 Millionen Euro, im August wird er fünf Jahre alt. Bis Jahresende sollen es 200 Millionen sein. Langfristig hat Schilling das Ziel formuliert, mit seiner Boutique in den zweistelligen Milliardenbereich zu wachsen – oder in der Konsolidierungswelle, die die Boutiquen-Welt gerade erfasst, selbst zum Käufer zu werden statt zum Übernahmeziel.
Ob der Ansatz skalierbar bleibt, wenn das Volumen wächst, ist eine offene Frage. Und ob sich das Modell irgendwann auch als ETF umsetzen lässt – dazu hat Schilling eine klare Meinung. Wie genau das Scoring-Modell funktioniert, welche Fehler in den ersten Jahren gemacht wurden und worauf Volker Schilling jetzt setzt, darüber spricht er im Podcast.