BVI Asset Management Konferenz Große Bühne und hochkarätige Besetzung beim BVI

Volker Schilling, Vorstandsmitglied bei Greiff Capital:

Volker Schilling, Vorstandsmitglied bei Greiff Capital hat Gabor Steingart zwischen Verzweiflung und Zuversicht erlebt und war live dabei, als Hans-Werner Sinn der Politik die Leviten verlas. Foto: Greiff Capital

Große Bühne im Gesellschaftshaus des Palmengartens in Frankfurt, und das ausliegende Programm macht gleich zu Beginn eins deutlich: Heute wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Neben zahlreichen politischen Akteuren aus Bundesregierung, Bundestag, Staatsministerien und europäischen Institutionen, erwartete die Besucher der streitbare Hans-Werner Sinn, die Kriegsberichterstatterin Antonia Rados und der Medienmacher Gabor Steingart. Doch der Reihe nach.

Begrüßung durch Thomas Richter und Grußwort von Robert Habeck

Die Kulisse ist perfekt inszeniert, der Empfang professionell abgehandelt und die Stimmung unter den Gästen locker, als BVI-Geschäftsführer Thomas Richter die Bühne betritt, um die Anwesenden im Namen des BVI zu begrüßen. Auf den Punkt gebracht stellt er die wichtigsten Themen der Verbandstätigkeiten vor, die neben den bekannten Themen wie Regulierung und Nachhaltigkeit auch die neue Hoffnung auf Alterssicherungskonzepte der Politik beinhalten.

Wirtschaftsminister Robert Habeck meldete sich per Videobotschaft. Gabor Steingart schiebt Habecks Fernbleiben auf seine Angst vor kritischen Fragen.
Wirtschaftsminister Robert Habeck meldete sich per Videobotschaft. Gabor Steingart schiebt Habecks Fernbleiben auf seine Angst vor kritischen Fragen. © Volker Schilling

Das anschließende Grußwort mit Ideen für Zukunftsinvestitionen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kommt allerdings nur als Videobotschaft daher. Die einen mögen dies dem Umstand seines aktuellen Arbeitspensums zuschreiben, die anderen, wie Journalist Gabor Steingart, deuten das physische Fernbleiben eher als Schutz vor kritischen Nachfragen eines derzeit dünnhäutigen grünen Wirtschaftsministers.

Da aber bekanntermaßen oft die Geste mehr zählt als der Inhalt, hat sich auch Robert Habeck merklich auf ersteres beschränkt. Fernsehmoderatorin Corinna Wohlfeil, die eloquent und gekonnt durchs Programm führte, hielt sich daher nicht lange damit auf, sondern übergab das Rednerpult an Florian Toncar, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen.

Florian Toncar über den Finanzplatz Deutschland

Vorneweg: Toncar hielt seine Rede über die Ideen der Bundesregierung für einen starken Finanzplatz ohne Folien, vorbereitetes Skript oder Handzettel. In freier Rede und voller Bühnenpräsenz stellte er die drei Eckpfeiler seiner Tätigkeit im Finanzministerium vor. Da wäre zum einen das Zukunftsfinanzierungsgesetz, mit dem Christian Lindner den Vermögensaufbau mit Wertpapieren attraktiver gestalten will. Lindner sieht den Finanzmarkt als Lösung und nicht als Gegner. Zum anderen ist die monetäre Alterssicherung, mit der Einführung einer kapitalgedeckten Rente, kurz Aktienrente genannt, ein wichtiges Anliegen. Diese soll aus einem öffentlichen, global diversifizierten Fonds gespeist werden, der mit Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt in Fahrt gebracht werden soll. Dazu kommen Überlegungen zur Erhöhung von Freibeträgen, Altersvorsorgekonten und einer Reform des Riestersparens.

Die Teilnehmer der BVI-Asset-Manager-Konferenz erwarteten Podiumsdiskussionen und Vorträge, unter anderem von und mit Hans-Werner Sinn und Florian Toncar.
Die Teilnehmer der BVI-Asset-Manager-Konferenz erwarteten Podiumsdiskussionen und Vorträge, unter anderem von und mit Hans-Werner Sinn und Florian Toncar. © Volker Schilling

Toncars dritte wichtige Tätigkeit ist die Mitwirkung bei der Gestaltung der Nachhaltigkeitskriterien im Rahmen der EU Taxonomie und der damit verbundenen nationalen Umsetzung. So geschliffen seine Rhetorik ist, so wichtig seine Anliegen auch sind, so waren seine Aussagen doch lediglich Absichtserklärungen mit schriftlicher Dokumentation im Koalitionsvertrag. Zur konkreten zeitlichen Umsetzung kam erstaunlich wenig und zu Höhe und Auswirkungen auf das Altersvorsorgesystem gab es überhaupt keine Aussagen. Innerlich schallte es aus dem Auditorium der Bühne entgegen: Gut gebrüllt Löwe und jetzt leg endlich los.

Antonia Rados über „Europa und die Welt“

Der folgende Vortrag von Kriegsberichterstatterin Antonia Rados zum Thema „Europa und die Welt: Was in den nächsten Jahren auf dem Spiel steht“, war erstaunlich fahrig, ungeordnet, philosophisch verbrämt und vor allem zu wenig aufschlussreich, um seinem Titel gerecht zu werden. Auffällig waren auch die für eine Journalistin schlechten Folien, obwohl diese zumindest für Denkanstöße brauchbar gewesen wären, wenn Sie sich und dem Publikum erlaubt hätte, tiefer darüber nachzudenken. So blieb es bei einem Sammelsurium aus Geschichts-, Philosophie- und Journalistenerzählungen, das der BVI-Konferenz wenig hinzugefügt hat.

Gabor Steingart zwischen Verzweiflung und Zuversicht

Ganz anders Medienmacher und Pioneer-Gründer Gabor Steingart, der in seiner Keynote zur Lage der Nation die Zuhörer mitnahm und begeisterte. Vor allem seine klare und deutliche Sprache, seine offene Selbstkritik und seine brillanten Schlussfolgerungen haben das Publikum kurzweilig, aber mit Informationsgewinn, bereichert. Man merkt, dass der Mann nicht nur Journalist ist, sondern auch ein sprachgewandter Entertainer. Personalisiertes Infotainment vom Feinsten. Wäre da nicht hin und wieder doch eine Prise zu selbstverliebter Polemik im Gepäck. Wenn es sich aber jemand an diesem Nachmittag erlauben konnte, dann war es Gabor Steingart.

Das Fazit seiner Rede: Verzweiflung und Zuversicht! Verzweiflung über das Paradox, dass der SPD-Kanzler, der die Unterschicht retten wollte, dafür sorgt, dass der soziale Abstieg noch härter wird; Verzweiflung darüber, dass der grüne Wirtschaftsminister Kohle, Gas und Atomstrom ranschaffen muss; Verzweiflung darüber, dass der liberale Finanzminister die Spendierhosen anhat, obwohl er sparen will, und dafür permanent neue Schulden macht. Aber auch Zuversicht angesichts des Ideenreichtums und der Innovationskraft des deutschen Mittelstandes; Zuversicht, dass Deutschland im Ukraine-Krieg besonnen handelt; und Zuversicht, dass Krisen auch Chancen hervorbringen.

Politische Nabelschau und Wünsche der Fondsindustrie

Die Chancen für den Finanzplatz Deutschland loteten im Anschluss folgende vier Herren in einer Paneldiskussion aus. Neben den beiden Bundestagsmitgliedern Dr. Michael Meister von der CDU/CSU und Michael Herbrand von der FDP, diskutierten der Sprecher der Geschäftsführung der DWS Manfred Bauer und Moderator Kai Schulze vom BVI. Um es kurz zu machen: Viel politische Nabelschau und freundlich adressierte Wünsche der Fondsindustrie an die Politik. Kai Schulze hatte seine Gäste im Griff, auch wenn insbesondere die Politik sich gerne für Nichts selbstbeweihräucherte. Beispiel gefällig: MdB Michael Herbrand von der FDP sieht es bereits als Erfolg, dass man die Aktienrente in den Koalitionsvertrag reingeschrieben hat.

Hans-Werner Sinn zeigt Scheinheiligkeit der EU-Taxonomie auf

Na dann, schreiben wir in Zukunft nur noch auf, was wir vorhaben, und schon sind wir erfolgreich. So einfach geht’s nicht. So einfach ging´s dann auch nicht weiter, denn Hans-Werner Sinn mischte die anwesenden Politiker und die Fondsindustrie ordentlich mit seinem Impulsvortrag zum Thema Nachhaltigkeit auf. Was am Beginn wie eine professorale, akademische Abhandlung daherkam, war am Ende ein Leviten-lesen.

Sinn zeigte die Scheinheiligkeit der EU-Taxonomie auf und begründete seine Ausführungen exakt wissenschaftlich. Damit brachte er die moralisierenden Bürokraten ordentlich in Bedrängnis. Zumal er in der anschließenden Podiumsdiskussion seine Mitdiskutanten Nathan Fabian, Vorsitzender der Europäischen Plattform für nachhaltige Finanzen, und Antje Schneeweiß, Mitglied des Sustainable-Finance-Beirats der Bundesregierung, ziemlich blass aussehen ließ. Eine der spannendsten Diskussionen des Nachmittages. Das Ende des Tages markierten die beiden BVI-Experten Rudolf Siebel und Dr. Magdalena Kuper mit einem Streifzug durch aktuelle Regulierungsthemen zur Nachhaltigkeit und zu Finanzmarktdaten.

 

 

Mein Fazit: Hochkarätige Besetzung der Konferenz aus Politik und Medien in professioneller Kulisse. Nichts Anderes darf man vom Interessensverband der Fondsindustrie erwarten und verlangen. Und es wurde geliefert. Besonders erwähnenswert auch die ausreichenden Kaffeepausen und die Mittagszeit, die genug Raum zum Netzwerken und für Gespräche zuließen. In diesem Sinne knüpfte der BVI an seine erfolgreichen Vor-Corona-Veranstaltungen an und scheute sich nicht, dieses Veranstaltungsprojekt mit viel Arbeit gekonnt in Szene zu setzen.