Steigende Schwankungen an den Kapitalmärkten gelten als Warnsignal, geringe Volatilität als Zeichen ruhiger Märkte. Volatilität lässt sich jedoch auch aus einer anderen Perspektive betrachten, denn am Optionsmarkt ist sie selbst handelbar. Für Volatilitätsstrategien ist damit nicht mehr in erster Linie entscheidend, ob ein Aktienmarkt steigt oder fällt, sondern welchen Preis Investoren bereit sind, für die Absicherung von Marktrisiken zu bezahlen.
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Steigende Schwankungen an den Kapitalmärkten gelten als Warnsignal, geringe Volatilität als Zeichen ruhiger Märkte. Volatilität lässt sich jedoch auch aus einer anderen Perspektive betrachten, denn am Optionsmarkt ist sie selbst handelbar. Für Volatilitätsstrategien ist damit nicht mehr in erster Linie entscheidend, ob ein Aktienmarkt steigt oder fällt, sondern welchen Preis Investoren bereit sind, für die Absicherung von Marktrisiken zu bezahlen.
Interessant sind dabei die Preisunterschiede zwischen verschiedenen Segmenten des Volatilitätsmarktes. So sind etwa die erwarteten Schwankungen eines Aktienindex und seiner Einzelwerte eng miteinander verbunden – werden am Optionsmarkt aber keineswegs immer gleich bewertet.
Warum das Ganze anders bewertet wird als seine Teile
Die Volatilität eines Aktienindex wird wesentlich von drei Faktoren bestimmt: der Schwankungsintensität der einzelnen Aktien, ihrer Gewichtung im Index und der Korrelation der Titel untereinander. Bewegen sich viele Aktien gleichzeitig in dieselbe Richtung, schlagen ihre Schwankungen stärker auf den Index durch. Entwickeln sie sich dagegen unterschiedlich, gleichen sich Kursbewegungen teilweise aus.
Wie stark diese Faktoren zusammenspielen können, zeigte sich im ersten Halbjahr 2026 am Nasdaq 100. Die implizite Volatilität zahlreicher Halbleiterwerte war deutlich gestiegen, zugleich hatten diese Unternehmen im Index an Gewicht gewonnen. Eine gesunkene implizite Korrelation zwischen den Einzelwerten dämpfte den Anstieg der Indexvolatilität jedoch teilweise. Das Beispiel zeigt: Die Schwankungsintensität eines Index lässt sich nicht isoliert beurteilen. Ein höheres Niveau der Indexvolatilität ist daher nicht automatisch teuer. Für Volatilitätsstrategien müssen Einzelwerte, Gewichtung und Korrelation gemeinsam betrachtet werden.
Woher die Volatilitätsrisikoprämie kommt
Hinzu kommt ein struktureller Unterschied zwischen den Optionsmärkten für Indizes und Einzelaktien. Viele Investoren nutzen Indexoptionen, um größere Aktienportfolios gegen Kursverluste abzusichern. Diese Versicherung ist nicht kostenlos, und wer das entsprechende Risiko übernimmt, erhält dafür eine Prämie. Dass daraus eine systematische Renditequelle entstehen kann, zeigt sich auch empirisch: Häufig liegt die in Optionspreisen enthaltene implizite Volatilität über den später tatsächlich eintretenden Schwankungen.
Bei Einzelaktien ist die Nachfrage nach Absicherung dagegen weniger ausgeprägt. Größere Aktienportfolios werden häufig über den gesamten Index abgesichert. Auch deshalb fällt die Volatilitätsrisikoprämie bei Einzelwerten geringer aus als auf Indexebene. Diese unterschiedliche Bewertung lässt sich gezielt nutzen: Beim sogenannten Dispersion Trading wird typischerweise Volatilität von Einzelaktien gekauft und gleichzeitig die des Index verkauft. Entscheidend ist damit nicht ihre absolute Entwicklung, sondern das Verhältnis zwischen Einzelwerten und Gesamtindex.
Dispersion statt reiner Prämienstrategie
Klassische Short-Volatility-Strategien vereinnahmen Optionsprämien und profitieren, wenn die tatsächlich eintretenden Schwankungen geringer ausfallen als zuvor eingepreist. Bei abrupten Ausschlägen können die Verluste jedoch deutlich höher sein als die zuvor vereinnahmte Prämie. Die Kombination von Index- und Einzelaktienvolatilität setzt an diesem Risiko an: Der verkauften Position auf Indexebene steht gekaufte Volatilität der Einzelwerte gegenüber, die bei steigender Volatilität Verluste teilweise ausgleichen kann.
Dabei kommt es auf die relative Bewertung an. Es reicht nicht, pauschal davon auszugehen, Indexvolatilität sei teuer und Einzelaktienvolatilität günstig. Einzeltitelvolatilität, Korrelationen und Indexzusammensetzung verändern sich laufend. Dispersion verlangt deshalb eine kontinuierliche Analyse. Aus diesem Mechanismus lassen sich unterschiedliche Ertragsprofile konstruieren. Ein Ansatz nutzt die höhere Risikoprämie auf Indexebene als Renditequelle, während die gekaufte Einzelaktienvolatilität gegen steigende Volatilität als Rückversicherung dient. Ziel ist ein robusteres Ertragsprofil als beim reinen Verkauf von Volatilität.
Die Kombination kann jedoch auch bewusst asymmetrisch ausgerichtet werden. Dann soll die Strategie insbesondere bei stark steigender Marktunsicherheit profitieren. Eine solche Volatilitätsstrategie übernimmt damit eine andere Funktion: Sie wird zum Diversifikator gegenüber traditionellen Kapitalmarktanlagen. Entscheidend ist also, welche Risiken gekauft und verkauft werden und welches Auszahlungsprofil daraus entsteht.
Diversifikation in Stressphasen
Für die strategische Asset-Allokation ist diese zweite Perspektive besonders interessant. Denn unterschiedliche Anlageklassen bedeuten nicht automatisch unterschiedliche Risikotreiber. Korrelationen sind nicht stabil. Gerade in Stressphasen können Anlagen, die sich zuvor unabhängig voneinander bewegt haben, plötzlich gleichzeitig unter Druck geraten. Entsprechende Volatilitätsstrategien können hier einen zusätzlichen Ansatzpunkt bieten.
Steigt die Unsicherheit an den Aktienmärkten abrupt, nimmt typischerweise auch die Volatilität zu. Strategien mit einem entsprechend asymmetrischen Ertragsprofil können deshalb gerade in solchen Phasen anders reagieren als traditionelle Anlagen. Volatilitätsstrategien können also zu einer breiteren Diversifikation beitragen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Zahl der Anlageklassen, sondern wie unterschiedlich diese auf Marktveränderungen reagieren.
Über die Autoren:
Daniel Danon ist Portfoliomanager bei Assenagon und für das Volatility Portfolio Management zuständig. Davor war Danon als Derivatehändler bei der Credit Suisse tätig.
Tobias Knecht kümmert sich als Portfoliomanager ebenfalls um das Volatility Portfolio Management bei Assenagon. Knecht war zuvor ebenfalls als Derivatehändler bei der Credit Suisse tätig.
