Die Vienna Insurance Group (VIG) erwägt einem Bloomberg-Bericht zufolge den Verkauf der Fürst Fugger Privatbank. Unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise berichtet das Medium, das der österreichische Versicherungskonzern eine mögliche Transaktion vorbereitet. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, diese hänge vom Abschluss der VIG-Übernahme der Nürnberger Versicherung ab. Diese ist derzeit Eigentümerin der Augsburger Privatbank. Mit dem Vollzug der Transaktion wird in der zweiten Jahreshälfte 2026 gerechnet.
Die Fürst Fugger Privatbank verwaltet knapp sieben Milliarden Euro, überwiegend für vermögende Privatpersonen sowie über ein Netzwerk von Vermittlern. Die VIG bewertet das Institut demnach intern mit rund 120 Millionen Euro. Das Interesse potenzieller Investoren könnte den Preis jedoch in die Höhe treiben – auch wegen der europäischen Banklizenz des Hauses, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person gegenüber Bloomberg. Im Jahr 2024 beschäftigte die Bank 144 Mitarbeiter und erzielte einen Jahresüberschuss von 13,6 Millionen Euro.
Ein Name mit Geschichte
Die Fürst Fugger Privatbank hat ihren Sitz im Renaissance-Palais der Familie Fugger in Augsburg und trägt einen der traditionsreichsten Namen der europäischen Finanzgeschichte. Die Fugger stiegen im 15. und 16. Jahrhundert zu einer der mächtigsten Bankiersdynastien des Kontinents auf: Sie kontrollierten ein weitreichendes Netzwerk aus Bergwerken, Handelshäusern und Banken, finanzierten den Aufstieg der Habsburger und unterhielten Verbindungen bis in den Vatikan und den europäischen Adel.
Ihre finanzielle Vorherrschaft endete im 17. Jahrhundert infolge mehrerer spanischer Staatsbankrotte. Die Habsburger schulden den Fuggern bis heute erhebliche Summen – seit dem Wiener Kongress 1815 gab es jedoch keine Versuche mehr, diese einzutreiben.
Die heutige Bank wurde 1954 von Friedrich Carl Fürst Fugger-Babenhausen gegründet, der die Familienfinanzen in einer eigenen Institution bündeln wollte. 1999 übernahm die Nürnberger Versicherung das Institut. Die Bank wirbt bis heute mit dem historischen Erbe der Familie.